Großer Gast mit großen Gesten

Hoher Besuch in St. Nikolaus: Der heilige Bischof persönlich ist mit Kutsche in das weltweit berühmte Dorf im Warndt eingefahren, wo es sich unter den vielen Familien eher lebendig als besinnlich zutrug.

Am Nikolausabend am Dorfkreuz in Sankt Nikolaus auf den Nikolaus zu warten, das hat was. Im 13. Jahrhundert sollen fromme Männer an dieser Stelle eine kleine Kapelle errichtet und sie dem Heiligen gewidmet haben. Jahrhundertelang, so sagt man, hätten sich Pilger hierhin auf den Weg gemacht. Die Kirche wurde im 30-jährigen Krieg zerstört. Uralte bemooste Steine legen Zeugnis von ihr ab.

Zum Programmpunkt "Warten auf den Nikolaus am Dorfkreuz", so die offizielle Formulierung des Festausschusses, haben sich überwiegend Eltern und Großeltern mit kleineren Kindern eingefunden. So ist es, wie man sich vorstellen kann, eher laut und lebendig, als besinnlich und erhaben. Nur die ganz Kleinen warten still an Papas Hand. Die Größeren spielen Fangen und tollen herum. Das Sandstein-Denkmal mit dem Nikolaus-Nische von anno 1887 ruht auf einem zweistufigen Sockel und gibt, zumindest aus Kindersicht, ein feines Spiel- und Sportgerät ab. Der Platz wird von einem Kofferraum aus weihnachtlich beschallt. Glühwein hält die Erwachsenen bei Laune. Jeder bekommt einen Flyer mit Nikolausliedern in die Hand gedrückt.

Ortsvorsteher Markus Ernst gibt ein paar Sachen zum Ablauf durch. Die Flyer wären dazu gedacht, dass alle bei der Ankunft singen. Danach folge ein Vortrag von Schulkindern, dann käme die Begrüßung und anschließend würden alle gemeinsam hoch zur alten Schule gehen, wo die Bescherung stattfinde.

Alsbald taucht auch schon in der Kurve von Karlsbrunn her hinter einem Polizeiauto St. Nikolaus mit seinem Tross auf. Vorneweg schnieke Fahnenträger in Uniform mit roten Federbüschen am Hut, hintendran fünf Reiterinnen, elegant in weißen Hosen und schwarzen Jackets. Mittendrin St. Nikolaus in einer Kutsche. St. Nikolaus fasst sich, der Pferde wegen, kurz. Er sagt, er freue sich, uns zu sehen. "Wie Ihr seht, hat Petrus es gut mit uns gemeint" - es ist trocken und recht mild - und erteilt eine Art Generalabsolution mit den Worten: "Bei so vielen Kindern kann das Herz nur höher schlagen. Ihr wart ja alle brav und artig."

Gut zwei- bis dreihundert Kleine und Große wandern hinter dem Nikolaus die Straße rauf zu Schauplatz Nummer Zwei, dem Nikolausplatz.

Hier hält der heilige Bischof bühnenreif Audienz. Bei der Bescherung geht es ein bisschen zu wie bei einer Fotosession. Die Kinder stehen Schlange. Die ganz Kleinen werden malerisch auf den Knien des Bischofs mit dem Rauschebart drapiert. "Schnuller raus", ruft ein Papa. Rundherum ist Nikolausmarkt.

Im Postamt in der alten Schule duftet es nach Zimtwaffeln. Auf den Kaffeetischen stehen Stifte und Briefmarkenbefeuchter. Es gibt hübsch bedruckte Umschläge, wunderbare Briefmarken. Kinder verkaufen Lose. Ran an den Schalter, Zack, Sonderstempel drauf, und ab in den Postkorb.

Da könnte allenfalls die Luftpost, die sich wenig später in Form von vielen gelben Luftballons vor dem Postamt himmelwärts in Bewegung setzt, schneller am Ziel sein.

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Auf einen BlickDas Nikolaus-Postamt in der alten Schule ist bis 23. Dezember montags bis freitags von 16.30 bis 18.30 Uhr sowie samstags von 10 bis 11.30 Uhr geöffnet. Am Freitag, 12. Dezember, 18 Uhr, kommt der Zither- und Gitarrist Bruno Alt aus Quierschied zum Adventssingen ins Postamt. Am Montag, 22. Dezember, 18 Uhr, lodert auf dem Nikolausplatz ein Mittwinterfeuer. Und am Mittwoch, 24. Dezember, 10 bis 12 Uhr, kommt der Nikolaus zum Feierlichen Abschluss ins Postamt. hof