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Neujahrskonzert
Eine zauberhafte Reise durch die Musik

Dirigent Steven Lloyd Gonzales dirigierte die neue Philharmonie Frankfurt beim Neujahrskonzert in der Neunkircher Neuen Gebläsehalle.
Dirigent Steven Lloyd Gonzales dirigierte die neue Philharmonie Frankfurt beim Neujahrskonzert in der Neunkircher Neuen Gebläsehalle. FOTO: Jörg Jacobi
Neunkirchen. Das Neujahrskonzert der Neunkircher Kulturgesellschaft war ein phänomenaler Auftakt ins Jahr. Von Elke Jacobi

Musik ist von allen Künsten nicht nur die, die den meisten Menschen Bewunderung abverlangt, es ist auch die, die den Menschen am meisten zu erfüllen vermag. Das gilt im Allgemeinen, das gilt aber in ganz besonderem Maße für das, was das Neujahrskonzert der Neunkircher Kulturgesellschaft mit den Menschen gemacht hat. Bereits seit Jahren eröffnet das Neujahrskonzert die Abo-Reihe und - neben der Tanzgala - das Kulturjahr in der Gebläsehalle. In diesem Jahr war wieder die neue Philharmonie Frankfurt zu Gast - und ließ die Besucher regelrecht verzaubert zurück.


Auf Wunsch der Gäste hatte man nicht nur wieder die Neue Philharmonie Frankfurt eingeladen, sondern zusammen mit den Musikern auch Moderator Philipp Ziegler zurückgefordert. Der führte in gewohnt launiger Manier durchs Programm, das seinen Titel „1001 Nacht“ so ganz zu recht verdiente. Es war mal ein ganz anderes Programm, voller Märchenromatnik und orietnalischem Zauber. Klar, dass da Wolfgang Amadeus Mozarts „Entführung aus dem Serail“ am Anfang stehen musste. Wer sich da noch fragte, wo denn nun die zum Orchester gehörende Harfe denn wohl an diesem Abend war, der wurde beim zweiten Stück schnell zufriedengestellt. Harfinistin Alexandra Heyn, fürs Solo auch in entzückendem Outfit, präsentierte Camille Saint-Säens „Morceau de Concert“ für Harfe und Orchester. Die berühmte Stecknadel hätte man fallen gehört, während Heyn dem Saiteninstrument engelsgleiche Töne entlockte. Ein wunderbares Solo für eine tolle Künstlerin. Bei der einen sollte es nicht bleiben. Mit der Mezzosopranistin Judith Berning hatte sich das Orchester eine nicht nur charmante, sondern auch auf die angenehmste Art stimmgewaltige Sängerin zur Seite geholt. „Mon Coeur“ aus „Samson et Dalilah“ von Saint-Säens, „Die Liebe kam vom Märchenland“ von Paul Lincke ließ die Zuschauer ins Schwärmen geraten. Spätestens als Berning dann im zweiten Teil Lehars „Lippen schweigen“ aus „Die lustige Witwe“ und Robert Stolz’ „Du sollst der Kaiser meiner Seele sein“ aus „Der Favorit“ gesungen hatte, hatte sie die Menschen im Saale ganz für sich gewonnen. Die wollten sie denn auch am liebsten gar nicht wieder von der Bühne lassen. Was im Übrigen für die gesamte Philharmonie galt. Bis zur Pause hatte die nämlich nicht nur „Auf einem persischen Markt“ (Albert Ketelby) verweilt und „Märchen aus dem Orient-Walzer“ (Johann Strauss) getanzt, sondern noch etwas ganz Besonderes präsentiert. Johan Williams „Harry Potter’s Wondrous World“ sorgte dafür, dass auch den jüngeren Besuchern das Herz auf und wieder zuging.

Zu den wunderbaren Klängen unter dem lässig-souveränen Dirigat von Steven Lloyd Gonzàlez träumten sich die Besucher dann auch nach Hogwarts, sahen Eule Hedwig fliegen und überhaupt die ganze Zaubergemeinschaft, allen voran Harry Potter und seine Freunde Ron und Hermine auf Abenteuertour. Ein wunderbarer Programmpunkt, grandios interpretiert. Das Orchester widmete sich im  zweiten Teil - zuzüglich der Stücke mit Berning zusammen - Mozarts „Alla Turca“, Johann Strauss’ „Intermezzo aus 1001 Nacht“, Tschaikowskys Ausschnitten aus „Der Nussknacker“, bis kam, was beim Neujahrskonzert kommen musste  – sei es auch ansonsten noch so besonders von der Programmzusammenstellung: „An der schönen blauen Donau“ von Johann Strauss.



Und natürlich darf sich auch dann ein Neujahrskonzert noch nicht so nennen, wenn es nicht noch eine Aufgabe erfüllt: Den Radetzky-Marsch als Zugabe, wunderbar dirigiert und so einvernehmlich publikumsgeklatscht, als hätten sie alle schon jahrelange Wiener-Neujahrskonzert-Erfahrung. Erfüllender kann ein Konzert-Abend nicht sein.