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Freiwillige Wehr in Altenkessel klagt über Baumängel

Vorwürfe gegen das Gebäudemanagement der Landeshauptstadt : Freiwillige Wehr in Altenkessel klagt über Baumängel

Bei der Freiwilligen Feuerwehr in Altenkessel lodert der Unmut. Zahlreiche Baumängel werden beklagt. Die Stadt dagegen verteidigt ihr bisheriges Vorgehen.

Bei der Freiwilligen Feuerwehr sorgen Baumängel in mehreren Gerätehäusern für massiven Unmut der ehrenamtlichen Feuerwehrleute. In Ensheim geht es um einen von der Stadt nicht vorgesehenen Außenanstrich bei einem Schlauchturm, in Eschringen um zu niedrige Tore für neue Fahrzeuge, in Fechingen sogar um einen kuriosen Mauerdurchbruch von der Fahrzeughalle in die Nasszelle der Damendusche. Nachdem all’ den SZ-Berichten über diese Baumängel meldete sich nun auch die Feuerwehr in Altenkessel, die ohnehin schwere Zeiten hinter sich hat, da ihr komplettes Gerätehaus abbrannte und man lange mit einem Provisorium auskommen musste.

„Auch bei uns liegt einiges im Argen“, sagt Erik Becker. Er war sechs Jahre lang der stellvertretende Löschbezirksführer und hat keine offizielle Funktion mehr. Gerade deswegen spricht er mit der Presse, andere Feuerwehrleute befürchten Nachteile. Bei den Ernennungen neuer Führungskräfte vor wenigen Tagen hätte der Oberbürgermeister jedem „auf eine gute Zusammenarbeit“ die Hand gegeben. Beim  Löschbezirksführer in Fechingen sei diese Floskel ausgeblieben. Man spüre, heißt es in Feuerwehrkreisen, dass man sich mit der Artikelserie beim Oberbürgermeister und beim Gebäudemanagement keine Freunde gemacht habe. Sogar Repressionen werden befürchtet, die Situation sei extrem angespannt. Becker redet trotzdem mit den Medien. Der Stuckateurmeister und Bautechniker ist es leid: „Seit zwei Jahren kämpfen wir hier. Es wurde saniert und trotzdem so viel falsch gemacht“, ist seine Meinung, die er mit Beispielen belegt.

Zum einen fehle der Feuerwehr Altenkessel seit dem Brand ein Fahrzeug. „Nach dem Brand wurde uns mehrfach und bei verschiedenen Terminen versprochen, dass wir all’ das wiederbekommen, was wir verloren haben. Wir hatten zwei Löschfahrzeuge und einen Transporter. Das zweite Löschfahrzeug ist nie gekommen. Es steht uns nach Brandschutzbedarfsplan nicht zu, aber wir haben genug Personal, es zu besetzen und können aktuell nicht alle Feuerwehrleute bei Alarm mitnehmen. Wer dreimal zurückgelassen wurde, kommt nicht mehr. Das ist absolut frustrierend. Außerdem steht die Stadt im Wort“, sagt Becker. Und an diese Versprechen solle man sich auch halten.

Nach dem Feuer in der Halle sei zudem alles rußgeschwärzt gewesen. „Dann hat das Gebäudemanagement die Wände neu gestrichen und erst danach zum Beispiel die Wasserrohre entfernt. Da hinter den Rohren nicht gestrichen wurde, zeichnen sich die Leitungen jetzt schwarz ab. Dann wurde in die frisch gestrichene Wand gebohrt, der Putz bröckelte, das wurde nie behoben. Die neuen Tore wurden lange gar nicht abgedichtet, jetzt wurde das notdürftig gemacht, ist aber nicht dicht“, klagt Becker und zeigt im Untergeschoss die Baustelle einer Wasserschadenssanierung. „Das wurde zwar gemacht, die Baustelle wurde aber seit acht Wochen nicht mehr beseitigt. Es kommt einfach keiner mehr“, sagt er und fühlt sich von der Stadt im Stich gelassen. „Wir sind ehrenamtlich in der Feuerwehr. Wir wollen nicht ständig Mails schreiben und an Dinge erinnern.“

In der schlechten Kommunikation zwischen Gebäudemanagement und Feuerwehr sieht er ein Defizit an Wertschätzung. Auch habe sich die Stadt auf die Brandschadenssanierung beschränkt, anstatt zuvor schon bestehende Mängel bei dieser Gelegenheit mit zu beseitigen. „Wir haben im Untergeschoss keinen Bodenablauf. Wenn wir den Boden naß reinigen, was nach Einsätzen oft notwendig ist, läuft das Wasser nicht ab. Es muss mit dem Wassersauger abgepumpt werden. Die Brandversicherung hat keinen neuen Bodenablauf bezahlt, das ist klar. Aber man hätte das doch mitmachen müssen“, so der Handwerker.

Das gleiche gelte für die Duschen. Die seien im alten Rathaus. Wer duschen wolle, müsse sich das Handtuch umbinden und durch das öffentliche Treppenhaus. Man habe versäumt, die Naßzelllen nahe der bestehenden Toiletten im Gerätehaus einzubauen. Die Chance habe bei der Sanierung jetzt bestanden. „Wir haben auch den Eindruck, dass das Gebäudemanagement viele Aufträge an Subunternehmer vergibt, die Ausführung aber nicht prüft. Und so bleiben Schäden einfach zurück.“

Bei der Feuerwehr habe die Serie an Misständen inzwischen negative Auswirkungen auf die Motivation der gesamten Mannschaft. Löschbezirksführer David Erb bestätigt das. Er bestätigt außerdem, dass die Kritikpunkte Beckers alle berechtigt seien: „Das gärt in unserer Mannschaft. Es herrscht eine große Unzufriedenheit.“ Die Feuerwehr Altenkessel hat aktuell 33 Feuerwehrleute, darunter vier Frauen. Neun Mitglieder hat die Jugendwehr.

Angesprochen auf die geschilderten Probleme teilte Stadtpressesprecher Thomas Blug mit: „Die Belange der Feuerwehr haben bei der Verwaltungsspitze eine hohe Bedeutung. Ziel der Stadt ist es, allen Bürgerinnen und Bürgern in allen Stadtteilen ein höchstmögliches Schutzniveau zu bieten. Als Basis dafür dient der aktuell gültige Brandschutzbedarfsplan, aus dem der Bedarf an sogenannten ,Erstausrückern’ hervorgeht. Das Schutzniveau wird dadurch stadtweit gewährleistet.“ Zur alltäglichen praktischen Umsetzung dieses Brandschutzbedarfsplans arbeite die Führung der Feuerwehr Saarbrücken eng mit den örtlichen Löschbezirksführungen zusammen, „um trotz zum Teil begrenzter finanzieller Ressourcen gute und zielführende Lösungen vor Ort zu erarbeiten“. Auch seien nach dem Brand in dem Feuerwehrgerätehaus in Altenkessel „schnellstmöglich Neufahrzeuge beschafft worden, sodass der Löschbezirk stadtweit über eine der jüngsten Fahrzeugflotten verfügt.

Sogenannte „Zweitausrücker“ sind vormalige „Erstausrücker“, die aufgrund des Fahrzeugkonzepts ausgetauscht wurden, aber noch einsatzfähig sind. Sie unterstützen die Schlagkraft der Feuerwehr im Einsatz und werden auch für Aus- und Fortbildungen genutzt. Blug: „Die Verteilung der Zweitausrücker erfolgt in Abstimmung zwischen der Wehrführung der Freiwilligen Feuerwehr und dem Amt für Brand- und Zivilschutz, wobei die Bedarfe aller Löschbezirke zu berücksichtigen sind.“ Ferner teilt die Stadt mit: „Nach dem Brand im Feuerwehrhaus Altenkessel wurde eine Brandschadenssanierung durchgeführt. Aus versicherungstechnischen Gründen können dabei ausschließlich die Schäden des Brandes beseitigt werden. Es trifft zu, dass die Dichtungen an den neuen Toren anfangs nicht vorhanden waren. Mittlerweile hat GMS (Gebäudemanagentbetrieb der Landeshauptstadt, Anm. d. Red.) die Abdichtungen eingebaut. GMS wird zusätzliche Verblendungen anbringen. Die Sanierung des Wasserschadens wurde einmal behoben. Es muss noch die Beschichtung vorgenommen werden. In den letzten Wochen konnten diese Arbeiten aber nicht erfolgen, da GMS in den Sommerferien unaufschiebbare Arbeiten in Kitas und Grundschulen durchgeführt hat. Auch die fehlende Geschlechtertrennung von Umkleide- und Duschräumen soll vorgenommen werden. Hierzu laufen bereits Planungen, um die Situation der Feuerwehrleute zu verbessern.“