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NABU rettet tausende Tiere bei Amphibienwanderung im Saarpfalz-Kreis

Diesse Menschen verhindern täglich ein tierisches Massaker : Sie retten Tausende von kleinen Tieren

Amphibienwanderung in unserer Region: Wir haben die Helfer bei ihrer täglich wertvollen Arbeit begleitet.

Auch wenn die Ausbreitung des Corona-Virus derzeit überall den Alltag lahm legt, die Natur lässt sich davon nicht beeindrucken. Der Frühling steht in den Startlöchern und überall regt sich Leben. Mit den ersten warmen Sonnenstrahlen erwachen auch Kröten, Molche und Frösche aus ihrer Winterstarre und machen sich auf die Wanderschaft. Die Tiere sind unterwegs zu genau dem Gewässer, in dem sie selbst aufgewachsen sind. Hier wollen sie ihre Eier, den Laich, ablegen. Doch häufig schaffen es die kleinen Amphibien nicht bis dorthin, denn an manchen Stellen müssen sie Straßen überqueren. Leider gibt es für sie keine Zebrastreifen, über die sie gehen könnten. So kommt es oft vor, dass sie in großen Mengen überfahren werden. Autofahrer können die Tiere schlecht erkennen, denn sie wandern vor allem in der Dunkelheit. Besonders die Kröten sind sehr langsam und sie können selbstredend nicht ausweichen.

Wenn sich in der Nähe einer Straße ein Gewässer befindet, stellen derzeit einige Naturschutz-Organisationen wieder kniehohe Krötenschutzzäune aus Plastikplanen oder -netzen auf. Zusätzlich graben und versenken sie in regelmäßigen Abständen Eimer in den Boden. Die Tiere, die nicht so hoch hüpfen können, bewegen sich so lange am Zaun entlang, bis sie in einen der Eimer fallen.

Auch in unserer Region haben seit vielen Jahren Naturschützer dem Amphibientod an unseren Straßen den Kampf angesagt. Etwa zehn gemeldete Sammelaktionen wurden beim NABU-Saarland registriert, wie beispielsweise am Jägersburger Weiher oder am Glashütter Weiher in Rohrbach. Nach dem erfolgreichen Einsatz in den Jahren 2018 und 2019 haben die NABU-Ortsgruppen Altstadt und Blieskastel an der Forststraße im Taubental, unmittelbar an der A8 zwischen Limbach und Kirkel, auch in diesem Jahr wieder gemeinsam einen Krötenschutzzaun errichtet und betreuen ihn. Das Gelände mit dem Teich gehört zur Naturlandstiftung Saarland. Gemeinsam kontrollieren täglich zwei von insgesamt vierzehn Helfern für etwa vier bis fünf Wochen die Auffangeimer, zählen und registrieren die Tiere und setzen sie anschließend auf der anderen Straßenseite beziehungsweise am Teichrand wieder aus. Die Helfer spielen quasi „Krötentaxi“.

Waren es im Jahr 2018 noch insgesamt 3259 Tiere, stieg die Zahl in 2019 bereits sprunghaft um fast 50 Prozent auf 6004 Exemplare. Der kleine Kälteeinbruch der letzten Tage bot eine gute Gelegenheit, nach der diesjährigen Halbzeit eine kleine Zwischenbilanz zu ziehen, bevor die Amphibien in diesen Tagen wieder richtig loslegen. Die Zahlen, die Dieter Geib für die NABU-Ortsgruppe Altstadt hierbei nennen kann, übertreffen alle Erwartungen. „Mit Stand Samstag sind jetzt bereits 5700 Tiere gerettet worden, alleine am letzten Mittwoch und Donnerstag jeweils über 1700. Das ist ein klares Zeichen, dass unsere Aktion von Erfolg gekrönt ist“ erklärt der Rentner stolz. Gemeinsam mit seiner Frau Marion und weiteren Mitstreitern setzt er sich schon viele Jahre aktiv für den Natur- und Tierschutz ein.

Der asphaltierte Waldweg im Taubental ist für Autos eigentlich verboten. Lediglich Mitarbeiter des Forsts, der Forstwirtschaft oder Nutzer mit Sondererlaubnis dürfen ihn befahren. Dennoch hatte im Frühjahr 2017 ein regelrechtes „Massaker‟ auf recht kurzer Strecke stattgefunden. „Mehrere Hundert Tiere sind damals an einem einzigen Abend unter die Räder gekommen, man konnte kaum einen Schritt gehen, ohne auf ein totes Tier zu treten. Es hatte den Anschein, als ob ganz gezielt hin und her gefahren worden sei“, berichtet Katrin Lauer von der NABU-Ortsgruppe Homburg traurig. „Das war schlimm.“ Spaziergänger hatten deswegen den Altstadter Umweltverband alarmiert. In einer gemeinsamen Aktion haben Helfer der NABU-Ortsgruppen Altstadt und Blieskastel mit Helfern aus Homburg sowie der saarländischen Naturwacht im Jahr darauf auf einer nur wenige hundert Meter langen Strecke einen Schutzzaun installiert und mehr als zwei Dutzend Eimer vergraben. „Dabei müssen wir zuvor jeweils in einem ersten größeren Arbeitseinsatz die Böschung von Hecken und Dornen befreien. Auch Hinweisschilder, die Autofahrer und Passanten auf die Laichwanderung aufmerksam machen sollten, stellen wir auf“, erklärt Dieter Geib.

Der Wald, durch den der Forstweg führt, gehört zu Blieskastel-Bierbach, die Gemarkung Kirkel-Limbach grenzt unmittelbar an. Aus diesem Grund machen Umwelt- und Tierschützer aus allen genannten Kommunen bei der Rettungsaktion mit.

Für die kommende Woche hat sich für eine nahegelegene Baustelle eine Kranlieferung angekündigt, die den Forstweg durchfahren wird. Ein Mitarbeiter der Naturwacht wird dabei vor dem Lastwagen herlaufen und mögliche Kröten vom Asphalt aufsammeln, um sie zu retten. Spaziergänger werden ausdrücklich gebeten, nicht in die Rettungsaktion einzugreifen und Tiere aus den Eimern zu entnehmen, auch wenn sie es gut meinen. Wenn dies durch andere Personen erfolgt, wird das Ergebnis der Bestandserfassung verfälscht und gegebenenfalls auch die Einrichtung beschädigt.

„Bei unseren Aktionen kommen wir regelmäßig mit Spaziergängern ins Gespräch. Sie sind alle sehr interessiert an unserer Arbeit und so leisten wir gewissermaßen nebenher auch noch Aufklärung“ erklärt Joachim Schindelhauer-Deutscher von der NABU Ortsgruppe Altstadt. „Es ist ein sehr befriedigendes Gefühl, den Tieren das Leben zu retten und dafür zu sorgen, dass ihre Art überlebt und erhalten bleibt. Ich wünsche mir, dass Autofahrer gerade auf solchen ausgeschilderten Strecken achtsamer sind und vorsichtiger fahren. Das hat auch etwas mit Respekt gegenüber der Natur und den Tieren zu tun“, sagt seine Mitstreiterin Katrin Lauer.

Unser Gruppenbild zeigt Mitglieder der NABU Ortsgruppen Altstadt und Blieskastel (von links): Hans Becker, Martha Franzl, Manfred Lauer, Katrin Lauer, Dieter Geib und Monika Geib. Foto: Petra Pabst
Diese Tiere sind unübersehbar in Hochzeitsstimmung. Foto: Petra Pabst

Mehr Infos: www.nabu.de/wir-ueber-uns/organisation/kontakte/gruppen