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„Demokratie ist anstrengend“

„Demokratie ist anstrengend“

Bundestagsabgeordnete Nadine Schön war zu Gast am Hochwaldgymnasium in Wadern.

Die eine hat eine rasante politische Karriere hingelegt und die anderen werden bald die ersten Schritte auf dem politischen Parkett wagen. Die eine macht "echte" Politik und die anderen erproben das erstmal in einem Spiel. Zu einer Diskussion trafen sie nun in der Mediothek des Waderner Hochwald-Gymnasiums zusammen.

Die eine ist Nadine Schön, die bereits im Alter von 21 Jahren in den Saarländischen Landtag gewählt wurde. Seit 2009 ist die Abgeordnete des Deutschen Bundestages und seit dieser Legislaturperiode Stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion. Die anderen sind Zehntklässler des Hochwald-Gymnasiums und bereiten sich gerade in einer AG darauf vor, in einem politischen Planspiel gemeinsam mit Jugendlichen aus ganz Deutschland in Berlin in die Rolle von Europaabgeordneten zu schlüpfen und dabei das Saarland zu vertreten. Um zu erfahren, wie die Arbeit einer Abgeordneten aussieht, hatten die HWG-Schüler Nadine Schön eingeladen.

So stand denn auch zunächst die Frage nach dem Alltag einer Bundestagsabgeordneten im Mittelpunkt. Nadine Schön berichtete von ihrem Tagesablauf in einer Berliner Sitzungswoche, aber auch von ihrer Arbeit im Wahlkreis. Auch ihr politischer Werdegang, die mit einem Engagement in den Jungen Union gestartet war, interessierte die Jugendlichen.

Dann wurden aber auch aktuelle politische Inhalte diskutiert. Zu Europa meinte Nadine Schön, dass die Europäische Union zwar momentan einige Krisenherde zu bewältigen habe, man solle aber nicht vergessen, dass die EU das größte Friedenwerk der Geschichte sei. Bezüglich der Kritik an der EU fasste sich die Abgeordnete auch an die eigene Nase: Als nationales Parlament neige man dazu, die populären EU-Richtlinien als nationale Erfolge zu verkaufen und die eher unpopulären der EU zuzuschreiben. Aber auch die Rolle der Presse bei der Berichterstattung über politische Entscheidungen sprach Nadine Schön an. Es sei problematisch, dass die negativen Aspekte der Politik in der Presse hochgespielt würden, während positive Aspekte allzu oft bei der Berichterstattung zu kurz kämen.

Vom Thema Fake News über die bevorstehende Bundespräsidentenwahl, die Rolle der AFD, die Umweltpolitik, die französischen Präsidentschaftswahlen bis hin zur Flüchtlingskrise und der Rolle der EU dabei wurde in der Diskussion ein weiter Bogen über verschiedene aktuelle Fragen gespannt.

Im Hinblick auf die bevorstehenden Aktivitäten der Schüler als "Politiker" meinte die Abgeordnete: "Demokratie ist anstrengend und die Suche nach einem Kompromiss nicht immer einfach. Es ist nicht möglich, die eigenen Vorstellungen zu hundert Prozent durchzusetzen, da der Kompromiss zum Wesen unserer Demokratie gehört. Diese Erfahrung werdet ihr auch machen." Sie wünschte den Jugendlichen viel Spaß und Erfolg bei ihrem politischen Projekt in Berlin und sprach die Hoffnung aus, dass aus diesem spielerischen bei einigen Teilnehmern ja vielleicht auch ein echtes politisches Engagement entstehen könnte.

Zum Thema:

Teilnehmende Schüler Am politischen Planspiel "Modell Europa-Parlament" nehmen folgende Schüler des HWG in diesem Jahr in Berlin teil und vertreten dabei das Saarland: Emely Hand, Hannah Dewes, Gabriel Hausen, Niklas Lorig, Robin Gouverneur, Viola Risch, Lena Scholz, Emily Vontz; als Ausschussvorsitzender fährt Tobias Bommer mit nach Berlin; vorbereitet und betreut wird die Gruppe von Politiklehrer Edwin Didas.