Keiner der drei Planer siegte bei der Gestaltung des Seffersbaches

Merzig : Planer sehen viel Grün am Seffersbach

Die Entwürfe der Planungsbüros stehen im Foyer des Neuen Rathauses aus. Am 11. April diskutiert der Stadtrat über den Bereich.

Wie soll der Gustav-Regler-Platz in Zukunft aussehen? Wie soll der Seffersbach erlebbar werden? Wie soll der Stadtraum weiterentwickelt werden? Mehrere Wochen haben Merzigs Bürger darüber diskutiert und in drei Workshops ihre Wünsche formuliert. Ende Februar stellten die Platzungsbüros erste Ideenskizzen in einer Zwischenpräsentation vor. Rund vier Wochen später, am vergangenen Freitag, endete mit der öffentlichen Präsentation der Entwürfe, dem Votum der Bürger und der Wettbewerbsjury der Ideenwettbewerb offiziell. Die Jury hat keinen ersten Platz vergeben (wir berichteten).

Die Idee der Stadtplaner vom Büro M.E.S.S. Stadtplaner Kaiserslautern und Bochem_Schmidt Architekten, Merzig zeichnet sich laut Jury „durch eine fundierte Analyse der städtebaulichen Struktur aus und setzt diese konsequent in den Entwurf um“. Der Entwurf sieht vor, den gesamten Gustav-Regler-Platz um etwa 1,80 Meter abzusenken. Durch den unmittelbaren Zugang zum Seffersbach wird dieser erlebbar. Mit Blick auf den Hochwasserschutz erinnerte Florian Groß vom Büro M.E.S.S. daran, dass sich das Wasser im Hochwasserfall durch die Absenkung auf der gesamten Fläche des Platzes stauen und nicht auf die erhöhte Promenade übertreten würde. In seiner Nutzung beließen die Stadtplaner den Platz neutral und gänzlich unbegrünt. Um die Hinterhofkulisse der angrenzenden privaten Grundstücke zu beseitigen, empfahlen sie eine Wohnbebauung, die mit Berücksichtigung des Hochwasserschutzes auf Sockeln stehen sollte.

Die baulich zusammenhängenden, dreigeschossigen Stadthäuser würden giebelständig angeordnet werden und hätten spitz zulaufende Dächer. Im Erdgeschoss sind die Stellplätze angeordnet. Durch den Sockel würden die unteren Wohnungen über eine kleine Terrasse verfügen, die mit Hecken vom öffentlichen Verkehrsraum abgetrennt sind. In Richtung Poststraße verfügten sie über begrünte Balkone. Fußgänger, Fahrrad- und Autofahrer sollten die Straße „Am Werthchen“ gleichberechtigt als „shared-space“ (gemeinsamer Bereich) nutzen können.

Die Jury weiter dazu: „Der Entwurf weitet den Blick über das Plangebiet hinaus und nimmt die städtebaulichen Bezüge auf.“ Die vollversiegelte Fläche wirke wenig spannend.

Für eine klare Baulinie zwischen Platz und Straße sprach sich auch die Bürogemeinschaft arus Willy Latz Püttlingen und Dutt & Kist Saarbrücken aus. Hierfür schlugen sie eine Wohnbebauung vor. Zum Schutz vor Hochwasser empfahlen sie, den Platz vom Seffersbach hin zu den Gebäuden leicht ansteigen zu lassen. In den Erdgeschosszonen wäre Platz für bis zu 80 Stellplätze, darüber lägen auf drei Etagen Wohnungen. Durch Baumtore sollte die Straße „Am Werthchen“ als verkehrsberuhigter Bereich gekennzeichnet werden. Den Gustav-Regler-Platz teilten sie in drei Bereiche auf.

Zudem schlugen sie vor, auch das andere Ufer des Baches barrierefrei zu gestalten. Sie wollten in das Bachbett kleine Staustufen einbauen, die für eine beruhigende Geräuschkulisse sorgen und die Fließgeschwindigkeit des Baches da drosseln, wo Kinder im Bachbett spielen könnten. Zu dem Vorschlag sagte die Jury: „Der Entwurf entwickelt den Freiraum des Gustav-Regler-Platzes am Seffersbach sehr durchdacht und differenziert aus dem städtebaulichen Kontext.“ Ihr erschien, dass der Entwurf zu viel Ausstattung und Angebote enthalte, die dem Ruhebedürfnis nicht angemessen.

Der Entwurf von Andrea Wandel vom Büro Wandel-Lorch aus Saarbrücken: Die linke Seite des Platzes soll weitestgehend unberührt und in seinem jetzigen Zustand belassen werden. Ihr Fokus lag auf dem Herzstück des Platzes, der Mitte, die wie ein baumbestandenes Oval geformt werden sollte. Weitere Bäume sollten zu einer weiteren Beschattung des Platzes beitragen. Gegenüber der Liebesinsel, die, wie von allen Teams betont, unzugänglich bleiben soll, schlug Andrea Wandel einen Zugang zum Bach hin vor. Zudem wünschte sie sich eine Renaturierung eines Teilbereichs des Seffersbachs. Wandels Idee, einzelne Baukörper entlang der Brandschutzgassen zu errichten. Der Kommentar der Jury: „Die Verfasser sehen in der Entwicklung einer städtebaulichen Konzeption für die Platzrandbebaung die zentrale Entwurfsaufgabe und weisen dem Gustav-Regler-Platz eine dienende Funktion als Erholungszone für den Innenstadtbereich zu.“ Das Preisgericht diskutiere die Ausbildung des Baumhaines als Oval.

Alle drei Büros berücksichtigen den Erhalt der historischen, stadtbildprägenden Brandschutzgassen. Nach der Vorstellung der Ideen gaben die Bürger ihr Votum ab und vergaben der Idee, die ihr am meisten zusagte, Punkte. Zu bewerten waren die Kriterien für das Gestaltungs- und Nutzungskonzept des öffentlichen Freiraums, das städtebauliche und architektonische Konzept, die Gestaltung des fließenden Verkehrs sowie die Ökologie und der Hochwasserschutz. Alle Entwürfe fanden Zustimmung. In der Summe lag das Team M.E.S.S. mit Bochem_Schmidt bei Abschluss des Votums vorne.

Allerdings ist das Votum nicht bindend für die Entscheidung des Merziger Stadtrates zur Neugestaltung des Areals, ebenso wenig wie das Urteil der Wettbewerbsjury, die zwei zweite Preise und einen dritten Preis vergeben hat. Einen zweiten Preis gab es für das Team arus, Willy Latz und Dutt&Kist sowie das Büro Wandel Lorch. Den dritten Preis erhält der Entwurf des Teams M.E.S.S und Bochem_Schmidt Architekten. Alle drei Entwürfe folgen unterschiedlichen Ansätzen und bieten eine breite Palette an interessante Ideen, die in der Folge weiterentwickelt werden können.

Zum Abschluss des Ideenwettbewerbs und Bürgervotums zog Bürgermeister Marcus Hoffeld ein positives Fazit: „Ich freue mich, dass so viele Bürger in den vergangenen Monaten die Gelegenheit nutzten, um sich aktiv und konstruktiv in die Planungen einzubringen. In einem offenen und transparenten Verfahren konnten sich alle Interessierten mit ihren Ideen und Anregungen einbringen und somit Einfluss auf die Gestaltung des Gustav-Regler-Platzes nehmen.“ Er bedankte sich für die demokratische Beteiligung zur Umgestaltung, vor allem bei der Bürgerinitiative Seffersbach Stadtmitte.

Nachdem Bürger und Jury ihr Votum abgegeben haben, ist der Merziger Stadtrat am Zug. Das Gremium diskutiert in seiner Sitzung am Donnerstag, 11. April, wie bei der Gestaltung des Gustav-Regler-Platzes und des angrenzenden Umfeldes entlang des Seffersbachs weiter verfahren werden soll.

Die Entwürfe der Planungsbüros sind seit gestern im Foyer des Neuen Rathauses ausgestellt. Die Bevölkerung kann sich sich während der Öffnungszeiten der Stadtverwaltung über die Vorschläge zu informieren.

Hier geht es zur detaillierten Bewertung der Jury.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das sind die Ideen der Planer für den Seffersbach-Bereich

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