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Vortrag über Risiken
Rege Diskussionen zur Grubenflutung

Knapp 50 Leute besuchten die Informations-Veranstaltung zum Grubenwasser in der „Q.lisse“ in Quierschied.
Knapp 50 Leute besuchten die Informations-Veranstaltung zum Grubenwasser in der „Q.lisse“ in Quierschied. FOTO: Thomas Seeber
Quierschied. Die RAG verteidigt bei einer Informations-Veranstaltung in Quierschied ihre Vorgehensweise. Von Patric Cordier

Im Januar waren noch mehr als 800 Menschen in die Allenbachhalle nach Merchweiler gekommen, um sich beim Vortrag von Profesor Dr. Jürgen Wagner über Risiken und Gefahren der Grubenflutung zu informieren. Eingeladen hatten damals die Bürgermeister verschiedener Kommunen mit dem Illinger Armin König an der Spitze – ein erklärter Gegner des Grubenwasseranstiegs.


Am Mittwoch hatte die RAG zu einer Informations-Veranstaltung in die Quierschieder „Q.lisse“ eingeladen. Die Resonanz bei strahlendem Sonnenschein und Fußball-Weltmeisterschaft war ernüchternd: Kaum mehr als 50 Interessierte hatten den Weg zu Diskussionsrunde gefunden. Für die RAG ein Zeichen dafür, dass eine Versachlichung in der Auseinandersetzung mit dem Thema stattgefunden hat. „Mich hat die Emotionalität der Diskussion stark berührt“, sagte Uwe Penth, der Regionalbeauftragte der RAG an der Saar, „ein solches Verfahren muss aber mit kühlem Kopf angegangen werden“. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass mittlerweile 7000 Einwendungen gegen das Verfahren vorliegen.

Penth verteidigte die RAG-Vorgehensweise, sprach von Transparenz und Kommunikation. Schließlich habe man 2014 die Landesregierung und die Medien informiert und später den Kontakt zu mehr als 30 Stadt- und Gemeinderäten gesucht, von denen damals einige kein Interesse an der Thematik gezeigt hätten.



Mittels eines Trickfilms wurde am Mittwoch das Grubenwasserkonzept der RAG visualisiert. Dabei ging es vor allem um die erste Phase, dem Anstieg auf -320 Meter unter NN. „Es gibt Gutachten, die eine Hebung von elf bis 16 Zentimetern voraussagen“, erklärte Obermarkscheider Axel Schäfer. Ein Obermarkscheider ist ein speziell im Bergbau tätiger Vermessungsingeneur. Die RAG geht aber wegen der großflächigen Hebung nicht von Schäden an Gebäuden und der Infrastruktur aus. „Wenn Schäden gemeldet werden, schauen wir uns das an“, betonte Stefan Wagner vom Servicebereich Standort- und Geodienste. Er versicherte, dass die Beweislast bei der RAG liege. Auch gingen von „gesättigten Gebirgen“ weniger Erschütterungen aus und auch der Ausstoß von Gasen wie Methan oder Radon werde verringert.

„Das Wasserpumpen ist nach dem Ende des Bergbaus nicht mehr notwendig“, sagte Penth, „es ist durch den hohen Energieverbrauch sogar umweltschädlich“. Auch weil mit dem Grubenwasser Giftstoffe wie PCB an die Oberfläche gebracht werden. „Wenn wir nicht mehr Pumpen, beruhigt sich das Wasser nach dem Anstieg. Das PCB heftet sich an Schwebstoffe, ist schwerer als Wasser und sinkt nach unten ab“, erläuterte Schäfer: „Das Abstellen der Pumpen würde alles unter Tage lassen, was wir an der Oberfläche nicht haben wollen.“

An diesem Punkt fuhr sich die angeregte Diskussion fest. Die Sorge um die Trinkwasserqualität trieb viele Anwesende um – die Beteuerungen der RAG-Vertreter, dass der Grubenwasserspiegel deutlich unter den Brunnen liege, beruhigte ebenso wenig wie die Aussage, man könne bei Beeinträchtigungen sofort die Pumpen wieder anwerfen. Quierschieds Bürgermeister Lutz Maurer zitierte die Berichterstattung der Saabrücker Zeitung und den Humantoxikologen Michael Schwarz von der Uni Tübingen, der vor einigen Wochen im Gemeinderat die PCB-Belastung im Fischbach trotz erhöhter Werte für gesundheitlich unbedenklich erklärt hatte. Laut dem RAG-Regionalbeauftragtem Penth sei man der Ursache der erhöhten Werte auf der Spur. Die für die eher geringe Wassermenge offenbar zu starken Pumpen hätten einfach zu viele Feststoffe mit nach oben gesaugt. Man gehe, so Penth, von einer Lösung durch einen gleichmäßigen Einsatz der Pumpenleistung aus.

Die RAG hat am Mittwoch ihren Standpunkt klargemacht. Gegnern der Grubenwasseranhebung bleibt ein klares Statement. „Wir machen das nicht, um Geld zu sparen“, sagte Uwe Penth, „wird das Verfahren so nicht genehmigt, werden wir weiter pumpen.“