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Mit einer Live-Übertragung wurde das Resonanzen-Festival eröffnet.

Live aus dem Pingusson-Bau : Ungewöhnlicher Prolog für Resonanzen-Festival

Zuschauer waren live dabei – und doch auf Distanz.

Livestreams waren die erste Antwort von Musikern auf den Corona-Lockdown. Um zu vermeiden, dass sich Menschen im Publikum mit dem Virus infizieren, ließen sich Bands beim Musizieren abfilmen und live ins Internet stellen. Unter den vielen solcher Angebote, die wie Pilze aus dem Boden schossen, konnte sich im Saarland die Reihe Quasi.live einen guten Namen machen. Einfach, weil die dafür verantwortlichen Ton- und Videokünstler des Netzwerks Resarevoir Audiovisuäl hochwertige Arbeit abliefern. Was macht man also, wenn in der Pandemie die Fête de la Musique ansteht, das neue Resonanzen-Festival schon mal eingeläutet werden soll und alles andere als einen geregelten Konzertbetrieb ermöglicht? Ganz einfach: Man veranstaltet ein Livestream-Konzert mit Live-Publikum.

Was sich zunächst absurd anhört, erwies sich am Samstagabend als praktikable Lösung: Im leerstehenden Pingusson-Bau an der Saarbrücker Westspange traten nacheinander drei Bands auf. Deren Ton und Bild wurden nicht nur live ins Internet übertragen, sondern war auch auf der Wiese vor dem Gebäude zu erleben, wo 100 Zuschauer nummerierte Plätze mit ausreichend Abstand einnahmen. Sie schauten auf eine Leinwand, auf die das Geschehen im Bau projiziert wurde. Das Ergebnis war ähnlich wie bei einem Großkonzert mit Riesenmonitor, nur dass die echte Band draußen fehlte. Aber allein die Vorstellung, dass das, was man sieht, zugleich auch tatsächlich passiert, und zwar in der Nähe, sorgte für eine Art Live-Erlebnis.

Manchen war das aber noch nicht genug, sie zog es gegen Ende des Konzerts zur Glasfront des Pingusson-Baus, wo man einen direkten Blick auf die Musiker erhaschen konnte. Das Infektionsrisiko hätte sich wohl nicht erhöht, wenn die Bands gleich im Garten gespielt hätten – dann aber wäre man vom Wetter abhängig gewesen und hätte wohl auch keinen so guten Livestream produzieren können mit Kameraleuten, die eng am Geschehen waren.

Während die erste Band, die Saarbrücker Lokalmatadoren Me in the Forest, noch im Souterrain spielte, traten Claire Parsons und Glass Museum im Foyer auf und hatten somit den Vorteil, den Applaus aus dem Garten zu hören. Dafür holten sich Me in the Forest den wohlverdienten Beifall ab, als sie aus dem Gebäude traten. Sängerin Franziska Weber hatte zuvor dem melancholischen Neo-Folk des Trios die entscheidende Würze gegeben mit ihrer ausdrucksstarken Stimme.

Anschließend kam das Quintett um Sängerin Claire Parsons auf die Bühne. Die Luxemburger packten einiges an Stilistik in ihren Auftritt: Meditatives, Fusion-Jazz, Prog-Rock, Tropicalismo und Björk-Ähnliches. Dabei gestattete Parsons ihren Mitmusikern viel Freiraum für gelungene Soli. In jedem Fall ein starker Beitrag, nach dem es dem belgischen Duo Glass Museum schwer fiel, noch eins draufzusetzen. Antoine Flipo (Tasten) und Martin Grégoire (Schlagzeug) beeindruckten dennoch mit großer Virtuosität. Ihre tanzbaren Beats klangen nach Computer-Produktion, waren aber eins zu eins live gespielt – Respekt.