Wählen mit 16?: David Cuervo Müller will Wahlalter senken

Wählen mit 16? : David Cuervo Müller will Wahlalter senken

18-Jähriger aus Perl kämpft dafür, dass Jugendliche schon mit 16 Jahren die Regierung mitbestimmen können.

Mehr Gerechtigkeit für Jugendliche bei politischen Entscheidungen zu erreichen, ist das Ziel von David Cuervo Müller aus Perl. Dafür kämpft er schon seit Jahren, indem er sich für das Wahlrecht für Jugendliche einsetzt. Einen ersten Vorstoß hat er bereits im Jahr 2015 anlässlich der Bürgermeisterwahlen in Perl getan – „ein sehr weiter Weg“, meint er, denn die Verhandlungen über mehrere Instanzen laufen immer noch. Nun will er zur Bundestagswahl einen weiteren Versuch starten und Klage vor dem Bundesverfassungsgericht einreichen. Und so, wie er sagt, ein bestehendes Ungleichgewicht geradebiegen.

„Ich habe sehr viele Jugendliche erlebt, die politisch auf einem sehr aktuellen Stand sind“, beschreibt Cuervo Müller seine Erfahrungen. Das Argument, Jugendliche seien nicht in der Lage, sich eine fundierte Meinung zu bilden, sei aus seiner Sicht nicht richtig. Sein Ziel ist deshalb, das Wahlalter auf 16 herabzusetzen, wie es bei Kommunalwahlen in einigen Bundesländern bereits der Fall sei. Selbst betroffen ist der mittlerweile 18-Jährige zwar nicht mehr, aber: „Mir geht es um die zukünftige Generation.“

Da nach seinen Angaben rund 35 Prozent aller Wähler schon über 60 seien, entstehe ein Ungleichgewicht. Themen wie Rente oder Altersarmut würden in den Fokus gerückt, und „das wird alles auf unsere Kosten gehen“, beklagt er. Wichtig sei für ihn eine „Allianz aus Jung und Alt“: Denn mit dem Alter komme die Erfahrung, aber die Jugend habe manchmal bessere und pragmatischere Ideen. „Junge Menschen haben einen anderen Blick auf die Welt“, ist er überzeugt und nennt einige Beispiele. In Ländern wie Ägypten seien es junge Menschen, die für Demokratie kämpften. Und in Großbritannien hätten sich die jüngeren Menschen gegen den Brexit ausgesprochen.

Sein politisches Engagement zeigt Cuervo Müller nicht nur durch die Einforderung des Wahlrechts, sondern auch durch seine Mitgliedschaft in der SPD. „Ich bin in die Partei eingetreten, weil ich an soziale Gerechtigkeit glaube“, betont er. Sein derzeitiges Ziel ist es, in den Merziger Stadtrat zu kommen. „Mir geht es nicht um Macht“, stellt er klar, „aber ich will etwas ändern.“ Zudem möchte er das Bild zurechtrücken, dass Jugendliche sich nicht für aktuelles Geschehen interessieren. Er möchte den Leuten zeigen, dass es ebenfalls solche gebe, die sich aktiv an der politischen Entscheidungsfindung beteiligen.

Möglichkeiten zur politischen Mitbestimmung bestünden bereits für Minderjährige – von der Mitwirkung bei den Jugendorganisationen der Parteien über die Schaffung eines Jugendrats bis hin zu Anträgen beim Stadtrat, aber: „Am Ende entscheidet die Stimme“, betont er. Menschen könnten ihre Interessen nur vertreten, wenn sie wählen dürften. Das Wahlalter auf 16 zu senken, wäre dabei „ein großer Erfolg“ – aber noch nicht das Ende. „Nach oben hin gibt es ja auch keine Grenze“, sagt er. Darum könne er sich vorstellen, das Wahlalter noch weiter zu senken.

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