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Auf der Jagd nach Müll

Kreis Neunkirchen. Überall im Kreis beteiligten sich am Freitag und Samstag Vereine, Parteien, Schulen, Kindergärten, andere Organisationen und auch Einzelpersonen am großen Picobello-Frühlings-Reinemachen. Anika Meyer

"Mülle Grazie" bedankt sich so mancher Mülleimer in Spiesen-Elversberg ab jetzt bei Passanten, die ihn "füttern". "Ihre Papiere, bitte" oder "Dreggsagg" steht auf anderen zu lesen. Bürgermeister Reiner Pirrung klebte am Samstagmorgen sorgfältig die flotten Sprüche auf Mülleimer, die er und Ordnungsamtsleiter Wolfgang Kampa dann auf dem Rathausvorplatz aufhängten. "Wir wollen das Bewusstsein für Sauberkeit stärken. Damit alles dorthin kommt, wo es hin gehört", erklärte Pirrung. "Für ein sauberhaftes Spiesen-Elversberg" hat die Gemeinde eine Schmutzkampagne gestartet (wir haben berichtet). Das findet Piccolo super. Das grasgrüne Frosch-Maskottchen des Entsorgungs-Verbandes Saar (EVS) weihte daher persönlich die Eimer mit einer Bananenschale und Reklameblättern ein. Auch, weil die Gemeinde damit Picobello den Rücken stärkt. Bei dieser vom EVS in Zusammenarbeit mit den Städten und Gemeinden durchgeführten Aktion befreiten am Wochenende freiwillige Helfer Straßen und Natur von Müll.

Das mit der Unterstützung hat in Spiesen-Elversberg schon geklappt: "Letztes Jahr hatten wir 70 angemeldete Teilnehmer, dieses Jahr über 200", berichtet Joachim Müller vom Ordnungsamt. Und man habe den Eindruck, die Vermüllung sei etwas rückläufig. Manch anderer Reinemacher teilte auch den Eindruck der Rückläufigkeit, so in Heinitz. Hier war man im Park am Stollenmundloch schnell fertig mit Auflesen. Etwas anderes konnte man aber noch tun: Schilder putzen. "Der Dreck geht gut ab", stellte Häfner fest. Bürgermeister Jörg Aumann leistete mit dem Schrubber Unterstützung. Ausgeströmt in alle Richtungen, machten die Heinitzer auch ein paar größere Entdeckungen, so an der Elversberger Straße: ein Teil eines verrosteten Metallbottichs. Den Eindruck einer verminderten Müllmenge hatte man auch in Eppelborn, so Ortsvorsteher Berthold Schmitt. Über 500 angemeldete Personen waren in der Gemeinde unterwegs. Gefunden wurden vor allem Flaschen und Papier. Ebenso in Illingen: Etwa genauso viele Helfer haben hier dreieinhalb Tonnen Müll zusammengetragen. Für Neunkirchen schätzt Thomas Haas die Beute auf 15 bis 17 Tonnen. Sogar Kühlschränke und eine Spülmaschine habe man weggeschleppt. "Manche Leute finden offenbar das Wertstoffzentrum nicht." Dass der Müll nicht weniger wird, diesen Eindruck hatte man in Ottweiler. "An Feldwegen, in die man ein Stück weit rein fahren kann, liegt jede Menge", so Christoph Hassel. Mehr Müll als im Vorjahr wurde in Merchweiler gesammelt. "Ich dachte, ein LKW reicht, musste dann aber noch einen Pritschenwagen mitnehmen", sagt Frank Moser. In Merchweiler hat man die verwunderlichsten Funde gemacht: eine Kabelummantelung, die vermutlich jemand im Schutz des Gebüschs von einem gestohlenen Kupferkabel entfernt hat, und ein Kinder-Fußballtor inklusive Ball - leider nicht mehr einsatzfähig.