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Open-Air des Staaatsorchesters in Völklingen wegen Regen abgebrochen

Staatstheater & Völklinger Weltkulturerbe : Der Nachmittag, als der Regen kam

Für eine Verdi-Ouvertüre reichte es gerade noch, dann aber fiel das Open-Air des Staatsorchesters im Völklinger Weltkulturerbe ins Wasser.

Erst eine, dann zwei, dann drei – so kommen Generalmusikdirektor Sébastien Rouland peu à peu immer mehr Geigen abhanden. Weil Musikerinnen ihre teuren Instrumente wegpacken. Wegpacken müssen, um sie vor dem Regen zu schützen. Dann aber zeigt auch Konzertmeister Wolfgang Mertes unmissverständlich mit beiden Händen: Aus! Noch mehr Nässe auf das kostbare Holz der Violinen, Celli, Kontrabässe – und der Schaden wäre immens. Nicht wieder gutzumachen.

Immerhin für eine Verdi-Ouvertüre reicht es gerade noch so  auf dem Erzplatz des Völklinger Weltkulturerbes. Wenigstens wieder mal eine Ahnung des während  des monatelangen  Corona-Lockdowns so  schmerzlich vermissten großen Live-Konzertklangs. Hier im Freien, in der spektakulären Kulisse der Alten Hütte, wäre er möglich gewesen – Konzertierende und Zuhörer in gebührendem Abstand, versteht sich. Dann aber muss das Staatsorchester abbrechen. Der Chor des Staatstheaters harrt sogar völlig vergebens auf der Galerie über dem Erzplatz aus. Verdis „Va pensiero“, der kühnste und mächtigste Gedankenflug nach Worten und Noten,  hebt an diesem Sonntagnachmittag einfach nicht ab, fällt ins Wasser.

Aber auch nicht zu ändern, weil das Wetter beim Gastspiel des Saarländischen Staatstheaters, mit dem die Bühne ihre neue Saison einläuten will, Lotto spielt. Punkt 16 Uhr soll es losgehen. Doch schon nach den hastigen Begrüßungsworten  von Intendant Bodo Busse und Welterbe-Chef Ralf Beil kommt der erste Guss. Busse hofft aber noch, studiert diverse Wetter-Apps. Und nach einer halben Stunde zieht man tatsächlich die Plastiktüten wieder von den Pulten, holt Noten und Instrumente hervor. Und die nicht ganz 600 Besucher wärmen sich mit dem Trockenwischen ihre Stühle auf. Doch die Freude Roulands und seiner Musiker, nach der viralen Zwangspause wieder spielen zu dürfen, währt nur kurz.

Regenzuflucht unter altem Eisen: Staatsorchester-Musiker in der Völklinger Hütte. Foto: Oliver Dietze

„Wir haben wirklich alles versucht“, sagt Theaterchef Busse entschuldigend – und ist vielleicht sogar enttäuschter als das Publikum. „Es hätte sehr schön werden können“, meint denn eine Zuschauerin, „aber Open Air ist eben immer ein Glücksspiel und nächste Woche geht es ja wieder im Theater los“.  Stimmt. Und dann auch garantiert wieder mit einem Dach überm Kopf.