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Gegen „Groß-Kahlschlag” von Wald

Gegen „Groß-Kahlschlag” von Wald

Grüne im Kreis lehnen geplante Golfpark-Erweiterung in der beantragten Form ab

Der Grünen-Kreisverband Merzig-Wadern hat sich gegen die anvisierte Erweiterung des Golfparks Weiherhof in Nunkirchen in der jetzt geplanten und beantragten Form ausgesprochen. Dabei betonen die Grünen, dass es in ihren Reihen keine grundsätzliche Ablehnung des Vorhabens gibt. Aber sie wehren sich gegen die geplante Rodung von Waldflächen, die nach aktuellem Planungsstand für die Erweiterung notwendig wäre.

Dies geht aus einer Erklärung des Grünen-Kreisvorsitzenden Klaus Borger hervor. "Der Kreisvorstand unterstützt grundsätzlich das Ansinnen, den Golfplatz zu erweitern. Voraussetzung ist aber, auf den Wald-Groß-Kahlschlag zu verzichten und stattdessen unmittelbar angrenzende ökologische Defizitflächen in Anspruch zu nehmen und deren ökologischen Zustand über eine verantwortliche Planung und spätere naturnahe Bewirtschaftung zu verbessern", teilt Borger mit.

Der Betreiber und Eigentümer des Golfparks will die vorhandene 18-Loch-Anlage auf 27 Löcher erweitern. Dazu sei eine erhebliche Erweiterung des vorhandenen Areals notwendig, erklärt Borger. Neben der beabsichtigten Inanspruchnahme von Waldflächen, die sich im Eigentum des Golfpark-Betreibers befinden, sollen dabei auch große Waldflächen im Eigentum der Stadt Wadern in Anspruch genommen werden.

Das lehnen die Grünen, so das Ergebnis einer Kreisvorstandssitzung vor wenigen Tagen, ab. Sie kritisieren unter anderem die vorgesehene "Rodung von alten, teilweise ökologisch sehr hochwertigen Waldbeständen in einer Fläche von über 120 000 Quadratmetern." Zudem solle durch die vorgesehene vollständige Einzäunung des Areals der Lebensraum für wandernde Tierarten auf einer Fläche von rund 900 000 Quadratmeter entzogen werden. Weiter kritisieren die Grünen: "Mit der Planung ist keine Verbesserung belasteter Flächen verbunden, zum Beispiel des Areals der ehemaligen Baumschule." Dort gibt es laut Klaus Borger teilweise umweltgefährdende Materialien, nicht landschaftstypische Vegetation oder landwirtschaftliche Intensivflächen mit Dünger- und Pestizidbelastung.

Die Grünen sprechen sich für eine Überarbeitung der Planung aus, die zum Ziel haben soll, die Natur weitestgehend zu schonen sowie vorhandene Flächendefizite gegebenenfalls sogar zu beseitigen - wie eben im Fall der alten Baumschule.

An den Golfpark-Betreiber ergeht die Forderung, die in der aktuellen Planung vorgesehene Inanspruchnahme von Waldflächen zu verwerfen. Dies sollten auch die zuständigen Behörden bei Stadt, Landkreis und Umweltministerium unterbinden, "da mit der geplanten Erweiterung ganz erhebliche Waldopfer verbunden sind und Alternativflächen ohne Baumbewuchs vorhanden sind", heißt es in dem Beschlusstext des Kreisvorstandes. Da es sich hier um ein rein privatwirtschaftliches Vorhaben handele, sind nach Meinung der Grünen "hier natürlich andere Maßstäbe anzulegen als zum Beispiel bei Vorhaben die von öffentlichem Interesse sind". Der Antragsteller sollte aus Sicht der Kreis-Grünen bedenken, "dass diese Planung sicher zu einem massiven Protest von Bürgerinitiativen und Umweltverbänden, die sich auch für den Schutz des Waldes einsetzen, führen wird".

Die Golfplatz-Erweiterung bietet aus Sicht der Grünen die Chance, "die völlig ungeordneten Zustände zwischen bisherigem Golfareal und der Ortslage Nunkirchen neu zu ordnen". Diese Chance werde aber mit der Planung in ihrer jetzigen Form vertan. Der Antragssteller solle statt dessen mit den jeweiligen Eigentümern über eine Nutzung von bisher intensiv bewirtschafteten Ackerflächen oder der Fläche der brach liegenden Gärtnerei verhandeln.

Die Landesregierung wird in der Resolution aufgefordert zu prüfen, ob im Rahmen einer möglichen Erweiterungsgenehmigung für den Golfplatz "die ökologische Optimierung des ehemaligen Baumschulgeländes mit den teilweise umweltgefährdenden Materialien auf die auch ohne die Inanspruchnahme von Waldflächen erforderlichen Ausgleichsmaßnahmen angerechnet werden kann".

Kritik äußert Peter Rohles, Vorsitzender des Grünen-Stadtverbandes Wadern, an den Verantwortlichen vor Ort: "Völlig unverständlich ist aber die Haltung der Stadt Wadern, insbesondere des Stadtrates, der ganz offensichtlich mit dem Kahlschlag großer Stadtwaldflächen, das heißt des ‚Tafelsilbers', keinerlei Probleme hat und so einen Beitrag zur Sanierung des defizitären Haushaltes leisten will."