Das unbequeme Denkmal erinnert

Die Kreisvolkshochschule Neunkirchen bietet dieses Jahr fünf Führungen über den jüdischen Friedhof Ottweiler an. Die Entstehung und Entfaltung der jüdischen Gemeinde Ottweiler sind dabei zentrales Thema.

. Am "Tag des offenen Denkmals" 2013 fand auf Anregung von Klaus Burr zum ersten Mal in Zusammenarbeit mit dem Landesdenkmalamt Saarbrücken eine Führung über den Jüdischen Friedhof Ottweiler statt (wir berichteten). Diese große Resonanz veranlasste Klaus Burr gemeinsam mit Hans-Joachim Hoffmann auch 2014 und 2015 Führungen über das ansonsten geschlossene Gelände anzubieten. Für Samstag, 14. Mai, 15 Uhr, wird die erste von insgeamt fünf Führungen in diesem Jahr angeboten. Hans Jürgen Schäfer, den Leiter der Kreisvolkshochschule (KVHS) Neunkirchen hat die Führungen in das KVHS-Programm aufgenommen. Mit dem jüdischen Friedhof verfügt Ottweiler über ein unbequemes Denkmal, denn es erinnert an eine dunkle Seite der Stadtgeschichte. Die Geschichte der ehemaligen jüdische Gemeinde Ottweiler nahm ihren Anfang um die Wende 18./19. Jahrhundert und endete am 22. Oktober 1940 mit der Deportation der letzten jüdischen Bürger des Ortes im Zuge der Aktion Bürckel nach Gurs und von dort in die Vernichtungslager des Ostens.

Der Friedhof ist die einzige Erinnerungsstätte, die das Zusammenleben jüdischer Bürger mit Angehörigen anderer Konfessionen in Ottweiler in das Bewusstsein zu rufen vermag. In den Mittelpunkt der Führungen stellen die Referenten die Entstehung und Entfaltung der jüdischen Gemeinde Ottweiler , aber auch ihre Vernichtung durch den Nationalsozialismus. Dabei betonen sie die Bedeutung des jüdischen Friedhofs als historische Quelle: Die Grabmale bieten die Möglichkeit, über die Familiengeschichte das Leben der jüdischen Gemeinde Ottweiler zumindest ansatzweise zu rekonstruieren. Erläuterungen zu Grabinschriften und den Symbolen auf den Grabsteinen ergänzen die Ausführungen. Die Führungen verstehen sich zugleich als Mosaikstein im Rahmen der Umsetzung der "Aktion Stolpersteine" in Ottweiler , durch die an die verfolgten, deportierten und ermordeten jüdischen Bewohner, aber auch an politisch Verfolgte und Euthanasie-Opfer aus Ottweiler erinnert werden soll.

Am Mittwoch, 7. September, findet mit der Verlegung von "Stolpersteinen" für Mitglieder der jüdischen Familien Marx-Salomon und Hermann in der Tensch, auf dem Schlossplatz und in der Schlossstraße dieser Teil der Erinnerungsarbeit ihren Abschluss. Zur Aufarbeitung der NS-Zeit und zur Erinnerung an die letzten jüdischen Bewohner Ottweilers verfasste Hans-Joachim Hoffmann die Dokumentation "Seid vorsichtig mit der Obrigkeit...!" Beitrag zur Erinnerungskultur und Lokalgeschichte Ottweilers. Dieses 405 Seiten umfassende Buch (ISBN 978-3-946313-01-4) kann zum Preis von 19,80 Euro erworben werden unter anderem bei der Sparkasse Neunkirchen, Filiale Wilhelm-Heinrich- Straße. Weitere Führungen sind am Sonntag, 12. Juni, 17 Uhr; Sonntag, 10. Juli, 17 Uhr; Sonntag, 11. September, 17 Uhr, und Samstag, 8. Oktober, 15 Uhr. Treffpunkt ist jeweils am Aufgang zum Friedhof in der Straße Maria-Juchacz-Ring (etwa 80 Meter hinter der Abzweigung Karl-Marx-Straße).

Die Führung dauert etwa eine Stunde. Interessierte Gruppen oder Personen können auch außerhalb dieser Termine Führungen anfragen; sie sind grundsätzlich kostenlos, die Referenten erbitten eine Spende für die weitere Umsetzung der "Aktion Stolpersteine". Eine Anmeldung zur Führung am Sonntag, 14. Mai, 15 Uhr, ist nicht erforderlich.