Kandidaten für die Bundestagswahl: Auch kleine Parteien haben eine Chance

Kandidaten für die Bundestagswahl : Auch kleine Parteien haben eine Chance

Bei der Bundestagswahl stehen nicht nur die Spitzenkandidaten der beiden großen Parteien zur Wahl, auch andere Kandidaten hoffen.

Eine Bundestagswahl besteht nicht nur aus denjenigen Kandidaten, die die Aussicht haben, nach Berlin zu kommen. Im Gegenteil, der größte Teil der Kandidaten, denen man auf dem Wahlzettel seine Erststimme geben kann, weiß, dass man nur eine sehr kleine  Chance hat, im Bundestag einen Sitz zu bekommen.

Aber die Kandidaten machen es dennoch, um ihre Partei zu unterstützen und um „für Auftrieb für unsere Landeskandidaten zu sorgen“, wie es Walter Kappmeier ausdrückt. Der 72-jährige pensionierte Oberstudienrat mit Wohnsitz in Limbach tritt vor allem aus ideellen Gründen im Wahlkreis 299 für seine Partei, Die Linke, an. „Ich möchte mit meiner Kandidatur vor allem unsere beiden Landes-Kandidaten, Thomas Lutze und Andrea Neumann, unterstützen. Wir brauchen eine starke linke Opposition im Bundestag. Dort werde ich zwar nicht sitzen, aber ich hoffe doch, dass einer von uns Saarländern es dorthin schafft“, betont Kappmeier gegenüber unserer Zeitung.

Dass er mit seiner Kandidatur dem SPD-Kandidaten Esra Limbacher Stimmen wegnehmen könnte, sieht Kappmeier nicht so: „Es hat auf Bundesebene Gespräche zwischen Vertreten der Linken und Sigmar Gabriel gegeben, um sich gegenseitig nicht zu schwächen, aber es kam meines Wissens zu keiner Einigung.“ Und so findet Walter Kappmeier, „dass nun mal jeder für sich allein kämpft“. Er habe nichts gegen die SPD, „ich war früher selbst SPD-Wähler, aber dann habe nicht ich mich von der Partei, sondern die Partei von mir getrennt. Ich konnte den neoliberalen Weg nicht mitgehen“. Am  27. September  „da lasse ich mich überraschen. Wunder gibt es ja bekanntlich immer wieder“.

Peter Habel, 54 Jahre und Architekt aus Neunkirchen, sieht für sich persönlich  keine Chance, in den Bundestag zu kommen, „aber für die FDP insgesamt sieht es sehr gut aus, ich bin fest davon überzeugt, dass wir wieder in den Bundestag zurückkehren“. Die Wähler spürten, „dass eine liberale Partei im Bundestag gefehlt hat“. Ihm seien vier Themen wichtig: Bildung, Europa, die Übergriffigkeit des Staates eindämmen und das Ansehen  der Bundeswehr wieder steigern. Besonders letztere liegt ihm am Herzen: „Ich beobachte, dass die Bundeswehr und das, was sie leistet, in der Gesellschaft häufig vergessen wird, man schätzt die Soldaten nicht mehr wert, das ist nicht in Ordnung.“ Und was den Staat angehe, „so muss man dessen Einmischung in Vermögen und Immobilienbesitz eindämmen. Die Bürger brauchen mehr Freiheit und müssen sich nicht überall vom Staat reinreden lassen“. Dass das Saarland wieder einen Liberalen nach Berlin in den Bundestag entsenden könne, „da bin ich mir sehr sicher. Nur ich werde es nicht sein“, lacht Habel. Im Übrigen sei die FDP Saar inzwischen gut aufgestellt, „die Querelen, die die Partei auf Landeseben belastet haben, die gibt es nicht mehr, wir haben einen guten Zusammenhalt“.

Daniel Schütte geht für die AfD ins Rennen und lobt zunächst die „gute demokratische Tradition im Wahlkreis Homburg“, denn er sei noch nie als „Nazi“ angefeindet worden, „auch unsere Plakate wurden nicht beschädigt“. Dies sei, wenn man sich bundesweit umschaue, „nicht überall so“. Dass Schütte weder „rechtsradikal“ noch ein „Nazi“ sei, „das ist doch wohl selbstverständlich. Ich habe selbst kroatische Wurzeln und bin im Betriebsrat bei Bosch Rexroth vertreten“, sagt der 48-jährige Speditionskaufmann, der in der Homburger Niederlassung im Bereich Logistik tätig ist. Er sei der Kandidat einer „konservativen Partei“, dessen Anliegen die Familien- und Sozialpolitik sei. Soziales sei ihm als Betriebsratsmitglied  ohnehin wichtig.  Dass er nicht in den Bundestag kommen wird, weiß er, „aber ich habe trotzdem kandidiert, um hier im Bereich Homburg bekannt zu werden“. Es gehe ihm um „politische Teilhabe, später vielleicht um einen Platz im Homburger Stadtrat. Dafür habe ich mich aufstellen lassen“. Dass die AfD hingegen in den Bundestag einziehen werde, darüber bestehe kein Zweifel, sagt Schütte: „Ich gehe mal von zehn Prozent plus x aus.“ Was ihn ärgere, seien die Rassismusvorwürfe gegen seine Partei: „Ich habe nichts gegen Flüchtlinge. Aber ich bin gegen illegale Einwanderung, und ich finde, dass Gewalttäter abgeschoben werden sollten. Diese Position hat früher auch mal die CDU vehement vertreten.“

Der einzige, der sich als Kandidat für den Bundestag als „nicht so ganz chancenlos“ sieht, ist Marc Piazolo von den Grünen, ein bekanntes Gesicht in Homburg, zumal der 54-jährige Hochschullehrer an der Fachhochschule Kaiserslautern schon fürs Amt des Oberbürgermeisters in Homburg kandidiert hat.  „Es könnte doch sein, dass ich es schaffe, zumal die beiden Spitzenkandidaten, Markus Uhl und Esra Limbacher, erst ganz neu dabei sind.“ Gegen den bisherigen Abgeordneten Alex Funk, der „in Berlin gute Arbeit“ gemacht habe, „wäre es für mich aussichtslos gewesen. Aber diesmal? Vielleicht habe ich ja doch eine bescheidene Chance“. Vor allem gehe es ihm aber um das gute Abschneiden der Grünen im Bundestag.

FDP: Peter Habel, Architekt, 54 Jahre, aus Neunkirchen. . Foto: alexa Kirsch/alexa kirsch
AfD: Daniel Schütte, Speditionskaufmann, 48 Jahre, aus Homburg. . Foto: Schütte
Die Linke: Walter Kappmeier, Studienrat, 72 Jahre, Limbach. Foto: Kappmeier
AfD: Daniel Schütte, Kaufmann, 48 Jahre, aus Homburg. . Foto: BeckerBredel

Dass sie womöglich rausfliegen könnten, wie Wahlbeobachter nicht ausschließen, daran glaubt Piazolo nicht: „Das ist Quatsch, natürlich bleiben die Grünen im Bundestag, sie sind dort eine feste Größe.“ Er vermutet, dass die Grünen in der Wählergunst auf dem dritten Platz landen werden. Piazolos Engagement ist aber vor allem lokaler Art,  „vor allem, was die Landschaftsverschandelung durch die B 423 neu betrifft“. Dies könnte die Wähler vielleicht doch noch dazu bringen, „mich zu wählen. Vielleicht sollte ich der Christian Ströbele des Saarlandes werden“. Ströbele ist der einzige Bundestagsabgeordnete, der je ein  Direktmandat für die Grünen errungen hat.