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Fundsachen
Was Hoteliers nach der Abreise finden

Hermann Wögerbauer, Chef der Hostellerie Bacher, mit Utensilien, die Gäste nach ihrer Übernachtung in Kohlhof vergessen haben.
Hermann Wögerbauer, Chef der Hostellerie Bacher, mit Utensilien, die Gäste nach ihrer Übernachtung in Kohlhof vergessen haben. FOTO: Jörg Jacobi
Kreis Neunkirchen. Mit dem Aufbewahren und Nachsenden halten es Betriebe im Kreis Neunkirchen unterschiedlich. Von Anja Kernig

Vergesslichkeit wird ja oft am Alter festgemacht. Anders liegt der Fall nur bei Hotelgästen. Da wird alters- und geschlechtsübergreifend liegen gelassen. Auch in der Hostellerie Bacher-Wögerbauer auf dem Neunkircher Kohlhof? „In letzter Zeit passiert das immer öfter“, kann man Chef Hermann Wögerbauer fast durchs Telefon abwinken sehen. „Die jungen Leute vergessen zu viel.“ In den 17 Gästezimmern und der Junior-Suite im Haupt- und Gästehaus hat sich eine halbe Wäschekammer voller Fundstücke angesammelt, unter anderem „eine Wanne und eine Kiste voller Dinge“. Jedes Teil wird mit Zimmernummer, Name und Datum versehen – und, bei einem entsprechenden Wert und wenn der Eigentümer das möchte, an dessen Heimatadresse geschickt. Zahnbürsten und Duschshampoos also eher nicht, wohl aber „Uhren, Kugelschreiber oder den Schlafanzug, den die Frau geschenkt hat“.


Laut Gesetzeslage müssen Fundgegenstände ein halbes Jahr aufbewahrt werden. So wird es auch im Holiday Inn Neunkirchen, mit 160 Betten mit Abstand das größte Hotel im Landkreis, gehandhabt. Was dann nicht abgeholt ist, entsorge man, lautet die telefonische Auskunft. Kulanter ist man im Spieser Nassenwald. „Wir halten Fundsachen ein Jahr vor“, informiert Anne Luxa, verantwortlich für Verkauf und Marketing im Centrum für Freizeit und Kommunikation der Lebenshilfe (CFK). Der absolute Standard seien Handy-Kabel, „allein damit könnten wir einen kleinen Handel aufmachen“. Das seltsamste und oder kurioseste „Liegenbleibsel“ war „ein komplettes Gebiss. Das haben wir ganz schnell nachgeschickt“. Mengenmäßig kommt bei 13 Betten jetzt nicht so viel zusammen: „Das passt in eine Pappschachtel, die in einem abschließbaren Schrank“ verwahrt wird.

Woran sich Anne Luxa noch gut erinnern kann: „Einmal hat ein kleiner Junge seinen Kuschelaffen verloren. Den haben wir natürlich so schnell wie möglich an seinen traurigen Besitzer gesandt.“ Bei Lieblingskuscheltieren besteht selbstverständlich eine besondere Priorität. Prinzipiell informiere man die abgereisten Gäste aus Datenschutzgründen nicht über den Fund in ihrem Zimmer, sondern wartet, bis sich jemand von selbst meldet. Diskretion ist im CFK-Tagungshotel also auch bei Fundsachen gegeben. Man denke nur an den in der Schublade vergessenen Ehering, der schnell eine Lawine ins Rollen bringen kann.



Ja und nein – diese Information kommt von Tanja George, Servicekraft im Landhotel Finkenrech bei Dirmingen. Verloren wird tatsächlich immer wieder mal was. Allerdings nicht im Hotel, sondern draußen. „Wir haben ja einen großen Garten“, da findet sich schon mal ein Schlüssel in der Hecke oder ähnliches. Dinge dieser Art werden „oft an der Rezeption abgegeben. Die meisten Besitzer melden sich ganz schnell“. Etwa einmal im Monat kommt das vor. Auf den neun Doppel- und zwei Einzelzimmern bleibt dagegen gar nichts zurück. „Den Fall habe ich noch nie gehabt“, erzählt Tanja George, die seit August im Landhotel arbeitet. Nein, stimmt nicht ganz, einmal blieb ein Schlafanzug zurück. „Aber der wurde gleich wieder abgeholt“.

Etwas anders liegt der Fall in Fürth. Ob häufig etwas liegen gelassen wird, diese Frage stellen wir auch im Landgasthaus Wern’s Mühle. „Doch, schon“, erklärt Teresia Keller, Mitinhaberin des über 18 Betten verfügenden, idyllisch an der Oster liegenden Fürther Betriebs. Was genau denn zum Beispiel? „Das wollen sie gar nicht wissen“, lacht die Gastronomin. „Unterwäsche, Handys, Ladekabel“, alles Mögliche halt. Wenn ein telefonischer oder ein Internet-Kontakt hinterlegt ist, informiert man die Eigentümer. „Aber bei Wäsche machen wir gar keinen Terz.“ Anders liegt die Sache etwa bei Jacken, „wer Glück hat, ist noch in der Nähe und holt seine Sachen persönlich ab.“ Da es oft Geschäftsreisende sind, die in Fürth nächtigen, funktioniert das recht gut. Sonst muss halt die Post ran. „Da kommt oft nicht mal ein Dankeschön.“ Aber „das ist normal heute“, sagt Teresia Keller. „Wir versuchen ja gern, alles zusammenzuführen.“ Zum Glück sei noch nie „etwas Schlimmes“ vergessen worden wie „Kinder, Hunde - oder Geldkoffer“.