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Stärkere Nachfrage bei der Telefonseelsorge durch das Corona-Virus

Seelsorge per Telefon und Livestream : Corona zwingt Seelsorger sich neu zu erfinden

Während die Nachfrage nach seelischem Beistand am Telefon in unserer Region stark zunimmt, sind viele Geistliche gezwungen, andere Formen von Seelsorge zu entwickeln.

Wegen der Corona-Krise scheint die Nachfrage nach seelischem Beistand am Telefon sowohl bei den Katholiken, als auch bei den Protestanten im Land groß zu sein. „Die Gespräche zum Thema Corona-Virus sind in den letzten Tagen stark angestiegen“, sagt Volker Bier, evangelischer Leiter der Evangelisch-Katholischen Telefon-Seelsorge Saar. Inzwischen sei jedes zweite Gespräch von dem Thema geprägt. Gleichzeitig sei auch die Anzahl der Anrufe gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr verzeichne man 50 Prozent mehr Anfragen. Mitunter müssten die Menschen mehrfach anrufen, um die Telefonseelsorge zu erreichen.

Durch die Allgemeinverfügung der Landesregierung sind seit Mittwoch Zusammenkünfte in Kirchen und anderen Gotteshäusern bis auf weiteres untersagt. Das Bistum Speyer hat bis Ende April deswegen alle Gottesdienste ausgesetzt. Dies betrifft auch die kommenden Kar- und Ostertage sowie Gottesdienste zu Taufen, Trauungen oder Sterbeämtern. Da neben Pfarrheimen und weiteren kirchlichen Orten der Begegnung auch die Pfarrbüchereien vorerst geschlossen sind, ist die Onleihe (https://bistum-speyer.onleihe.de) im Bistum verwiesen, alle E-Books, E-Papers und E-Audios kostenlos von zu Hause aus nutzen lassen. Es gibt jetzt auch zunehmend Gottesdienste, die als Livestream im Internet übertragen werden. Am Samstagabend war so ein ökumenisches Gebet der Evangelischen Kirche der Pfalz und des Bistums Speyer mitzuverfolgen. Bischof Karl-Heinz Wiesemann hat am Sonntag in Kaiserslautern einen Gottesdienst gefeiert, der ebenfalls im Internet übertragen wurde. Weitere solche Livestream-Gottesdienste im Bistum Speyer sollen folgen.

Der katholische Stadtpfarrer in St. Ingbert, Daniel Zamilski, und sein Pastoralteam haben seit vergangenem Dienstag in verschiedenen Mitteilungen darauf aufmerksam gemacht, wie die Kirche in den turbulenten Zeiten der Corona-Krise handeln will. „Gerade jetzt möchten wir für Sie da sein - wenn auch in anderer, ungewohnter Form“, betont Zamilski. Am Donnerstag verschickte die Pfarrei Heiliger Ingobertus erstmals einen Newsletter zu „Ingobertus und Corona“. Darin waren nochmals aktuelle Angebote bei der Seelsorge und dem derzeit verbleibenden kirchlichen Leben aufgelistet. So werden beispielsweise die Ansprechpartner für telefonische Seelsorgegespräche genannt: Andrea Agnetta, Pastoralreferentin, (0151) 14 87 95 46; Armin Hook, Kooperator. (06894) 92 49 14; Melanie Viehl, Gemeindereferentin, (0179) 7 63 94 87; Daniel Zamilski, Pfarrer, (06894) 92 49 16. Jeden Tag Uhr läuten jetzt morgens, mittags und abends die Glocken der St. Ingberter Kirchen und rufen zum persönlichen Gebet. Die Alte Kirche und die Pfarrkirche St. Josef bleiben tagsüber für stille Beter geöffnet. Als „Aktion Hoffnungslicht“ werden die Menschen gebeten, täglich um 19 Uhr eine brennende Kerze in ein Fenster zu stellen.

Daniel Zamilski, Pfarrer in der Pfarrei Heiliger Ingobertus in St. Ingbert. Foto: Nina Drokur

Mindestens bis zum Gründonnerstag, 9. April, sind alle Gottesdienste in den protestantischen Kirchen in St. Ingbert, Ensheim, Blieskastel, Mimbach, Breitfurt und Walsheim, die zum Kirchenbezirk Zweibrücken zählen, abgesagt. In St. Ingbert bleiben aber die Martin-Luther-Kirche und die Christuskirche zum stillen Gebet und zur persönlichen Einkehr zu den Gottesdienstzeiten geöffnet. Pfarrerin Michelle Scherer ist weiterhin, besonders für seelsorgliche Gespräche, zu erreichen. Zu den üblichen Gottesdienstzeiten wird auch die Christuskirche in Mimbach für persönliche Gebete geöffnet werden, wie Pfarrerin Ines Weiland-Weiser mitgeteilt hat.