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Frühling im Saarpfalzkreis unter Corona Bedingungen

Ein schwieriger Saisonbeginn : Der Frühling ist da, aber wir sind weg

Das erste Frühlingswochenende: Noch nie haben sich so viele Menschen nicht darüber freuen können.

Wenn der Frühling naht, zieht es uns nach draußen. Außer Kriegs- und Pestzeiten dürfte es kaum ein Ereignis gegeben haben, das die Menschen bei den ersten warmen Sonnenstrahlen des Jahres  im Haus hielt. Um so schwerer fällt es, dass gerade jetzt ein Virus über uns hereinbricht, während wir doch eigentlich auf Lebensfreude, Bewegung an der frischen Luft und Freude an der erwachten Natur programmiert sind.

Wobei der Begriff von der Pestzeit der ganzen Sache schon recht nahe kommen dürfte. Das Corona-Virus ist zwar nicht die Pest, aber es ist so gefählich, dass es allemal ausreicht, dass die Menschen, von oben verordnet, möglichst in ihren Häusern bleiben sollen.  Und im eigenen Garten natürlich.  Allerdings nicht zu Grillfesten oder sonstigen fröhlichen Schwenker-Aktivitäten im Freundeskreis.

Immerhin hat Ministerpräsident Tobias Hans verkündet, man dürfe noch „im Wald“ spazieren gehen. Oder Sport in der Natur betreiben, nur nicht in größeren Gruppen. Weil man das zur Entspannung brauche und das Gefühl des Eingesperrt-Seins bei vielen Menschen pysische Probleme bis hin zu Depressionen auslösen könne.

Im benachbarten Frankreich ist noch nicht einmal das erlaubt. Bevor Macron in der vergangenen Woche seine staatstragende Rede mit der Verhängung von strengen Ausgangsregeln hielt, packten viele Pariser schnell noch ihre sieben Sachen zusammen und fuhren in ihre Ferienhäuser am Atlantik oder im Süden. Man glaubte, dort eine Art Urlaub  machen zu können, mit Frisbee-Werfen, Radfahren  und Picknick am Strand.

Kindern den Auslauf zu verbieten, fällt besonders schwer. Deshalb dürfen sie mit den Eltern raus in die Natur. Aber wirklich nur mit den Eltern. Foto: dpa/Z1022 Patrick Pleul

Doch aus dieser Illusion wurde nichts, zumal die Einheimischen keine Lust hatten, sich von den Städtern mit Corona anstecken zu lassen - und zack, waren alle Strandzugänge geschlossen. Inzwischen werden sogar Drohnen eingesetzt, um zu kontrollieren, dass die Ausgangssperre für alle gilt und sich niemand am Strand vergnügt. Es wäre auch dem gesellschaftlichen Klima nicht förderlich, wenn die einen in der engen Großstadtbude hocken, während die anderen am Meer flanieren.

Im Saarland hat man dieses Problem nicht. Ob man in Medelsheim, im Warndt oder im St. Wendeler Land spazieren geht, sorgt nicht für Ungleichheit. Wichtig ist dabei nur, nicht an Orten herumzulaufen, die viele andere Besucher auch gerne aufsuchen. Nun ist der Mensch ein Herdentier und liebt Orte, die er kennt, zum Beispiel die Wege um den Jägersburger Weiher oder die Wiesen am Saarbrücker Staden, beides beliebte Ausflugsziele, die am vergangenen Wochenende noch voll waren, obwohl auch dies schon verboten war.  Deshalb muss man jetzt genau abwägen, wo man spazieren geht und dabei möglichst wenige Menschen trifft.

Die Saarpfalz-Touristik wollte sich mit Ausflugstipps nicht aus dem Fenster lehnen: „Wenn wir einsame Orte empfehlen, sind die am Ende nicht mehr einsam, und man erreicht genau das Gegenteil“, so Kirsten Schwarz. Deshalb appelliert sie an die Verantwortung eines jeden einzelnen, solche Orte in der Natur aufzusuchen, die nur frische Luft und schöne Landschaft versprechen, „aber kein besonderer Anziehungspunkt sind.“

Im Frühling zeigt sich die Biosphäre von der schönsten Seite. Man darf dort auch spazieren gehen, aber nur, wenn man die Regeln beachtet. Foto: Eike Dubois/phormat.de

In der Biosphärenlandschaft ließen sich einsame Wege durchaus finden, vor allem „weit weg von den Dörfern, wo ältere Menschen wohnen.“ Es sei schon ein Umdenken, „weil wir sonst immer besondere Orte empfehlen, an denen man einkehren und sich gesellig treffen kann, zum Beispiel Wanderhütten, sonnige Wege um die Weiher oder Biobauernhöfe. Jetzt sind das genau die Orte, von denen wir abraten müssen.“ Wobei die Hütten und Gaststätten derzeit ohnehin nicht bewirtschaftet werden.

Wer sich also in der freien Natur bewegen möchte, sollte darauf achten, dabei möglichst alleine zu bleiben und bei Begegnungen mit anderen Spaziergängern Abstand zu halten. Man kann sich ja einen Gruß durchaus zurufen.

Gemäß der saarländischen Ausgangs-Richtlinien  fallen derzeit auch alle Gruppenangebote der Saarpfalz-Touristik aus, die großen Veranstaltungen wie der Keramikmarkt sowieso, aber auch kleinere Angebote Anfang April wie eine Wanderung zur Klosterruine Wörschweiler und anschließende Verkostung von Biosphärenprodukten unter dem Titel „Mondlicht, Möche, Gaumenfreuden.“ Oder Vorträge, Mitmach-Angebote, auch Veranstaltungen für Kinder, dürfen nach den Maßgaben der Landesregierung nicht mehr stattfinden.

Magnolien sind die Vorboten einer wärmeren Jahreszeit. Meist stehen diese schönen Bäume in städtischen Parks, die  man derzeit meiden soll. Foto: dpa/Frank Leonhardt
Wer weiß, wo man Bärlauch findet, kann ihn jetzt großflächig ernten. Aber nur, wenn es dabei so einsam ist wie auf dieser Lichtung. Foto: Landeshauptstadt Saarbrücken/Ralf Blechschmidt

Wie der Ministerpräsident betonte, dürfe man zwar noch reiten, aber auch das nur unter bestimmten Bedingungen. Eine Lama- oder Eselswanderung mit mehreren Familien ist damit bestimmt nicht gemeint. Nun ist das Biosphärenreservat eine kleine Destination, die nicht in großem Stil vom Tourismus lebt, wie andere Gegenden in Deutschland.  Somit geht der Wegfall der Veranstaltungen nicht in die Millionen, aber es ist für viele Saarpfälzer in den vergangenen Jahren zu einer liebgewonnenen Tradition geworden, die Angebote der Saarpfalz-Touristik oder des Biosphärenzweckverbandes zu nutzen. Vor allem die Kinder wurden dabei immer lehrreich beschäftigt. Das müssen die Eltern nun selbst machen.