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Riegelsberg : „Ich gebe dem Markt noch etwa zehn Jahre“

Riegelsberg : „Ich gebe dem Markt noch etwa zehn Jahre“

Das Wochenmarkt-Sterben ist auch in Riegelsberg ein viel diskutiertes Thema unter den Händlern: Internet, die ältere Generation, die wegstirbt und die Macht der Gewohnheit machen den Marktleuten das Leben schwer.

„Es ist schade, dass die Wochenmärkte immer kleiner werden und kaputt gehen“, sagen regelmäßige Marktgänger im Köllertal. Auch der Wochenmarkt in Riegelsberg bildet hier keine Ausnahme. „Früher war hier mehr los, der Markt war voll, und die Händler haben sich um die besten Plätze gestritten“, sagt Willi Konrad aus Merchweiler und erinnert sich an die „guten alten Zeiten“. Seit rund zwölf Jahren ist er mit seinem Uhrenstand jeden Mittwoch hier und sieht dem Sterben des Wochenmarktes zu. „Damals war das Angebot vielseitiger: vor allem mehr Lebensmittel. Heute gibt es fast nur noch Textilien“, sagt Konrad.

Für den Niedergang des Wochenmarktes gebe es jedoch nicht nur einen Grund. Es sei eine Vielzahl von Ursachen, die Hand in Hand die Märkte im Saarland kaputt machen, sagt der Merchweiler: „Ein Problem, das man diesbezüglich überall hört: das Internet.“ Klar würden Online-Käufe Märkte und Einzelhandel kaputt machen, „aber das ist es nicht allein“, sagt Konrad. Auch der Umbau des Marktes habe viele Kunden vertrieben. Während der Neugestaltung musste der Wochenmarkt auf den Parkplatz vor dem Rathaus ausweichen, „das hat schon eine große Rolle gespielt“, sagt er.

Die Händlerin vom benachbarten Textilstand stimmt dem Merchweiler zu: „Manchen Leuten war der Weg zum neuen Standort zu viel, vor allem älteren Kunden“, sagt die 73-Jährige aus Bexbach. Der Umbau des Riegelsberger Marktes zog sich rund 2,5 Jahre hin – eine lange Zeit. Seit Anfang des Jahres sei der Wochenmarkt wieder an seinem angestammten Platz. Das Problem jedoch: „Viele Kunden sind in der Umbauzeit weggeblieben. Und Kunden, die erst einmal weg sind, kommen so schnell nicht wieder“, sagt sie.

Ein weiteres Problem, mit dem jeder Wochenmarkt im Saarland zu kämpfen hat: „Die ältere Generation stirbt uns weg, und es kommen einfach keine jungen Leute nach“, sagt die Textil-Händlerin weiter. Gründe hierfür seien neben der Berufstätigkeit vor allem auch die Gewohnheit. „Selbst wenn die jüngere Generation irgendwann mal in Rente geht und Zeit hat, wird sie nicht plötzlich zum Marktgänger werden“, sagt sie.

„Es ist ein Teufelskreis“, stimmt Konrad seiner Standnachbarin zu. „Wenn die Kunden wegbleiben, geben viele Händler auf oder ziehen weiter zu einem anderen Markt.“ Gelegenheitskunden würden sich dann darüber beschweren, dass die Auswahl immer weiter zurückgehe und ebenfalls die Supermärkte vorziehen. Das führe jedoch dazu, dass auch diese Kunden wegbleiben und immer mehr Händler ihre Segel streichen, sagt die Bexbacherin. „Und so geht es weiter, bis der Markt irgendwann kaputt geht“, sagt Konrad. „Ich gebe dem Riegelsberger Markt noch etwa zehn bis zwölf Jahre, dann ist er am Ende – meine Meinung“, sagt der Uhrenhändler etwas traurig. „Und das ist sehr schade.“

Auf dem Markt ist kaum ein Kunde zu sehen, es herrscht fast schon gähnende Leere. Die Hitze – mit rund 25 Grad – am Mittwochvormittag und das Fehlen des Obst- und Gemüsestandes wegen Urlaub tragen ihren Teil dazu bei. „Obst und Brot ziehen Kunden auf den Wochenmarkt. Ohne diese Händler ist der Markt dem Untergang geweiht“, sagt Konrad. 

Vor Jahren habe es auch mal einen Bäcker auf dem Markt gegeben, heute fehlt dieser. Genauso wie ein Händler mit Haushaltswaren, sagt Karoline Schroers aus Riegelsberg. Mit ihrem Mann betreibt die Hobby-Imkerin einen Honigstand auf dem Wochenmarkt. Die Riegelsbergerin geht auch gerne privat auf Märkten einkaufen, vor allem in Heusweiler. Auf der Einkaufsliste stehen dann Obst, Gemüse, Eier und Fleisch – Kleidung eher weniger.

Als Kind sei ein Marktbesuch ein Highlight für sie gewesen, sagt die Hobby-Imkerin. „Es gab immer so viele schöne Sachen. Querbeet war alles da. Heutzutage glauben Kinder ja, es käme alles aus einer Verpackung“, sagt sie etwas traurig.

Ihrer Meinung nach schrecken die teureren Marktpreise viele ab. Aber gute Qualität habe nun mal ihren Preis, sagt sie weiter: „Obst, Eier und Fleisch sind bei vielen Markthändlern aus regionalem Anbau. Ich weiß, woher die Eier kommen und dass es den Tieren bei den Bauern auch gut geht. Das ist mir der etwas teurere Preis wert.“

Hobby-Imkerin Karoline Schroers verkauft selbstgemachten Honig auf dem Wochenmarkt. Foto: Stephanie Schwarz
Ohne Stammkunden hätte Willi Konrad seinen Uhren-Stand wahrscheinlich schon aufgegeben. Foto: Stephanie Schwarz

Was passiert mit den Händlern, wenn die Märkte sterben? „Wir gehen in Rente“, sagt Konrad und lacht. „Es gibt keine jungen Händler mehr, und ich rate auch keinem, damit anzufangen. Es rentiert sich nicht.“