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Kolumne
Jogger-Stau im Hallenbad

FOTO: SZ / Robby Lorenz
In Schwimmbädern wird geschwommen. Sollte man meinen. Das war auch mal so, bis ein neuer Sport erfunden wurde. Aqua-Jogging heißt der. Es wird also mittlerweile gejoggt, im Schwimmbad. Zumindest theoretisch. Gelaufen wird zwar nicht auf, sondern viel mehr unter Wasser, aber um diese durchaus sportliche, bisweilen auch anstrengende und gelenkschonende Disziplin zu meistern, ohne abzusaufen, schnallen sich Aqua-Jogger dicke Schaumstoffpolster um den Bauch. So bleibt die Oberkante der Unterlippe bei der ganzen Strampelei immer schön an der frischen Luft.

In Schwimmbädern wird geschwommen. Sollte man meinen. Das war auch mal so, bis ein neuer Sport erfunden wurde. Aqua-Jogging heißt der. Es wird also mittlerweile gejoggt, im Schwimmbad. Zumindest theoretisch. Gelaufen wird zwar nicht auf, sondern viel mehr unter Wasser, aber um diese durchaus sportliche, bisweilen auch anstrengende und gelenkschonende Disziplin zu meistern, ohne abzusaufen, schnallen sich Aqua-Jogger dicke Schaumstoffpolster um den Bauch. So bleibt die Oberkante der Unterlippe bei der ganzen Strampelei immer schön an der frischen Luft. Das klappt gut. So gut, dass immer mehr Menschen auf die Idee kommen, nur noch schaumstoffgepolstert ins Becken zu gehen. Positiver Nebeneffekt: Die Haare werden nicht nass. Und jegliche Bewegung im Wasser ist absolut überflüssig. Weil das wiederum auf Dauer zu langweilig ist, trifft man Aqua-Jogger meist in kleinen Gruppen an. Zu zweit oder zu dritt blockieren sie dann die Bahnen für Schwimmer und tratschen gemütlich über Gott und die Welt. Das ist dann zwar eher Aqua-vor-sich-hin-treiben-lassing, erfreut sich aber zunehmender Beliebtheit. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die ersten Wasserläufer mit ihrem Polstergürtel ins Becken steigen, in der rechten Hand eine Tasse Kaffee, in der linken Hand ein schönes Stück Mokka-Torte.


Aber die Rache der Schwimmer naht: In Scharen werden sie schon bald auftauchen aus den Wellen der Hallenbäder und mit kreisenden Armbewegungen die Wege der Spaziergänger für sich einnehmen. Das Stöcke-Klappern der Nordic-Walker wird langsam verstummen, mit jeder Badekappe, die sich der Menge protestierender Trockenschwimmer anschließt. Und dann wird es laut. Immer wiederkehrendes Schnappen nach Luft wird alles übertönen, und Flanieren wird nur noch im Stop-and-go-Rhythmus möglich sein. Und es werden sich viele anschließen. All jene nämlich, die sich noch daran erinnern, wie sie mit einem kühnen Seemannsköpper eintauchen konnten, um stundenlang ihre Bahnen zu ziehen. Freie Bahnen. Ohne Jogger-Stau. Wenn im Wasser kein Platz mehr ist, wird eben an Land geschwommen. Die nächste verrückte Trendsportart wird kommen.

Und sie hat bereits einen Namen: Stadtpark-Krauling.