Rad- und Autolenker im Zwist

St. Ingbert. Radfahrer, die gegen die Fahrtrichtung einer Einbahnstraße fahren, ernten rasch verärgerte und zuweilen rüde Reaktionen von Menschen hinterm Steuer. Auch wenn sie ganz legal gegen den Strom unterwegs sind. Denn seit vergangenem Jahr weisen Zusatzschilder in vielen St

St. Ingbert. Radfahrer, die gegen die Fahrtrichtung einer Einbahnstraße fahren, ernten rasch verärgerte und zuweilen rüde Reaktionen von Menschen hinterm Steuer. Auch wenn sie ganz legal gegen den Strom unterwegs sind. Denn seit vergangenem Jahr weisen Zusatzschilder in vielen St. Ingberter Einbahnstraßen darauf hin, dass Radler - ganz legal - auch gegen die Auto-Einbahnrichtung fahren dürfen. Das ist aber noch längst nicht in den Köpfen aller Verkehrsteilnehmer angekommen, wie der St. Ingberter Günter Meisberger berichtet. Er ist Mitglied des ADFC, dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclub, und auch mit 65 Jahren noch viel auf dem Rad unterwegs.

Ein Unfall in der St. Ingberter Gartenstraße hat ihn dazu veranlasst, auf die Problematik aufmerksam zu machen. Am 26. Januar war ein offenbar betrunkener Radfahrer in der Straße unterwegs, prallte gegen den Bürgersteig und brach sich beim Sturz die Schulter. Für Autos ist die Gartenstraße wie auch der parallel verlaufende Neunkircher Weg Einbahnstraße. Nicht so für Radler. Nach der Polizeimeldung dürfte besagter Mann, der entgegen der Autorichtung fuhr, seinen Sturz dem Alkohol zu verdanken haben. Aber ADFC-Mitglied Meisberger erklärt, auch völlig nüchtern und regelkonform auf der Straße könne ein Radler in Gartenstraße und Neunkircher Weg so manches erleben: "Auch ich war an jenem Tag etwa eine Stunde später in der Gartenstraße als Radfahrer unterwegs. Es kamen mir während dieser Passage oder Tortour genau acht Autos entgegen, wovon sechs Fahrzeuglenker mir wild gestikulierend anzeigten, dass ich wohl spinne, weil ich ihnen entgegenkomme." In zwei Fällen, berichtet er weiter, hätten ihn die Fahrer genötigt, auf den Bürgersteig auszuweichen, um einem Zusammenstoß zu entgehen. Einen Fahrer habe er dann selbst zum Anhalten gebracht und ihm die Regelung erklärt. Meisberger: "Er gab ganz klein bei und erklärte, dass er die Schilder nicht wahrgenommen habe. Er entschuldigte sich."

Der St. Ingberter berichtet, solche Situationen erlebe er regelmäßig. Nicht einmal die Anwohner wüssten alle um die Regelung. Er ist der Meinung, die Beschilderung sei nicht ausreichend und teils auch unglücklich angebracht. Beispiel: Wer aus der Lauerswiese nach rechts in den Neunkircher Weg einbiegt, sieht an der Ampel nur das Einbahnstraßenschild. Das Fahrrad-Schild, in der Kurve postiert, sei nur für Fahrer, die aus der anderen Richtung kommen und nach links abbögen, gut zu sehen. Meisberger: "In der Gartenstraße und im Neunkircher Weg sind Tempo-30-Piktogramme auf die Straße gemalt. Warum nicht auch entsprechende Symbole, die auf Radfahrer im Gegenverkehr hinweisen? Auf der Straße erkennen die Autofahrer das wenigstens."

Stadtpressesprecher Peter Gaschott räumt auf Nachfrage der SZ ein, St. Ingbert sei gewiss keine allzu radfreundliche Stadt. Alleine die Topographie mit dem vielen Auf und Ab spreche nicht für das Rad. Gleichwohl wolle die Verwaltung den Hinweis ernstnehmen. Mit der Beschilderung für den Radler gegen die Autorichtung sei "das Pflichtprogramm erfüllt". Aber die Stadt arbeite daran, das System zu verbessern. Die Verwaltung werde Vorschläge erarbeiten und dem Verkehrsausschuss vorlegen.

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