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M&T-Chef Joachim Arnold hat trotz Corona die Kammermusiktage veranstaltet.

Kammermusiktage in Merzig : „Wir werden nächstes Jahr spielen – völlig egal wie“

Die Kammermusiktage in Merzig fanden trotz Corona statt – erfolgreich. Und M&T-Chef Arnold will sich auch kommendes Jahr durchbeißen.

Wenn alle absagen, macht einer trotzdem weiter: So trotzig-standfest sieht sich Joachim Arnold gern selbst. Und dann fallen Vergleiche wie – „30 Jahre im Schützengraben“ –, wenn er über seine nicht gerade wenigen Aufs und Abs als freier Kultur-Unternehmer im Saarland redet. Und wie der ewige Kämpfer um die Publikumsgunst am Ende doch wieder rauskrabbelt, aus dem Graben. Mit 55 eben immer noch ein Stehaufmännchen.

Tatsächlich: Wo in diesem Pandemie-Sommer in der Region sonst Live-Kultur meist nur homoöpathisch verabreicht wurde, hat der Chef von „Musik & Theater Saar“ (M&T) seine Kammermusiktage durchgezogen. Und nicht irgendwie! 1500 Tickets habe man verkauft. „Wie im Vorjahr“, betont Arnold. Und künstlerisch? Brachte die Konzertreihe, die Geigerin Franziska Hölscher konzipiert hatte, häufig klassisch Hochklassiges. Das Publikum überhäufte Arnold hernach jedenfalls mit Dankes-Mails, wie er ungefragt mitteilt.

Sicher, auch die Kammermusiktage mussten mal umdisponieren. Doch dann, weil der italienische Bariton Andrè Schuen auch noch bei den Salzburger Festspielen gefragt war. „Da haben wir uns doch gern danach gerichtet und unser Konzert verlegt“, sagt Arnold (siehe Kritik unten). Trotz Corona also alles prima? „Strategisch war es einfach richtig, die Kammermusiktage zu machen“, meint der M&T-Patriarch, „es liegt in der DNA dieses Unternehmens, hohe Risiken einzugehen.“ Wegen Corona abzusagen, wäre Arnold beinahe schon wider die persönliche Ehre gegangen. Außerdem galt es Zeichen zu setzen: M&T verschwindet nicht einfach von der Bildfläche. Kalkuliert hat der von manchen als Hasardeur Kritisierte das Risiko dennoch genau. So verlegte er die Konzerte aus der kleinen Mettlacher Abtei, wo Corona-Auflagen die Reihe faktisch unmöglich gemacht hätten, in das bis zu 1000 Gäste fassende Merziger Opernzelt von M&T. Dort rund 200 Gäste („eine realistische Zahl für Kammerkonzerte“) unter den gegenwärtigen Auflagen unterzubringen, war leicht und luftig möglich. Mit einer umfassenden E-Mail-Anfrage an seine Stammgäste klärte Arnold zudem vorab, wer bereit sei, statt in die Mettlacher Abtei ins Merziger Zelt zu kommen. „90 Prozent signalisierten, ,unbedingt spielen’“: das Go, das er brauchte.

Doch die Kammermusiktage sind eben auch nur ein Teil der Kulturunternehmer-Wahrheit. Das Klassik-Open-Air in Losheim (mit sonst schon mal 4000 Gästen) musste M&T wegen Corona absagen, ebenso die Musical-Produktion im Zelt, üblicherweise der dickste Brocken in der Kultursommersaison.

Dass trotzdem kein Riesenloch in der Kasse klafft, hängt allein daran, dass Joachim Arnold schon vor ein paar Jahren, als M&T existenziell in der Krise steckte, seine Firma notgedrungen  zum Ein-Mann-Unternehmen runterköchelte. Was er für eine Produktion braucht – von Künstlern bis zum Catering – kauft er seitdem nur für diese Produktion ein. Und macht, wenn’s sein muss, den Rest selbst: „Vom Klo putzen bis zum Gabelstapler fahren bin ich mir für nichts zu schade.“ Notfalls, wie in der Pandemie-Hochzeit, könne er auf die „Pause-Taste“ drücken, erläutert Arnold. Zumindest die Personalkosten erdrückten M&T somit nicht. Dennoch falle ein „fetter sechsstelliger Betrag“ für den Zelt-Unterhalt an. Zum Glück seien aber Geldgeber wie die Stadt Merzig, Saar-Toto und Sponsoren wie Kohlpharma bei der Stange geblieben. Und Arnold agierte flexibel. Bot etwa auch Autokino an, damit was in die Kasse kommt. So ist er denn optimistsich, dass er auf jeden Fall bis Ende des Jahres durchkommt.

Dennoch macht er auch klar: Noch so ein Jahr, „dann geht für die freie Kultur das Licht aus“. Ob Veranstalter oder freier Künstler – „irgendwann sind alle fertig“. „Es kann nicht sein, dass es so diffuse und in den einzelnen Bundesländern noch dazu so unterschiedliche Regeln für den Kulturbetrieb gibt“, kritisiert der M&T-Chef. Bei allem Verständnis für den Gesundheitsschutz, wenn die Kulturbranche weiter unter solchen Auflagen arbeiten müsse, sei der freie Kulturbereich nicht überlebensfähig, sagt Arnold.

Doch wie plant er dann seine nächste Saison? Mit den Kammermusiktagen habe man bewiesen, dass zumindest diese Form machbar sei. Das Klassik-Open-Air, ist er optimistisch, lasse sich in reduzierter Form anbieten. Und für ein Musical überlegt Arnold, das Zelt zum Teil zu öffnen, in eine Art Teil-Freiluft-Spielfläche zu verwandeln – etwa mit offenen Seitenwänden. Natürlich müsse auch die Zuschauerzahl runter. Von rund 1000 pro Vorstellung auf vielleicht 400. Dass er dann auch bei den Produktionskosten knausern muss, sei auch klar. „Aber wir werden nächstes Jahr spielen – völlig egal wie“, sagt Joachim Arnold, „nur eines werde ich nicht: aufgeben.“