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Ein Feuerwehr-Oldie kehrt in seine alte Heimat zurück

Ein Feuerwehr-Oldie kehrt in seine alte Heimat zurück

An alter Wirkungsstätte war im Rahmen des Feuerwehrfestes in Wiebelskirchen noch einmal ein Citroën der Werksfeuerwehr des Neunkircher Eisenwerkes zu Besuch (wir berichteten). Die Mitglieder des Feuerwehr-Oldtimer-Vereins Hard in Österreich, dem das Fahrzeug jetzt gehört, machten auch einen kleinen Abstecher an die alte Wirkungsstätte. Der Pressesprecher der Feuerwehr Neunkirchen, Christopher Benkert, hat das zum Anlass genommen, Informationen rund um das Fahrzeug zusammenzustellen.

. Im teilsouveränen Saarland der 1940er und 1950er Jahre wurden sehr häufig Feuerwehrfahrzeuge auf französische Fahrgestelle aufgebaut. Das lag an den hohen Einfuhrzöllen, die das Protektorat Frankreich auf Lkw-Fahrgestelle aus dem Ausland, also auch aus Deutschland, erhob. Je nach Größe des Feuerwehrfahrzeuges wurde es danach entweder im Saarland selbst oder in Deutschland aufgebaut. Für die Aufbauten fielen wohl keine Zölle mehr an. Gerade größere Feuerwehrfahrzeuge wurden in Deutschland von den damaligen Branchengrößen Metz (Karlsruhe) oder Magirus (Ulm) aufgebaut. Die kleineren Fahrzeuge bekamen hingegen meist im Saarland ihren Aufbau von Schreinern oder Karosseriebauern. Relativ bekannt wurden damals beispielsweise die Firmen Jacob und Sohn aus Saarbrücken oder Mader aus Neunkirchen .

Der in der kurzen französischen Zeit bis 1956 wohl am häufigsten beschaffte Fahrzeugtyp war das so genannte Löschgruppenfahrzeug 8 mit Tragkraftspritze, kurz LF 8-TS, auf dem kleinen Citroën 9CV. Alleine Jacob und Sohn aus Saarbrücken hat wohl rund 20 dieser Fahrzeuge aufgebaut. Das LF 8-TS auf Citroën 9CV bot in seiner Kabine der namensgebenden Löschgruppe, bestehend aus neun Feuerwehrangehörigen, Platz. Eine vom Fahrzeugmotor angetriebene Pumpe hatten die kleinen Fahrzeuge nicht, stattdessen war im Aufbau eine tragbare Pumpe, eine so genannte Tragkraftspritze, mit einer Förderleistung von 800 l/min bei 8 bar eingeschoben. Zur weiteren Beladung zählten vor allem Schläuche und Armaturen wie Strahlrohre sowie eine tragbare Feuerwehrleiter auf dem Dach.

Immer wieder steht bei diesen Fahrzeugen die Vermutung im Raum, dass es sich um eine zentrale Beschaffung der saarländischen Regierung gehandelt hätte. Sicher geklärt ist das für die LF 8-TS auf Citroën 9CV aber nicht.

Noch zwei Exemplare im Saarland

Vielleicht gab es auch nur deshalb so viele gleiche Fahrzeuge auf diesem Fahrgestell, weil es das einzige geeignete Fahrgestell für diesen Zweck aus Frankreich war. Von diesem Fahrzeugtyp sind bis heute fünf bis zehn Exemplare erhalten geblieben, davon stehen zwei im Saarland selbst bei den Feuerwehren in Perl-Borg und Homburg-Einöd.

Die Werksfeuerwehr des Neunkircher Eisenwerkes beschaffte als erstes Einsatzfahrzeug nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 1952 eines der oben beschriebenen LF 8-TS auf Citroën 9CV. Zu dieser Zeit hatte das Eisenwerk seinen Betrieb auf Grund der Kriegsschäden noch nicht wieder vollständig aufgenommen. Nur wenige Anlagenteile waren im Betrieb. Die vollständige Wiederinbetriebnahme des Werkes erfolgte erst 1954. Es gibt Quellen, die daher nahelegen, dass das Fahrzeug von 1952 bis 1954 durch die freiwillige Feuerwehr genutzt und vielleicht sogar durch diese angeschafft wurde und erst mit der Wiederinbetriebnahme des Werkes 1954 an die Werkfeuerwehr ging. Dabei könnte es sich theoretisch aber auch nur um eine Verwechslung handeln, denn seit den 1920er Jahren bis nach dem Zweiten Weltkrieg war die Werkfeuerwehr Neunkircher Eisenwerk einer kommunalen freiwilligen Feuerwehr gleichgestellt und bestand auch nur aus Freiwilligen. Auch die Fahrzeuge waren entsprechend mit "Freiwilliger Feuerwehr" beschriftet und kamen wohl mehr oder minder im gesamten Stadtgebiet zum Einsatz. Vielleicht wurde der Citroën auch schon von 1952 bis 1954 durch die Werkfeuerwehr genutzt, kam aber vor allem in der Stadt zum Einsatz, weil der Betrieb im Werk ja noch weitgehend ruhte. Der Citroën blieb anschließend auf jeden Fall bis 1964 bei der Werkfeuerwehr Neunkircher Eisenwerk und wurde danach ins Nebenwerk Homburg abgegeben. Dort wurde der Citroën dann 1968 endgültig ausgesondert. Was danach mit ihm geschah, ist unbekannt. Erst 2003 tauchte er dann beim Feuerwehr-Oldtimer-Verein Hard in Österreich wieder auf. Der Verein restaurierte binnen zwei Jahren das Fahrzeug und stellt es in seinem kleinen Museum sowie auf Oldtimertreffen aus.

Fahrt auf Tieflader



Dass dieser Oldie nochmal seinen Weg nach Neunkirchen fand, ist eine absolute Besonderheit, meint Feuerwehr-Pressesprecher Christopher Benkert, liegen zwischen Hard und Neunkirchen doch über 400 Kilometer.

Eine ganz schön stattliche Strecke für ein fast 65 Jahre altes Auto mit nur 50 PS und ohne jeglichen Komfort. Wobei der Transport nach Neunkirchen zumindest auf einem Tieflader bewältigt wurde.

bos-fahrzeuge.info/

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