| 20:08 Uhr

Zukunft der Landwirtschaft
Immer mehr Betriebe müssen schließen

Wie sieht die Zukunft der Landwirtschaft aus? Darüber diskutierten (von links) Friedrich Ostendorff, Grünen-Abgeordneter im Bundestag, Yvonne Brück vom Erlenbacher Hof Ensheim, Grünen-Generalsekretärin Barbara Meyer-Gluche mit Stefan Zenner vom Marienhof in Gerlfangen und Hans Lauer, Geschäftsführer des saarländischen Bauernverbandes.
Wie sieht die Zukunft der Landwirtschaft aus? Darüber diskutierten (von links) Friedrich Ostendorff, Grünen-Abgeordneter im Bundestag, Yvonne Brück vom Erlenbacher Hof Ensheim, Grünen-Generalsekretärin Barbara Meyer-Gluche mit Stefan Zenner vom Marienhof in Gerlfangen und Hans Lauer, Geschäftsführer des saarländischen Bauernverbandes. FOTO: Tina Leistenschneider
Merzig. Über die Zukunft der Landwirtschaft diskutierten in der Villa Fuchs in Merzig Landwirte und Kommunalpolitiker. Von Tina Leistenschneider

Wie sieht die Zukunft der Landwirtschaft aus? Über diese Frage diskutierten Hans Lauer, Geschäftsführer des saarländischen Bauernverbandes, Stefan Zenner vom Bioland-Bauernhof Marienhof Gerlfangen, Yvonne Brück vom konventionellen Erlenbacherhof Ensheim sowie Friedrich Ostendorff, Mitglied des Bundestages, bei der Veranstaltung „Landwirtschaft braucht Zukunft“ in der Villa Fuchs.


Die Grünen-Generalsekretärin Barbara Meyer-Gluche führte als Moderatorin durch den Abend. Sie bat die Teilnehmer um ihre Meinung dazu, was zum Rückgang der Betriebe führe. Für Hans Lauer ist die hohe Arbeitsbelastung bei zugleich wenig Erträgen der Grund für die sinkende Zahl an Unternehmen. Einst herrschte das Bestreben, mit wenig Aufwand günstig zu produzieren, was durch die Industrialisierung erreicht wurde. Dass immer mehr Betriebe die Pforten schließen, registriere der saarländische Bauernverband anhand der fallenden Mitgliederzahlen.

Yvonne Brück sieht die Schuld für den Rückgang beim Weltmarkt: „Dieser zwingt uns dazu, immer mehr zu produzieren, obwohl wir das nicht möchten“, sagte sie. Aus diesem Grund entschied sich Stefan Zenner vom Marienhof, Bio-Bauer zu werden. 20 Jahre hatte er einen konventionellen Betrieb, doch ihm wurde klar, dass er den Weltmarkt nicht bedienen will. Mit Bio habe er eine höhere Wertschöpfung. Er sieht die Verbraucher als Lösungsansatz für die aktuelle Situation. Mit ihrem Griff ins Regal bestimmen sie, was sie möchten. Seine Erfahrung habe gezeigt, dass die Verbraucher zum Wohle der Tiere gerne mehr zahlen. Zudem sei es für die Landwirte entscheidend, sich mit ihren Produkten abzugrenzen.



Für einen bewussteren Fleischkonsum sprach sich Friedrich Ostendorff aus. „Wenn dieser weniger wird, kann mehr für die Tiere getan werden“, sagte er. Dass Discounter die Herkunft des Fleisches inzwischen kennzeichnen, zeige, dass die Verbraucher dies fordern. Er untermauerte sein Argument mit dem Erfolg der Eierkennzeichnung. „Beim Fleisch müssen wir das genauso machen“, hielt er fest, die Politik müsse hier für klare Verhältnisse sorgen.

„Kann die Landwirtschaft denn alle Wünsche der Konsumenten erfüllen?“, fragte Meyer-Gluche. Lauerhielt fest: „Landwirtschaft kann viel, aber es muss auch honoriert werden“. Dem stimmte Stefan Zenner zu: „Der Berufsstand muss es vormachen und die Verbraucher entsprechend honorieren“. Dabei verurteilte der Geschäftsführer des saarländischen Bauernverbandes die Regierung dafür,die Betäubungspflicht für Ferkel um zwei Jahre hinauszuzögern. „Wir hatten fünf Jahre Zeit, eine Alternative zu finden“, betonte Lauer. Diese Betäubung ist zwingend erforderlich. Ganz ohne Schmerz sei die Kastration aber nicht möglich, denn selbst die Spritze zur Betäubung verursache bei den Tieren Schmerzen.

Wie die Landwirtschaft in fünf Jahren aussieht? Brück geht davon aus, zukünftig stärker mit der Digitalisierung zu arbeiten, um Pestizide und Samen präziser zu verteilen und die Fahrzeuge mit dem Handy zu steuern. Zenner erwartet einen Übergang der konventionellen Landwirtschaft hin zu Bio. „Die konventionelle Landwirtschaft wird den Bach runtergehen“, prophezeit er. Nach Ansicht von Lauer entwickelt sich die Landwirtschaft weiter, konventionelle und Bio-Landwirtschaft werden sich annähern und bessere Produkte auf den Markt bringen.