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| 20:42 Uhr

Warnstreik der Metaller
„Wetter fürchterlich, Stimmung gut“

Die Metaller sperrten und blockierten alle vier Eingänge und Zufahrten zum ZF Werk in Wellesweiler.
Die Metaller sperrten und blockierten alle vier Eingänge und Zufahrten zum ZF Werk in Wellesweiler. FOTO: Jörg Jacobi
Wellesweiler. Von Mittwoch bis Donnerstag wird bei der ZF Friedrichshafen AG, Werk 5, in Neunkirchen, 24 Stunden gestreikt. Von Anja Kernig

Ja ist denn schon Fastnacht? Mit Saxophonen, Posaunen, Tuba, Trompete und Trommeln gab es am Mittwochmorgen gegen 9 Uhr von der Saarbrücker Bayou Street Beat & Brass Band ordentlich was auf die Ohren im Festzelt am Berthold-Günther-Platz. Egal, wach wären die meisten der Anwesenden wohl auch so gewesen. Ihre Frühschicht beginnt um 5.45 Uhr. Dort, wo sie sonst im Akkord am Band arbeiten, läuft im Moment nur die Notbeleuchtung. Keine Menschenseele ist im Werk 5 der ZF Friedrichshafen AG unterwegs.

Dafür stehen sich draußen an den fünf Toren mindestens 60 Frauen und Männer die Beine in den Bauch. Feuer brennen in großen Metallschalen, von Pkws zum Zaun gespannte Planen sollen den Dauerregen wenigstens ein wenig bannen. Relativ trocken haben es nur Elke Trauden und ihre Kollegen am Haupteingang, der überdacht ist. „Wir lassen niemanden rein“, betont die Gewerkschafterin. Es ist ein ruhiges Geschäft. Früh bei der ersten der jeweils dreistündigen Streikposten-Schicht habe es ein paar Arbeitswillige gegeben, die sich aber fix zum Verzicht überreden und zum Zelt chauffieren ließen. Die Abwägung zwischen einem kompletten Tageslohn plus Zuschlägen und einer potentiellen Tariferhöhung um 6 Prozent plus der Möglichkeit, die Wochenarbeitszeit im Bedarf von 35 auf 28 Stunden verkürzen zu können, scheint keinem wirklich schwer zu fallen.

„Einen Tag kann man das schon mal“, nickt Mike Schaabi. Der Warn-Streik sei gut organisiert, „es wird ständig frischer Kaffee gebracht“, lacht Elke Trauden. Man fühlt sich hier als Teil der Solidargemeinschaft. Kneifen gilt nicht.

In 600 Meter Luftlinie riecht es nach Bockwurst. Ein knappes Dutzend Thermoskannen wird immer wieder befüllt. Unmengen Umzugskisten liegen bereit zum Beschriften, die ersten schmücken schon Parolen wie „Mehr Zeit für Liebe“ oder „Eltern: Auch für Arbeiterkinder!“ oder philosophisches a la „Wem gehört die Zeit?“ - heute ganz klar der Gewerkschaft. Und die hat richtig gute Laune, allen voran Jörg Caspar und Simon Geib, 1. und 2. Bevollmächtigter der IG Metall Neunkirchen. „Wir haben 100 Prozent Streikbeteiligung“, strahlt Geib. Na gut, die Witterung spielt nicht mit. Dafür sprachen sich beim Mitgliedervotum am Montag 95 Prozent für den 24 Stunden-Warnstreik aus – „ein überwältigendes Votum“, zeigt sich Caspar bei der Pressekonferenz um 12 Uhr mehr als zufrieden.

Inzwischen sei man „nicht mehr taufrisch“, Startschuss am Morgen war bereits 4 Uhr gewesen. Trotzdem: „Die Stimmung ist gut.“ Wäre nur nicht dieser „fürchterliche“ Regen. Um die Gesundheit der Kollegen und damit letztlich auch den Wiedereinstieg ins geregelte Arbeitsleben am Folgetag nicht zu gefährden, habe man kurzerhand die geplante Demonstration abgeblasen.

„Wir sind gespannt, ob sich die Arbeitgeber bewegen.“ Falls nicht, wird eben wieder gestreikt. Aber das entscheide der Vorstand. „Bestimmte Sachen sind wir schon am Vorbereiten“, bestätigt Caspar. „Die Feuerwehr übt ja auch nicht erst, wenn’s brennt.“ Als Rennererwiesen sich übrigens Polaroids aus dem Selfie-Automaten. Geib: „So ein Andenken nimmt jeder gern mit.“

Der Demonstrationszug der IG Metall in Wellesweiler fiel dem Regen gestern Morgen zum Opfer. Demonstriert wurde dennoch.
Der Demonstrationszug der IG Metall in Wellesweiler fiel dem Regen gestern Morgen zum Opfer. Demonstriert wurde dennoch. FOTO: Jörg Jacobi