Feuerwerk ist sein Beruf

Homburg/Bexbach/Kirkel/Zweibrücken. Es gibt Familien, in denen ist ein bestimmter Beruf einfach Pflicht oder eben eine Leidenschaft, die von Generation zu Generation weitergereicht wird. Bei Wolfram Ferdinand Kohl sind es bunte Lichter im Abendhimmel. Seit mehr als 50 Jahren macht er Feuerwerk, professionell zu vielen Gelegenheiten

Homburg/Bexbach/Kirkel/Zweibrücken. Es gibt Familien, in denen ist ein bestimmter Beruf einfach Pflicht oder eben eine Leidenschaft, die von Generation zu Generation weitergereicht wird. Bei Wolfram Ferdinand Kohl sind es bunte Lichter im Abendhimmel. Seit mehr als 50 Jahren macht er Feuerwerk, professionell zu vielen Gelegenheiten. Um Profi zu werden, musste er lernen: mindestens 26 Feuerwerke mit einem Feuerwerker aufgebaut und gestaltet haben. Dazu kam ein Lehrgang mit Prüfung. Knapp 100 Mal pro Jahr lässt er jetzt den Himmel leuchten - auf verschiedenen Festen, auch hier in der Region. "Früher", sagt er, "waren es noch mehr, manchmal bis zu 125 Feuerwerke jährlich." 73 Jahre alt ist der Zweibrücker Kohl mittlerweile, auch sein Sohn Ralf, 49, ist im Geschäft. Genauso wie das schon Vater, Mutter, Großvater, Urgroßvater und Ur-Urgroßvater waren. "Wir haben am 27. April 1835 begonnen, 2010 sind wir also 175 Jahre alt geworden", so Kohl. Damals, in den Anfängen, wurden die Feuerwerkskörper noch selbst hergestellt. "Als Junge habe ich das auch noch gemacht." Bauteile sind bis heute vorhanden, und manchmal findet sich darin sogar ein altes Stück Zeitung, auf dem man dann das Kinoprogramm von einst nachlesen kann. Heute beziehe er das Feuerwerk hauptsächlich aus China, erläutert Kohl. "Die sind richtig gut geworden." Davor habe er sein Material eher aus Japan bekommen.Sein Beruf hat ihn auch um die Welt geführt. So habe er bereits im Sudan, in Algerien und Tunesien gearbeitet. Im Emirat Katar war er, dort gab es ein Feuerwerk zur Fußballmeisterschaft der Golfregion, und auch in Abu Dhabi - "zur Hochzeit des Scheichs". "Bis zu fünfeinhalb Kilometer Draht wurden bei manchen Gelegenheiten verlegt." Aus seiner Erfahrung weiß er: "Die Geschmäcker sind verschieden." Und die Preise für so ein Feuerwerk sind es auch, liegen zwischen 500 bis zu 8000 Euro. Die Länge sei dabei gar nicht so entscheidend. Üblich seien fünf bis acht Minuten, "länger ist selten". Bei den großen Feuerwerken sei von Beginn an mehr auf einmal zu sehen, bei den kleinen werde einzeln abgefeuert. "Erst zum Schluss geht es dann rund." Es gibt "Parterre-Feuerwerk", das sich unten abspielt und solches auf mehreren Ebenen. Der Aufbau dauert manchmal mehrere Tage, ein andermal ist es in einem Tag zu schaffen.

Fasziniert ist er von den "neuen Effekten" und vor allem immer dann, wenn er sich entfalten kann. Viel Platz spielt da zum Beispiel eine Rolle.

"Gefährlich bleibt es immer", gesteht er, um gleich wieder einzuschränken, "aber das ist es auch, wenn man über die Straße geht." Sein Beruf hat ihn ein Auge gekostet, sein Sohn hat zwei Finger verloren.

Wer in der Silvesternacht "knallen" will, dem rät er, die Feuerwerkskörper vorher genau anzuschauen, sich zu informieren, "wo etwas angesteckt wird", das sei nachts nicht mehr zu sehen. Zudem solle jeder darauf achten, dass keine Leitungen oder ausladende Bäume in der Nähe sind, damit "nichts anschlägt". Sollte etwas nicht gleich zünden, dann müsse es unbedingt eine Zeit lang stehen gelassen werden, bevor man sich ihm wieder nähert.

Er selbst wird auch am 31. Dezember wieder im Einsatz sein. "Ich war an Silvester seit 1967 nicht mehr zu Hause." In der Regel sind es fünf Feuerwerke, die er in der Nacht ausrichtet, Kunden sind Hotels.

Seit über 50 Jahren macht Wolfram Kohl professionell Feuerwerk. Foto: Simmet.

Denn das, was für die anderen in dieser Silvesternacht Ausnahme ist, das ist eben einfach sein Job.

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