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Botschaft der Hoffnung in Krisenzeiten

Auersmacher. Ergreifend, eindringlich und durchdacht: Vor ausverkauftem Haus haben am Samstagabend die diesjährigen Passionsspiele in Auersmacher Premiere gefeiert. Modern wird das Leben, Leiden und Sterben Jesu erzählt. bel

Regisseur Josef Lang eröffnet die diesjährigen Passionsspiele in Auersmacher mit der Frage nach ihrer Aktualität: "Wozu Passion? Ist das nicht ein Relikt aus vergangenen Zeiten?" Aber gerade die vielen Krisenherde auf der Welt zeigten, dass Jesu Botschaften immer noch aktuell seien. Im Verlauf der zweistündigen Inszenierung, die bekannte Szenen aus dem Evangelium teilweise modern interpretiert, wird die Relevanz des religiösen Stoffes schnell klar. Kein Stück bei dem sich der Zuschauer berieseln lassen kann, aber eines, das zum Nachdenken anregt.

Gleich in den ersten Szenen mit der Geschichte vom barmherzigen Samariter und der Ehebrecherin, richtet der Jesus-Darsteller Peter Lang, dem die Figur wie auf den Leib geschnitten ist, eindringliche Worte auch ans Publikum. "Behandelt die Menschen so, wie ihr behandelt werden wollt!", ist seine Botschaft. Wir begegnen einem barmherzigen Jesus, der mit seinen Zweifeln und Ängsten sehr menschlich wirkt. Mehr Mensch als Gottessohn, einer, in den man sich hineinversetzen kann. Er erzählt auch Geschichten von Liebe - zu seinen Jüngern, seiner Mutter Maria und natürlich die grenzenlose Liebe zu den Menschen. Ein besonderer Höhepunkt der Aufführung ist auch die Liebe zwischen Jesus und Maria Magdalena , wenn sie ihm in inniger Umarmung in den Tod folgen will, denn "stärker als der Tod ist nur die Liebe ".

In dieser, aber auch in vielen anderen Szenen, ziehen besonders Frauen die Aufmerksamkeit auf sich. Immer wieder treten sie in Schlüsselszenen hervor. So erkennt beispielsweise die Samariterin als Erste in Jesus den Messias und verkündet die frohe Botschaft über die Grenzen von Judäa hinaus.

Der Blick wird auch intensiv auf den vermeintlichen Bösewicht Judas gerichtet und seine Rolle als Verräter neu gedeutet. So spielt Gereon Schäfer als Judas eine sehr ambivalente Figur, die von ihren Zweifeln förmlich zerfressen wird und in Folge dessen eine fatale Entscheidung trifft. Auch Regisseur Josef Lang, der kurzfristig die Rolle des Petrus übernommen hatte, glänzt mit seiner zornig aufbrausenden Darbietung. Überhaupt zeigt die Amateurtheatergruppe, was in ihr steckt, und entwickelt mit mehr als 100 Komparsen eine eindrucksvolle Dynamik. Untermalt werden die Passionsspiele von einer eigens komponierten Musik und einer stimmigen Lichtregie. Unter den Gästen bei der Premiere war übrigens auch Arno Nunn, Bürgermeister von Oberammergau, das für seine Passionsspiele berühmt ist.

Noch bis 26. April. Karten: Erwachsene 22 Euro, Kinder elf Euro, erhältlich Mo. bis Fr. von 9 bis 12 Uhr und 14 bis 18 Uhr unter Tel. (0 68 05) 91 25 44.