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Königin der dicken Knolle

Jasmin Rudolph aus Brotdorf ist die erste saarländische Kartoffelkönigin und verspeist die Knolle auch gerne. Foto: Rolf Ruppenthal
Jasmin Rudolph aus Brotdorf ist die erste saarländische Kartoffelkönigin und verspeist die Knolle auch gerne. Foto: Rolf Ruppenthal
Merzig. Ein Dorf namens Grombeerweiler sucht man auf der Saarlandkarte vergebens. Wohl aber gibt es den Ort Brotdorf, einen Stadtteil von Merzig. Ausgerechnet dort wohnt die erste Saarländische Kartoffelkönigin, Jasmin Rudolph.Und Kartoffeln auf ihrem Teller verschmäht die 20-jährige Kartoffelkönigin jedenfalls nicht Von SZ-Mitarbeiter Benjamin Rannenberg

Merzig. Ein Dorf namens Grombeerweiler sucht man auf der Saarlandkarte vergebens. Wohl aber gibt es den Ort Brotdorf, einen Stadtteil von Merzig. Ausgerechnet dort wohnt die erste Saarländische Kartoffelkönigin, Jasmin Rudolph.Und Kartoffeln auf ihrem Teller verschmäht die 20-jährige Kartoffelkönigin jedenfalls nicht. Zu ihren Leibgerichten gehören Dibbelabbes, Bratkartoffeln und Schales. Schales und Dibbelabbes kocht sich die Kartoffelkönigin zwar wegen des großen Kochaufwands nicht selbst. Doch wenn sie auf Festen, wie dem Merziger Viezfest oder Apfelfest die dicke Knolle fürs Saarland repräsentiert, dann komme sie dort gelegentlich in den Genuss der saarländischen Kartoffelspezialitäten. Allein zwei Mindestkriterien sollte die Knolle erfüllen: Außen eine gelbe Schale und Prinzessinnenformat sollte sie haben. Ihre königliche Kartoffel-Hohheit wurde am 21. September anno 2007 auf dem zehnten Brotdorfer Kartoffelfest gekrönt. Ihr Vater, der seit zehn Jahren das Brotdorfer Kartoffelfest organisiert, kam auf die Idee den Titel "saarländische Kartoffelkönigin" zu begründen. Was er dann auch in Abstimmung mit der Landwirtschaftskammer und dem Bauernverband Saar tat. Ursprünglich war aber eine Andere zur Kartoffelkönigin auserwählt worden. Doch die wollte das Königinnenamt nicht bekleiden und Jasmin Rudolph ließ sich an ihrer statt auf den Kartoffelthron heben. Spezielle Kriterien musste sie aber nicht erfüllen. "Ich war schon viel unterwegs", sagt sie auf ihre Amtszeit zurückblickend. In der schon 19 Monate währenden Regentschaft im Dienste des Erdapfels habe sie schon schätzungsweise 30 Feste besucht, probierte etliche Kartoffelsorten auf zwei Kartoffeltestessen, war zwei Mal auf der Grünen Woche in Berlin und wohnte vielen Krönungen ihrer königlichen Kolleginnen bei. Jasmin Rudolph ist nicht die einzige Hoheit im Land: "Königin zu sein, ist nichts Ungewöhnliches", sagt sie. Die Königinnendichte ist nirgendwo im Saarland so geballt wie im Raum Merzig. Rund zehn landwirtschaftliche Produktköniginnen - von der Linsenkönigin über die Bierkönigin bis hin zur Weinkönigin leben dort. Allein in Brotdorf residieren zwei Königinnen. Neben der saarländischen Kartoffelkönigin, hält dort noch die Brotdorfer Freeschenkönigin Melanie I. Hof. Ihrer Amtsnachfolgerin empfiehlt Jasmin Rudolph viel freie Zeit und freies Redenkönnen. Ihre zweijährige Amtszeit als saarländische Kartoffelkönigin endet am 21. September. Zu Stoßzeiten war sie an drei Tagen pro Woche - von Freitag bis Sonntag - zu Festen eingeladen. "Das war schon sehr viel", sagt Jasmin Rudolph. Darum will sie nach zwei Jahren Kartoffel-Repräsentanz aufhören. Doch wenn sie wollte, könnte sie weitermachen. Jasmin Rudolphs Resümee nach dreiviertel beendeter Regierungszeit: "Dadurch wächst das Selbstbewusstsein. Man wird erwachsener und lernt viel." "Königin zu sein, ist nichts Ungewöhnliches."Kartoffelkönigin Jasmin Rudolph über die Königinnendichte im Raum Merzig