Kolumne Unsere Woche : Tröstliches in der Krise

Wohlige Wärme von ganz oben, fröhlich piepsendes Federvieh in den Bäumen. Und unten? Eine nie gekannte Stille. Bis auf den Mann, der in der Fußgängerzone St. Ingbert seiner Querflöte nicht eben heitere, aber erträglich sanfte Töne entlockt.

Vor ihm sein Hut. Wenig Münzgeld verliert sich darin. Es ist auch kaum jemand da, der etwas hinein tun könnte. Menschen gehen auf Abstand, jedenfalls die, die noch bei Trost sind. In Gedanken sitze sich schon solo unter einer Linde und singe: „Kein schöner Land in dieser Zeit.“ Es ist wie es ist, machen wir das Beste daraus und freuen uns, wenn wir von schwerer Krankheit verschont bleiben. Eine Freundin mit Tochter im besten Teenie-Alter kann den jetzigen Gegebenheiten noch etwas halbwegs Gutes abgewinnen: Dass der Nachwuchs, dessen freizeitliches Leben soeben noch aus Shopping-Ausflügen bestand, sich ein neues Betätigungsfeld suchen muss, um nicht vor Langeweile umzukommen. Mit einiger Häme rate ich ihr, dem guten Kind ein Springseil zu kaufen. Und ihm Gummi-Twist beizubringen. Ältere Jahrgänge wissen noch, was das war. Ein langes Durchziehgummi wird um die Füße zweier Teilnehmer oder um zwei Mülltonnen gespannt, und zwischen den zwei dehnbaren Bändern hopst der Dritte nach bestimmten Regeln der Freiluft-Kunst.

Sehr erfreulich in kritischen Zeiten: die Flut von Angeboten der Nachbarschaftshilfe für diejenigen, die sich nicht mehr aus dem Haus trauen. Das sind zumeist Senioren. Ihnen will man Hilfe angedeihen lassen, einfach prima. Vielleicht setzt sich dies ja dauerhaft durch. Sodass nach überstandener Krise ein neues Zusammengehörigkeitsgefühl erwächst. Wider die Egomanie – die hat sich schon viel zu lange breit gemacht. Und noch etwas Erfreuliches: Es gibt wieder Spargel und Löwenzahn. Das ist doch tröstlich – wenn auch bloß in kulinarischer Hinsicht.