1. Saarland
  2. Saarbrücken
  3. Quierschied

Wenn er nicht singt, dann malt er abstrakt

Wenn er nicht singt, dann malt er abstrakt

Eigentlich kennt man Rainer Rodin nur als Musiker. Neuerdings aber malt er. Und hat in seiner Heimatgemeinde nun auch eine Ausstellung. Leuchtende Acrylfarben haben es ihm, der aus einer Künstlerfamilie stammt, angetan.

"Nein, es bleibt alles wie gehabt. Das geht gut miteinander", erklärte Rainer Rodin im SZ-Gespräch mit einem etwas spitzbübischen Grinsen. Man nimmt ihm sofort ab, dass der Mann der Musik auch weiterhin treubleibt. Denn der Künstler ist quasi auf Abwegen. Rodin malt und zeichnet. Und das schon seit seinem elften Lebensjahr.

In der Quierschieder Gemeindebücherei hat er nun seine Ausstellung "Form, Farbe, Bewegung" eröffnet. Und wie kam es dazu? Nun, er ist ja auch Lehrer an der Musikschule. Und somit ist man an die Ferien gebunden. Man hat somit im Sommer Zeit.

Den Saarländern sagt man nach, dass sie gern in Baumärkte gehen. Auch bei Rainer Rodin ist das so. In den Sommerferien 2013 kam er in ein solches Geschäft und sah dort Farben. "Ich könnte ja wieder anfangen zu malen", dachte er sich. Und so hat es den Folkmusiker gepackt. Wieder, denn er hat vor 30 Jahren letztmalig zum Pinsel gegriffen. Als jemand eines der ersten Bilder der neuen Generation sah, kam der erste Auftrag. Seither malt er nahezu jeden Tag ein Bild.

Was viele nicht wissen: Rodin entstammt einer Künstlerfamilien. Der Vater ist Bildhauer, der Bruder Zeichner und die Cousine eine Malerin in den USA. Die Werke des Mannes, der seit vier Jahren in Fischbach-Camphausen wohnt, sind abstrakte Gemälde, erklärte Dr. Brigitte Quack. Die Kunsthistorikerin hielt bei der Vernissage die Einführungsrede. In den 30 Bildern findet sich sehr oft ein sattes Grün. Auch das Vorherrschen roter Farbtöne kann man nicht verleugnen. Die Bilder seien indirekt rhythmisch bewegt und zeichneten sich durch heftige Farben und Farbtöne aus, beschrieb Brigitte Quack die ausgestellten Werke. Dabei handele es sich um leuchtende Acrylfarben, die Rodin auf Papier mischt. Er scheint den indirekten Bezug zur Musik aber nicht leugnen zu wollen, fast könnte man meinen, er wolle mit seiner Farbgebung die Bilder "klingen" lassen.

So ganz ohne Musik ging's dann doch nicht. Sein Mitstreiter Michael Marx, vor allem bekannt durch Marx, Rothschild und Tillermann, umrahmte die Vernissage mit Gitarrenklängen sehr passend. "You've got a friend" hieß es da, was die Verbundenheit der Beiden gut beschrieb.

Bürgermeisterin Karin Lawall erklärte bei der Eröffnung, wie es überhaupt dazu kam. Denn eigentlich wollte sie den ehemaligen Radiomoderator zu einem Konzert überreden, damit die "Quierschder" überhaupt wissen, welchen Künstler sie in ihrer Heimat haben. Doch dann wollte der Musiker erst einmal mit einer Ausstellung starten. "Das müssen wir vorzeigen", zeigte sich Lawall sichtlich beeindruckt. "Im nächsten Jahr muss es dann ein Konzert geben", forderte die Verwaltungschefin den Musiker auf. Der, nicht minder schlagfertig, konterte grinsend: "Mit Ihnen zusammen". Man darf also auf 2015 gespannt sein. Und vor allem, ob Karin Lawall beim Rodin-Konzert mitsingt oder -musiziert. Doch zunächst sind weitere Bilder geplant. Mit etwas weniger Farbe, verriet der Künstler.

Die Ausstellung in der Gemeindebücherei (Marienstraße) ist bis 25. Januar zu sehen: Montag bis Freitag, 8.30-12 Uhr (Mittwoch bis 12.30 Uhr), montags, dienstags und donnerstags 14.30-18 Uhr, sonntags 10-12 Uhr.