Kaum Gedanken an den Mantel

Eigentlich war es ja der Mantelsonntag gestern: Aber bei goldenem Oktober und warmen Temperaturen wollten bei den Besuchermassen in der Homburger City Gedanken an die nasskalte Witterung nicht so richtig aufkommen.

 Wer konnte, der sicherte sich bei Homburgs Gastronomen einen schattiges Plätzchen.
Wer konnte, der sicherte sich bei Homburgs Gastronomen einen schattiges Plätzchen.

War das ein Wetterchen gestern! Was konnte man angesichts von gefühlten 20 Grad, einem leichten und angenehmen Wind und einem blauen Himmel mit Schäfchen-Wolken-Garnitur nicht alles machen: Spazierengehen, Eisessen, bummeln, sich die Sonne ins Gesicht strahlen lassen. Und wo konnte man das alles gestern wunderbar und an einem Ort unter einen Hut bringen? Genau: Beim verkaufsoffenen Sonntag in Homburg .

Dabei wurde eben dieser seinem üblichen Etikett als "Mantelsonntag" zum Glück in Sachen Wetter nicht wirklich gerecht. Denn bei dem Herbst-Sommer gestern dachten wohl die wenigsten erst mal an Mäntel , dicke Pullis, Schals und warme Socken. Stattdessen gab sich der Modetrend abseits der herbst-winterlich dekorierten Schaufenster in der Innenstadt in den Farben Frühling und Sommer. Shorts, T-Shirts, Kurzarmhemden dominierten die Straßen der Homburger City auf und ab. Mäntel und Jacken fand man, wenn überhaupt, über dem Arm.

Doch zeigte sich die Homburger Kaufmannschaft gewillt, dem guten Wetter zu trotzen und die Kunden trotz emotionalem Abstand zur kalten Jahreszeit zum Kauf von eher wohlig-warmen Textilien zu animieren. Zehn Prozent hier, 20 Prozent da - da nutzte so mancher die Gelegenheit, dem Mantelsonntag auch das abzutrotzen, was ihm seinen Namen gibt: Den einen oder anderen Mantel. So wie Birgit Schlehberger aus Saarbrücken. "Es ist wirklich ein bisschen seltsam, an einem solchen Sonnen-Tag wie heute warme Klamotten zu kaufen. Aber ich bin mir sicher: Es wird schon bald richtig nass, trüb und kalt. Und wenn ich die Wahl habe, Herbst- und Winterbekleidung bei Sonnenschein oder bei Regen und Kälte zu kaufen, dann nehm' ich den Sonnenschein."

Ob der ungewöhnlich warme Sonntag gestern nun dem Homburger Textilhandel in die Karten gespielt hat oder nicht, das wird der Blick in die Ladenkassen erweisen. In jedem Fall war die Kombination aus goldenem Oktober und verkaufsoffenem Sonntag für die Stadt in Sachen Publikumsverkehr ein Gewinn. Von der Talstraße, dem Saarpfalz-Center und dem Tal-Zentrum über die Eisenbahnstraße bis hin zum historischen Marktplatz und der Altstadt herrschte richtig, richtig viel Betrieb. Das ließ vor allem auch bei den Gastronomen den einen oder anderen Euro rollen. Vor den Restaurants und Bistros herrschte auf den Sonnenplätzen Hochbetrieb, an den Eisdielen bildeten sich Schlangen. Und wer seinen Einkauf abgewickelt hatte oder eine Pause einlegen wollte, der suchte sich ein feines Plätzchen und genoss den außergewöhnlich schönen Herbsttag.

Mit drei oder vier Tüten an ihren Seiten machten das genau so auch Peter Klein und seine Freundin Anna. Entspannt hatten sich die zwei einen Platz auf einer der Bänke am Christian-Weber-Platz gesichert und beobachteten nach getaner "Einkaufsarbeit" die Menschen auf der Straße. "Das ist so unglaublich relaxed heute", freute sich Anna. "Es macht richtig Spaß, einfach hier zu sitzen und den Leuten ein bisschen zuzuschauen." Und in den Tüten? "Natürlich jede Menge Winterklamotten", lachte Anna hinter ihrer Sonnenbrille.