1. Saarland

Preußens Förster und ihr grünes Nachleben

Preußens Förster und ihr grünes Nachleben

Karlsbrunn. Am Anfang steht Geschichte. Zuerst ein brandneues historisches Datum: Das Jagdschloss in Karlsbrunn wurde schon 1769 errichtet, Untersuchungen der Dachbalken haben es gezeigt. "Der Fürst hatte also 14 Jahre länger sein Jagdvergnügen, als wir bisher wussten", sagt Hubertus Lehnhausen, Leiter der Saarforst-Abteilung Immobilien. Er hat die Rolle des Wanderführers inne

Karlsbrunn. Am Anfang steht Geschichte. Zuerst ein brandneues historisches Datum: Das Jagdschloss in Karlsbrunn wurde schon 1769 errichtet, Untersuchungen der Dachbalken haben es gezeigt. "Der Fürst hatte also 14 Jahre länger sein Jagdvergnügen, als wir bisher wussten", sagt Hubertus Lehnhausen, Leiter der Saarforst-Abteilung Immobilien. Er hat die Rolle des Wanderführers inne. Und erklärt rasch mehr Historisches, ehe die Wanderer losstapfen: Die Geweihe am Tor sind preußische Symbole. Der Zehn-Ender bezeichnet eine Revierförsterei, der Vierzehn-Ender eine Oberförsterei - Karlsbrunn war Regierungssitz im Wald. Tradition, die bis heute nachwirkt. Für die Identität der Region. Und ganz handfest für Waldbild und Waldwirtschaft: Bäume, die jetzt geerntet werden, haben preußische Förster vor 100, 150 Jahren gesetzt oder als Sämlinge gepflegt. Im Dauerkonflikt zwischen Jagd und Forst - davon berichtet Lehnhausen auf dem neuen Premium-Wanderweg, der am Wildgehege entlangführt: Je höher der (Reh-)Wildbestand, desto größer Fraß- und Verbissschäden an Bäumen. Was sich zugespitzt hat, denn die natürlichen Feinde der Rehe, Luchs, Wolf und Bär, sind verschwunden; der von Straßen zerschnittene Wald bietet ihnen nicht mehr die großen Reviere, die sie brauchen. Auch dem Rotwild nicht, dem der Fürst noch nachstellte. "Sollen wir mal abkürzen?" Eine steile Böschung hinab, gegenüber rauf, neuer Weg, neuer Blickwinkel: Fichten, zu Preußenzeiten wegen ihres raschen Wuchses gerne gepflanzt. Doch keine Spur von dunklem Tann: Vor knapp 20 Jahren haben die Orkane Vivian und Wiebke aufgeräumt mit den flach wurzelnden Fichten. Der Schaden, sagt Lehnhausen, hielt sich aber in Grenzen, da im Warndt von Natur aus Laubbäume dominieren, vor allem Buchen. Mit Laubbäumen, naturnah also, wurden die Lücken denn auch gefüllt - erfolgreich, die Orkan-Schäden sind überwachsen. Die verbliebenen Fichten haben schüttere Kronen: Schadstoffe in Luft und Regen setzen ihnen zu, der versauerte Boden ernährt sie schlecht. Um Abhilfe zu schaffen, wurde im vorigen Jahr der Waldboden gekalkt. Nur halte das nicht lange vor, sagt Lehnhausen: "Im Grunde müsste man in vier, fünf Jahren neu kalken." Oder, besser, aufhören, Schadstoffe in die Luft zu pusten, sofort, global.Ökologisches kehrt in allen Wanderpausen wieder. Mehr als die Hälfte aller Rote-Liste-Arten hierzulande, sagt Lehnhausen, lebt im Wald, speziell im aufwachsenden und absterbenden. Es gilt, Biotope für die vielfältigen Waldbewohner zu erhalten. Naturnahe Forstwirtschaft, im Dienst der Ökonomie begonnen, hilft dabei. Keine Kahlschläge mehr. Und kein Aufräumen im Wald, tote Äste und Stubben bleiben einfach an ihrem Ort. Lehnhausen weist auf einen morschen Stamm, von Spechten zerpickt, von Riesen-Pilzen besiedelt: "Stehendes Totholz, das ist das Allerbeste; solche ökologischen Nischen brauchen wir." "Stehendes Totholz, das ist das Allerbeste; solche ökologischen Nischen brauchen wir." Hubertus Lehnhausen, Saarforst

Auf einen BlickDie Wanderung zum Thema Waldwirtschaft gehört zum Veranstaltungsprogramm 2009 im Forstgarten Karlsbrunn, das der Saarforst-Landesbetrieb, die Gemeinde Großrosseln und der Regionalverband Saarbrücken gemeinsam initiiert haben.Am Freitag, 7. August, 17 Uhr, wird sie wiederholt unter Leitung von Forstdirektor Dr. Hubertus Lehnhausen. Um Exoten-Bäume rund um Karlsbrunn geht es am Freitag, 18. September, 17 Uhr, bei einer weiteren Wanderung mit Förster Christoph Kiefer: "Giganten der Neuen Welt in unserem Warndtwald". Treffpunkt ist jeweils am Garten-Eingang, festes Schuhwerk ist ratsam. Musik ist am kommenden Freitag, 17. Juli, 19.30 Uhr, im Karlsbrunner Forstgarten zu hören: Die Seldom Sober Company spielt Irish Folk. dd