Ein Denkmal gegen das Vergessen

Führung über den jüdischen Friedhof offenbarte ein Stück der dunklen Stadtgeschichte von Ottweiler.

Die beiden Ottweiler Historiker Hans-Joachim Hoffmann und Klaus Burr haben eine Gruppe Interessierter über den jüdischen Friedhof geführt und anhand der Gedenkstätte die Bedeutung der jüdischen Tradition für Ottweiler dargelegt. Das teilt die Stadtpressestelle mit. Diese Tradition fand durch die Verfolgung, Tötung oder Flucht der kulturellen und religiösen Minderheit durch die Nationalsozialisten ihr Ende. Dauerhaft kehrten keine jüdischen Bürger mehr in ihre Heimat zurück.

Das Interesse an der Veranstaltung war rege, was die Fragen der Zuhörer zeigten. "Bleibt zu hoffen, dass neben den auswärtigen Besuchern zukünftig auch Bürger aus Ottweiler hinzukommen", meinte Hoffmann. Führungen sind auf Anfrage möglich. Die Führungen über den jüdischen Friedhof Ottweiler erfolgen in Kooperation mit der Kreisvolkshochschule (KVHS) Neunkirchen.

Während die bewährten Stadtführungen, gestaltet von historischen Persönlichkeiten mit entsprechender Gewandung vorwiegend die Glanzzeiten der historischen Entwicklung Ottweilers aufzeigen, erinnern die Führungen über das "unbequeme Denkmal des jüdischen Friedhofs" an eine dunkle Seite der Stadtgeschichte, nämlich an das Werden und die gewaltsame Auslöschung des jüdischen Lebens. Die Referenten stellen jedoch nicht den letzten Aspekt in den Mittelpunkt ihrer Erläuterungen, sondern sie bemühen sich vielmehr darum, einerseits die untergegangene Kultur des Judentums, zwar eingegrenzt auf den jüdischen Totenkult und die Grabkultur, andererseits den positiven Beitrag der jüdischen Gemeinde Ottweiler während der Dauer ihres Bestehens zu vermitteln.

Erfreut zeigten sich die Initiatoren der Friedhofsführungen, dass abermals ein Gast aus Israel einen Deutschlandaufenthalt nutzte, um von Offenbach aus einen Abstecher zum Grab seiner Urgroßeltern auf dem jüdischen Friedhof Ottweiler zu machen: Gil Michels besuchte Ottweiler und sah seinen Besuch auch als Anerkennung für das Bemühen der Stadt Ottweiler, ihre Geschichte nicht zu vergessen.

Für die Aufarbeitung der Zeit des Dritten Reichs und zur Erinnerung an die letzten jüdischen Bewohner Ottweilers verfasste Hans-Joachim Hoffmann die Dokumentation "Seid vorsichtig mit der Obrigkeit...! Beitrag zur Erinnerungskultur und Geschichte Ottweilers". Dieses 405 Seiten umfassende Buch (ISBN 978-3-946313-01-4) kann für 19,80 Euro erworben werden bei: Archäologie - Büro & Verlag - Glansdorp, Kantstraße 32, Tholey, Hans-Joachim Hoffmann, Adolf-Kolping-Weg 7, Ottweiler, Tel. (0 68 24) 79 90; Sparkasse Neunkirchen, Filiale Wilhelm-Heinrich-Straße, Ottweiler; Presse-Shop Ottweiler, Inhaberin Hannelore Henn, Wilhelm-Heinrich-Straße 13, Ottweiler.