Der alte Grenzstein hat eine neue Nummer

Der alte Grenzstein hat eine neue Nummer

St. Ingbert. Plötzlich war er weg. Der Grenzstein mit der Nummer 11 verschwand bei der Gewerbegebietserschließung in Neuweiler. "Mit ihren Wappen, Hoheitszeichen und Jahreszahlen gehören die Steine zweifellos zu unseren schönsten Heimatdenkmälern", meinte der St. Ingberter Historiker Wolfgang Krämer einmal

St. Ingbert. Plötzlich war er weg. Der Grenzstein mit der Nummer 11 verschwand bei der Gewerbegebietserschließung in Neuweiler. "Mit ihren Wappen, Hoheitszeichen und Jahreszahlen gehören die Steine zweifellos zu unseren schönsten Heimatdenkmälern", meinte der St. Ingberter Historiker Wolfgang Krämer einmal. Nur mühsam erholte sich damals die Bevölkerung nach dem Dreißigjährigen Krieg, wo viele Orte zerstört wurden oder ausstarben. Auch Sulzbach brannte 1635 nieder und 1637 wurde St. Ingbert in Schutt und Asche gelegt. Nach einem Besitzerwechsel im Jahre 1661 wurde St. Ingbert zu einer von fremden Gebieten eingeschlossenen Enklave der Grafschaft von der Leyen zu Blieskastel.

Alte Hoheitszeichen

Allmählich ging es mit dem Dorf St. Ingbert bergauf. Auch die Landesherrschaft Nassau-Saarbrücken beschloss 1727, dass in dem Ort Sulzbach wieder "ein tüchtiges Dorf aufgerichtet werden sollte". 1768 fand dann eine genaue Festlegung der Grenze zwischen Sulzbach und St. Ingbert statt, wobei alte Grenzzeichen und Steine durch 36 neue, zugehauene Grenzsteine mit den Hoheitszeichen der Landesherren gesetzt wurden.

Der historische Grenzverlauf zwischen Sulzbach und St. Ingbert ist neun Kilometer lang und verläuft von Elversberg über Schnappach, Sechseichen bis Rentrisch. Als steinernes Zeugnis dieser Grenzziehung wurden zwischen Schnappach und Gehnbach 13 Steine und zwischen Gehnbach und Rentrisch 21 Steine gesetzt. Davon waren bisher im Original elf Steine erhalten. Da unter anderem der Stein mit der Nummer 11 "verschollen" war, wurde 2008 an seiner Stelle eine Nachbildung geschaffen. Per Zufall wurde nun das Original im Bauhof Sulzbach entdeckt und damit die Kopie überflüssig.

Doch der Vorsitzende des Heimat- und Verkehrsvereins St. Ingbert, Rainer Henrich, hatte die Lösung schon parat. Aus dem 11er sollte nun der ebenfalls fehlende 18er Stein werden. Gesagt, getan. Henrich hatte gehört, dass der ehemalige Sozialamtsleiter Egon Irmscher die Bildhauerei zu seinem Hobby erkoren hatte und fragte bei ihm an, ob er an dem roten Sandstein diese Änderung vornehmen wolle.

Kopiertes "Original"

In liebevoller Handarbeit entstand so ein kopiertes und umgewidmetes "Original", das seine ganz eigene Geschichte hat. Bei dieser Gelegenheit wurde im Verein zum wiederholten Male über die Weiterführung des Grenzsteinweges diskutiert. "Ab Stein Nummer 16 wollen wir den Weg weiterführen", so Henrich. Und Vereinsmitglied Anton Wagenknecht hebt hervor: "Wir haben das längste Stück Grenze zwischen Preußen und Bayern. Das wäre doch sehr repräsentativ." Wanderer würden oft kritisieren, dass "der schmale Pfad entlang alter Steine" irgendwann aufhört, wobei auch die Zugänglichkeit ein altes Problem wäre. Die Vereinsmitglieder bleiben dran, denn wer sich einmal mit der "steinernen" Grenze beschäftigt hat, den lässt sie so schnell nicht wieder los. con