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Shopping so oder so
Ein Sitzhocker als kleiner Luxus

FOTO: Robby Lorenz / SZ
Die Umkleidekabine ist ein magischer Ort. Wer ist noch nie in eine Stecknadel getreten? Von Claudia Emmerich

Das „KaDeWe“ ist eine Institution. Vor allem die sechste Etage im Berliner Kaufhaus des Westens am Wittenbergplatz. Die „Feinschmecker-Etage“ zelebriert lukullischen Luxus mit Champagner und Hummer (gibt auch Pils vom Fass und Bratkartoffel, ebenfalls de luxe). Nun wird das „KaDeWe“ überarbeitet. In seiner berühmten sechsten Etage, so war jetzt in der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung zu lesen,  soll die Gäste irgendwann eine Art Ballsaal unter Glas und offenem Himmel erwarten. Im „KaDeWe“ verdienen auch Personal Shopping Assistants ihr Geld, also (kostenlose) Helfer für modische Einkäufe der höchsten Kundinnen-Klasse. Und diese Helfer, so lesen wir weiter, sind ebenfalls mal in der sechsten Etage anzutreffen. Womit wir unserem eigentlichen Thema näher kommen. Also dieser Personal Shopping Assistant kommt aus der zweiten Etage (Damenmode) in die sechste Etage, „wenn ein ungeduldiger Ehegatte hier beschäftigt werden muss wie bei Ikea die Kinder im Bällebad oder eine der Kundinnen beim Anprobieren ein Hüngerchen ereilt“. Jetzt sind wir beim Thema. Shoppen – gerade wieder aktuell für den Garderoben-Wechsel zum Frühling – müssen (dürfen) wir ja alle. Und dazu gehört ein geradezu magischer Ort: die Umkleidekabine. Und da gibt es eben nicht nur (für uns gar nicht) die großzügige Kabine mit weichem Teppichboden, kommoden Sesseln vor dem sanft fallenden bodenlangen Vorhang, alles mit viel Bewegungsfreiheit, viel Spiegel, viel Vorführzone und vielleicht (eher sicher) einem Gläschen Perlendes. Aber es gibt eben auch die gar nicht so großzügigen Kabinen, in denen sich Frau kaum drehen, geschweige denn hinsetzen kann. Mit Vorhängen, die mehrfach an der richtigen Stelle geschubst werden wollen, um irgendwann halbwegs zu schließen. Alternativ mit geteilten Schwingtüren, oben und unten offen. Und wer ist noch nie in eine Stecknadel getreten, hat noch nie ein klebendes Preisschild mit dem entblößten Fuß aufgenommen? Vor allem: Wo bitte kann Frau ihren (männlichen) Begleiter, der Jacke, Handtasche, Tüten bewacht, „parken“? Müsste ja nicht mal ein kommoder Sessel sein, wenigstens ein Sitzhocker wäre schön.