Ein wenig Wärme in die Welt bringen

Ein wenig Wärme in die Welt bringen

St. Ingbert. Ob Strickware für die Obdachlosen vom Treff em Gässje in St. Ingbert oder Söckchen für die Frühchen im Homburger Uniklinikum - mit zwei Nadeln und Wolle verbreiten Hedwig Kropp und ihre Tochter Anne Marie Rother regelmäßig Freude. Die beiden Frauen gehören zum Charity-Team des Onlinemagazins www.handarbeitsfrau

St. Ingbert. Ob Strickware für die Obdachlosen vom Treff em Gässje in St. Ingbert oder Söckchen für die Frühchen im Homburger Uniklinikum - mit zwei Nadeln und Wolle verbreiten Hedwig Kropp und ihre Tochter Anne Marie Rother regelmäßig Freude. Die beiden Frauen gehören zum Charity-Team des Onlinemagazins www.handarbeitsfrau.de, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, sozial schwache Menschen mit gestrickter Kleidung zu unterstützen.2006 hatte Ingrid Korzendorfer, ein Mitglied des Strickforums, die Idee, für Obdachlose zu stricken. "Sie hat damals mit jemandem von der Bahnhofsmission gesprochen und der hat ihr gesagt, dass noch nie jemand für ihn etwas mit den eigenen Händen gemacht hat", erzählt Anne Rother.

Diese Geschichte hat sie so beeindruckt, dass sie kurz darauf den Kontakt zu Ursula Rodner von der Caritas gesucht hat, die verantwortlich ist für das Treff em Gässje. Seit 2008 stricken Anne Rother und ihre Mutter Hedwig Kropp jedes Jahr für die Besucher der Caritas-Einrichtung. Die Übergabe findet immer kurz vor Weihnachten statt. Freude mit ihren Strickwaren zu verbreiten, das gibt auch Hedwig Kropp ein gutes Gefühl: "Ich weiß, ich habe etwas Gutes getan." Und ihre Tochter ergänzt: "Mir geht es gut. Warum sollte ich da nicht ein bisschen was zurückgeben?" Man müsse immer im Kopf behalten, dass es auch hier im Saarland Menschen gebe, denen es schlecht gehe und die sich über ein Paar Socken freuen.

Doch die beiden Frauen engagieren sich nicht nur zur Weihnachtszeit, sondern das ganze Jahr über. "40 Paar große Socken habe ich dieses Jahr gestrickt", erzählt Hedwig Kropp. Dafür hat sie ungefähr 4500 Gramm Wolle verarbeitet. Von dem Garn, das beim Stricken der großen Socken übrig bleibt, werden dann winzig kleine Söckchen für die Frühchen in der Homburger Uniklinik gefertigt. "Die haben immer kalte Füßchen, auch wenn sie im Brutkasten liegen", weiß Anne Rother. Der Kontakt zur Klinik ist über eine Bekannte Rothers entstanden. "Die Freude ist immer groß, wenn ich meine Söckchen in der Klinik abgebe", sagt Hedwig Kropp lächelnd.

Neben der Gewissheit, Gutes zu tun, schätzen die beiden Frauen auch den Austausch im Forum von www.handarbeitsfrau.de. Man sporne sich gegenseitig an, Neues zu lernen, sagt Hedwig Kropp. So hat die 74-Jährige auch - jenseits der Strickkunst - den Umgang mit dem Internet in einem VHS-Kurs gelernt. "Ich will ja mitreden können." Es gibt auch Treffen, bei denen sich die strickbegeisterten Frauen und Männer persönlich kennen lernen und austauschen können.

"Ich stricke schon mein ganzes Leben lang", sagt Hedwig Kropp. Gelernt hat sie es 1944 im Alter von neun Jahren während der Evakuierung. Eine junge Frau habe es ihr damals gezeigt. Die Begeisterung und das Geschick im Umgang mit den Nadeln hat sie auch an ihre Tochter weitergegeben. "Ohne Nadeln kennt man mich gar nicht", scherzt Anne Rother. Die berufstätige 41-Jährige strickt am liebsten beim Fernsehen. "Es ist die beste Art, Stress abzubauen." Vielleicht ein Grund dafür, dass Stricken wieder stark im Kommen ist, wie die Frauen berichten. Ihr Wunsch wäre es, in St. Ingbert einen Stricktreff ins Leben zu rufen. Außerdem würden sie sich über Wollspenden freuen. Denn auch aus Resten können die beiden noch Frühchen-Socken zaubern.

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