Die Erinnerung wird wach gehalten

Für morgen sind in Blieskastel wieder die Bürger aufgerufen, die in Gedenken an die Opfer des Nazi-Regimes verlegten Stolpersteine zu reinigen. Das Gedenken soll so alljährlich hochgehalten werden.

Vor genau 70 Jahren, am 27. Januar 1945, wurde das Konzentrationslager Auschwitz von sowjetischen Truppen befreit. An die Opfer des Nationalsozialismus wird vielerorts mit Gedenkfeiern erinnert, und auch in Blieskastel wird der Ermordeten und Verschleppten gedacht. Denn am morgigen Dienstag, 27. Januar, wird der Ortsverband der Linken Blieskastel wieder zur Ehrung misshandelter und ermordeter Bürgerinnen und Bürger eine symbolische Reinigung und Pflege der im Jahr 2009 verlegten Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig vornehmen.

"Das Gedenken an die Opfer soll jährlich wach gehalten und neu in Erinnerung gebracht werden. Ihr Leid darf nicht umsonst gewesen sein. Es muss den Nachgeborenen eine ewige Mahnung sein, dass Menschen- und Bürgerrechte unteilbar sind", teilt die Vorsitzende der Blieskasteler Linken, Yvonne Ploetz , in einer Presseerklärung mit. Sie ruft alle Bürger auf, sich an der symbolischen Reinigung der Stolpersteine in Blieskastel zu beteiligen. Ende Mai 2009 hatte der aus Köln stammende Künstler Gunter Demnig diese Stolpersteine gegen das Vergessen gelegt. In Blieskastel war damit ein Projekt des Künstlers fortgesetzt worden, das unter anderem die Vertreibung und Vernichtung der Juden, politisch Verfolgter und Euthanasieopfern während des Nazi-Regimes lebendig erhält. Der Blieskasteler Linken-Politiker und damalige Fraktionschef im Stadtrat, Dieter Geis, hatte die Aktion initiiert, unterstützt von seinen Parteifreunden. Geis hatte damals betont, dass es sich nicht um eine Parteiangelegenheit handele, sondern dass diese Aktion für alle Bürger eine große Bedeutung haben müsse.

Mit der Geschichte der Juden in Blieskastel hat sich auch der Grüne Martin Dauber, der bis zur Kommunalwahl im Mai vergangenen Jahres im Blieskasteler Stadtrat saß, schon von Jugend an beschäftigt. Anlässlich der Reichspogromnacht am 9. November 1938 führt er seine Gäste regelmäßig im November zu "Stationen jüdischen Lebens" in der Barockstadt. Dauber hatte in seiner Schulzeit ein Referat über die Judenverfolgung in Blieskastel ausgearbeitet.

Er konnte sich damals nicht vorstellen, was diese im Geschichtsunterricht vermittelten grausamen Fakten für das beschauliche Blieskastel bedeuten könnten, so Dauber. Seine Nachforschungen führten ihn schließlich ins Landesarchiv nach Saarbrücken, und er befragte Zeitzeugen in Blieskastel zu den Geschehnissen in der Nazizeit. Aus drei Gründen verfolge ihn das Thema auch in der Gegenwart noch: erstens aus Mitgefühl mit den Opfern, zweitens wolle er gegen das Vergessen ankämpfen und drittens lerne eine Gesellschaft aus ihren Fehlern.

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