Die Schätze des Schlosses

Homburg. Seit mehr als zwei Jahrhunderten ist es weitgehend vom Erdboden verschwunden, nur wenige Reste wie die Ruinen der Orangerie und des Bärenzwingers, der Schwanenweiher oder des Tschifflick-Pavillons haben sich erhalten. Von der prachtvollen Innenausstattung, dem Mobiliar, den Kunstgegenständen und Sammlungen sei indes vieles gerettet worden

Homburg. Seit mehr als zwei Jahrhunderten ist es weitgehend vom Erdboden verschwunden, nur wenige Reste wie die Ruinen der Orangerie und des Bärenzwingers, der Schwanenweiher oder des Tschifflick-Pavillons haben sich erhalten. Von der prachtvollen Innenausstattung, dem Mobiliar, den Kunstgegenständen und Sammlungen sei indes vieles gerettet worden. So kommentiert Ludwig Hoffmann seine Recherchen nach dem Inventar von Schloss Karlsberg. Was er in Museen und deren Depoträumen, aber auch in noch heute existierenden Schlössern und in Privatbesitz ausfindig machen konnte, beschreibt der Autor in der neuen "Saarpfalz"-Zeitschrift. Die "Blätter für Geschichte und Volkskunde" wurden vom Amt für Heimat- und Denkmalpflege im Homburger Landratsamt jetzt in ihrer letzten Ausgabe für 2010 und als Nummer 107 der Schriftenreihe insgesamt vorgelegt.In Schloss Nymphenburg in München, der Sommerresidenz der bayerischen Herrscher, befänden sich etwa eine Reihe Uhren, Vasen, Leuchter und Kamingarnituren sowie geschnitzte und vergoldete Sitzgarnituren, die rechtzeitig aus dem Homburger Schloss gerettet werden konnten, bevor es französische Revolutionstruppen unter Mithilfe der einheimischen Bevölkerung am 28. Juli 1793 plünderten und in Brand steckten. Zum Nymphenburger Mobiliar zählen nach Hoffmanns Angaben auch vier Lehnsessel, die der Pariser Kunsttischler Georges Jacob (1739 - 1814) eigentlich für die Residenz des Zweibrücker Herzogs gefertigt hatte. Das Fazit des Autors: "Manches, was einst zu Schloss Karlsberg gehörte, ist bekannt, aber vieles liegt auch in Depots verborgen."

Hoffmann schlägt deshalb vor, Einrichtungsgegenstände als Leihgaben wieder an ihren Ursprungsort zurück nach Homburg zu bringen und auszustellen. Gleichermaßen prachtvolles Inventar, aber ausschließlich in Gestalt von antiken Uhren, ist das Thema von Kurt Legrum in der neuen "Saarpfalz". Der Blieskasteler Archivar stellt das Uhrenmuseum vor, das seit vergangenen Juli in der Stadt zu besichtigen ist. Ein Privatier hat Blieskastel insgesamt 92 Prachtexemplare und darunter vornehmlich imposante Pendeluhren gestiftet, die nun auf 150 Quadratmetern zu sehen sind. Von der südlichen Peripherie des Saarpfalz-Kreises handelt der Beitrag von Rainer Lagall, der sich mit der Medelsheimer Burg befasst. Um die Jahrhundertwende 1300 von den Zweibrücker Grafen errichtet, wurde sie im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Bodenfunde im Bereich der heutigen Schule weisen den genauen Standort der Befestigungsanlage aber nach, skizziert Lagall. So lagere deren vordere Ecke auf dem Fundament eines Rundturmes mit einem Durchmesser von sechs und einer Mauerstärke von anderthalb Metern.

Über die lothringisch-saarländische Grenze hinaus blickt Dr. Karl Lillig aus Limbach, der die Baugeschichte der Kirche in Rimlingen erläutert. Dass dort Wilhelmiten aus Gräfinthal als Pfarrer Dienst taten, erwähnt er ebenso wie das Wappen der Herzöge von Pfalz-Zweibrücken, das bis in den Kriegswinter 1944/45 über der Wölbung des Rimlinger Kirchturms zu sehen war. Ein noch gut sichtbares Stück regionaler Industriegeschichte erzählt Ludwig Weber; er zeichnet die Historie des Kalkabbaus am Kalbenberg zwischen Wolfersheim und Ballweiler nach. Dabei geht er auch auf die drei Kilometer lange Luftdrahtseilbahn ein, die einen Höhenunterschied von 146 zu bewältigen hatte und in Richtung Blickweiler verlief. Pro Stunde wurden so über 21 Tonnen Kalkstein talabwärts in Richtung Blickweiler verbracht. Der frühere Ortsvorsteher von Limbach, Gerd Imbsweiler, setzt seine Serie über individuelle Schicksale in der Nazi-Zeit fort. In den neuen "Blättern" widmet er sich der Biografie von Ernst Holzhauser, der von 1938 bis 1944 im Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert war. An diesem persönlichen Beispiel veranschaulicht Imbsweiler, wie dramatisch sich die politische Entwicklung auf den persönlichen Lebensweg auswirken kann. Horst Weingart, passionierter Heimatforscher aus Webenheim, zitiert aus einem alten Protokollbuch der Feuerwehr aus seinem Wohnort. Dabei kommen auch die Einsätze zur Sprache, zu denen die Floriansjünger ausrücken mussten - darunter auch der tragische Brand auf dem Grünbacher Hof, bei dem 1911 der 60-jährige Gutsbesitzer Johann Oesch ums Leben gekommen war.

Auf einen Blick

Webenheim von der gegenüber liegenden Kreuzkapelle auf dem Han aus gesehen (oben). Am Kalbenberg in Wolfersheim (unten links) wurde in großem Stil Kalk abgebaut. Fotos: bam.
Webenheim von der gegenüber liegenden Kreuzkapelle auf dem Han aus gesehen (oben). Am Kalbenberg in Wolfersheim (unten links) wurde in großem Stil Kalk abgebaut. Fotos: bam.

Saarpfalz 4/2010: 64 Seiten, sieben Beiträge, 25 Abbildungen, Kalendarium "historischer" Vorträge im ersten Quartal 2011. Schriftleiter: Kreisdenkmalpfleger Dr. Bernhard Becker unter Mitwirkung einer fünfköpfigen Fachredaktion. Bezug: Amt für Heimat- und Denkmalpflege des Saarpfalz-Kreises, Zimmer 417, Landratsamt Homburg, Tel. (0 68 41) 1 04 84 09, E-Mail: marianne.hepp@saarpfalz-kreis.de sowie im Buchhandel und bei den Kultur- und Verkehrsämtern der Gemeinden. Preis: 3,25 Euro. bam