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Autobauer Renault will 15000 Stellen streichen

Sparprogramm : Renault will 15 000 Stellen streichen

Der Autobauer steckt tief in der Krise. Nun wird ein Sparprogramm aufgelegt. Doch Frankreichs Präsident Macron will ein Wörtchen mitreden.

Um sieben Uhr morgens ist vor dem kleinen Renault-Werk in Choisy-le-Roi bereits kein Durchkommen mehr. Vor dem Tor stehen nicht nur alle 260 Angestellten, auch viele Politiker sind in den Vorort im Süden von Paris gekommen. Alle ahnen, was Renault-Präsident Jean-Dominique Senard am Nachmittag nur einige Kilometer weiter in der Konzernzentrale in Boulogne-Billancourt verkünden wird: Das Werk, das sich auf das Recycling von Autoteilen spezialisiert hat, wird dichtgemacht.

Insgesamt will der Fahrzeughersteller in den nächsten Jahren 15 000 Stellen streichen und mit milliardenschweren Kostensenkungen aus einer tiefen Krise kommen. Außer in Choisy-le-Roi sollen keine Werke geschlossen werden, auch nicht im Ausland. Renault-Chef Senard betonte: „Das ist kein Plan für Fabrikschließungen, das ist ein Sparplan.“ Bereits Mitte der Woche war bekanntgeworden, dass in den bisher 14 Standorten in Frankreich 4600 Arbeitsplätze abgebaut werden sollen. In den übrigen Ländern sollen es über 10 000 sein. Insgesamt beschäftigt der Konzern weltweit rund 180 000 Menschen.

Renault steckt schon seit Monaten in einer tiefen Krise, die durch die Corona-Pandemie weiter verstärkt wurde. Im vergangenen Jahr war der Konzern zum ersten Mal seit zehn Jahren tief in die roten Zahlen gerutscht. Der Verlust betrug nach Renault-Angaben 141 Millionen Euro. 2018 hatte noch ein Nettogewinn von 3,3 Milliarden Euro zu Buche gestanden. Zudem hat der Ruf des Unternehmens unter einer Führungskrise gelitten. Dem früheren Konzernchef Carlos Ghosn war ein Verstoß gegen Börsenauflagen in Japan vorgeworfen worden. Er war es auch, der die Partnerschaften mit Nissan und Mitsubishi vorangetrieben hatte.

Die Renault-Führung hatte bereits Anfang dieses Jahres einen harten Sparkurs angekündigt, durch den in den kommenden drei Jahren zwei Milliarden Euro eingespart werden sollen. „Wir müssen profitabler werden“, sagte Interimschefin Clotilde Delbos. „Heute zahlen wir den Preis einer Strategie, die auf ein Rekordwachstum des Marktes gesetzt hat“, erklärte Delbos und übte damit Kritik an Ex-Konzernchef Ghosn. Ein Problem sei, dass die Fabriken im Inland nur zu 60 Prozent ausgelastet seien, erklärte Senard am Freitag. Die weltweite Produktionskapazität von bisher vier Millionen Autos im Jahr soll innerhalb von vier Jahren auf 3,3 Millionen sinken.

Renault hofft nun auch auf einen staatlich garantierten Kredit von fünf Milliarden Euro. Das Besondere an der Situation: Der französische Staat ist mit 15 Prozent an dem Autobauer beteiligt, weswegen Präsident Emmanuel Macron einiges zu sagen hat. Der hatte zu Wochenbeginn einen Rettungsplan für die heimische Branche vorgelegt. Das Ziel: Sein Land soll bei der Herstellung von sauberen Autos in Europa führend werden. Für den Milliardenkredit an Renault forderte Macron Zusagen des Konzerns für zwei Werke in Nordfrankreich.

Das heißt konkret, dass die Standorte in Douai und Maubeuge zu Zentren für Elektroautos und leichte Nutzfahrzeuge umgebaut werden. In der großen Fabrik Flins im Pariser Großraum, wo bis jetzt rund 2600 Angestellte den Nissan Micra und den Renault Zoe gebaut haben, soll ein Recyclingzentrum entstehen. Nach Flins sollen auch die Kapazitäten aus dem geschlossenen Werk in Choisy-le-Roi fließen.

Zudem soll sich Renault nach dem Willen von Emmanuel Macron der deutsch-französischen Allianz für eine gemeinsame Batteriezellenfertigung im südfranzösischen Nersac anschließen. Die Europäer wollen sich damit unabhängiger machen von Lieferanten aus Asien.

Die französischen Gewerkschaften haben angesichts des Sparprogrammes zu Streiks aufgerufen. Empört sind sie auch darüber, dass Renault weiter in der Formel 1 bleiben wird. Das Engagement des Konzerns „wird durch unseren Sparplan nicht in Frage gestellt“, sagte Interimschefin Clotilde Delbos.