Chaos im Haus des Professors

Irrwitzige Wendungen und ein überraschendes Ende – das Stück „Hurra, ein Junge“ hat es in sich. Die Zuschauer amüsierten sich köstlich und waren von der schauspielerischen Leistung der Akteure sehr angetan.

Wenn plötzlich und unerwartet der Sohn aus erster Ehe auftaucht, vom dem der Vater nichts weiß und der zudem noch älter ist als sein alter Herr, dann sind Verwicklungen vorherzusehen. Wenn alle Beteiligten dazu noch ein abstruses Lügengebilde aufbauen, dann ist das Chaos perfekt. Beeindruckend in Szene gesetzt wurde dieses amüsante Verwirrspiel mit dem Titel "Hurra, ein Junge" von der Schauspieltruppe der Wohltätigkeitsbühne Quierschied . Gleich zweimal führte die Truppe am Wochenende diesen Schwank von Franz Arnold und Ernst Bach auf. Beide Male war die Hütte ausverkauft. Da passte einfach alles zusammen.

Die Akteure der Laienbühne waren textsicher und gut drauf. Alle waren sie voll in ihrem Element - angefangen vom Dienstmädchen Anni (Monika May), die immer wieder gegenüber ihren Herrschaften eine freche Lippe riskierte, über den distinguierten Professor Waldemar Weber (Stephan Groß), für den das Ganze meistens nur noch zum "Haare ausraufen" war, bis zum urkomischen Fritz Pappenstiel, glänzend dargestellt von Christoph Graß. Die Rolle des quirligen Felix war ihm wie auf den Leib geschneidert. Mit seinen spontanen Einfällen sorgte er immer wieder für Chaos im Hause von Professor Waldemar Weber. Er hatte kaum die Bühne betreten, da war er schon der absolute Publikumsliebling. Einmalig seine Gestik und Mimik. Und als er dann noch in Pampas dastand, gab es beim Publikum kein Halten mehr. Das alles ergab rund dreieinhalb Stunden beste Unterhaltung und das für nur neun Euro Eintritt. Die Besucher honorierten die Leidenschaft und die Hingabe aller Beteiligten mit tosendem Beifall. "Es war ein wunderbarer Abend. So viel haben wir schon lange nicht mehr gelacht. Es war von Akt zu Akt eine gewisse Steigerung", so das Fazit von Liane Pinter. Sie hatte sich das Stück mit ihrem Mann Paul angesehen. Dann hatte sie noch ein dickes Lob für die Akteure der Wohltätigkeitsbühne: "Sie waren alle große Klasse."

Nur ein paar Sätze zum Stück: Ausgerechnet am ersten Hochzeitstag der Webers taucht Pappenstiel auf und löst eine Katastrophe nach der anderen aus. Er schneit in den bis dahin ruhigen Professoren-Haushalt hinein. Rechtsanwalt Kurt Mehling, Studienkollege von Weber, hat ihn als Erben eines ansehnlichen Vermögens ausfindig gemacht. Bisher ging es Felix dreckig im Leben. Umso mehr klammert er sich nun, da er die Schokoladenseiten seines neuen Daseins kennenlernt, an Professor Waldemar Weber, der seine Mutter kurz vor deren Tod geheiratet hat. Was folgt, sind irrwitzige Wendungen und ein überraschendes Ende.

Apropos Ende: Am Schluss des Stücks teilte Stefan Graß, der Vorsitzende der Wohltätigkeitsbühne noch mit, dass der Verein jeweils 500 Euro an die Aktion Sternenregen und die Elterninitiative krebskranker Kinder spendet. Auch dafür gab's viel Beifall.

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Auf einen BlickDas sind die Akteure: Fritz Pappenstiel (Adoptivsohn): Christoph Graß; Professor Waldemar Weber: Stephan Groß; Henny Weber, seine Ehefrau: Petra Groß; Dr. Mehling (Rechtsanwalt): Jochen Weber; Helga Lüders, Freundin von Henny: Daniela Clarke; Geheimrat Nathusius, Hennys Vater: Stefan Graß; Mathilde Nathusius, Hennys Mutter: Astrid Fischer; Anni, Dienstmädchen im Hause Weber: Monika May; Behnke, Schreiner: Udo Lehmann/Rosario Scivoli. Souffleusen: Angelika Graß, Katrin Heim und Andrea Scivoli. Spielleitung: Christoph Graß; Technik: Christian Schmitt und Jürgen Blaser. ll