Ideenwettbewerb zum Reglerplatz: Planer stellen erste Entwürfe vor

Merzig : Mehr Grün, weniger Autos, Zugang zum Bach

Ideenwettbewerb zur Neugestaltung von Seffersbach und Gustav-Regler-Platz: Planungsbüros stellten am Freitag erste Entwürfe vor.

Drei unterschiedliche Planungsbüros, drei unterschiedliche Konzepte: Nachdem die erste Phase des Ideenwettbewerbs für den Gustav-Regler-Platz angelaufen war, hatten die Planungsbüros nur wenige Tage Zeit, die Ideen für die Neugestaltung des Platzes unter Berücksichtigung der Anregungen der Bürger in Entwürfen zu skizzieren. Diese präsentierten sie den Bürgern und den Fachpreisrichtern des Wettbewerbs am Freitag im Rathaus.

Für einen klaren Abschluss zwischen Platz und der Hinterhofkulisse entwarf das Architekten-Team von Wandel Lorch aus Saarbrücken mehre Sockelbauten. Während im Erdgeschoss dieser Gebäude Raum für Stellplätze wäre, liegen darüber drei Etagen mit barrierefreien Wohnungen. Wir wollen hochwertige Gebäude, nahe der Stadt. Für die brauchen wir Stellplätze, sagte Andrea Wandel. Die Fassaden dieser Sockelbauten können durch Hecken begrünt werden. Um den besonderen Charakter der Brandschutzgassen zu bewahren, arbeiteten sie bei der Ausrichtung der Bauten entlang der Gassenstruktur, wie Wandel erläuterte. Für eine bessere Zugänglichkeit schlug ihre Büro eine Verlagerung der bisherigen Parkplätze entlang des Baches auf die rechte Seite vor. Weiterhin sprach sie sich für eine Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer in einem Shared-space-Bereich (gemeinsamer Raum) aus. Dadurch soll die Aufteilung zwischen Gehweg und Straße wegfallen. Mensch und Natur war hinsichtlich des Platzes ihr Überthema. Durch einen naturnahen Wasserlauf und eine Renaturierung soll der Seffersbach erlebbar werden. Hierfür entwarf sie auf Höhe der Liebesinsel – die unzugänglich bleiben soll – eine Abtreppung durch Sitzstufen.

Das zweite am Wettbewerb teilnehmende Büro rückte indes den Fokus auf das Filetstück der Stadt, wie Willi Latz von der Bürogemeinschaft Latz und Partner/Püttlingen und Dutt & Kist Saarbrücken, den Gustav-Regler-Platz nannte. Der Verbleib der historischen Brandgassen ist den Architekten wichtig, allerdings kritisierten sie den unsauberen Zustand der Hinterhöfe. Ähnlich wie das erste Team befürworten sie eine klare Baulinie zwischen Platz und der Straße Am Werthchen. Hierfür schlugen auch sie Gebäude als Lückenschluss vor, die mit einem begrünten Innenhof für die Anlieger versehen werden sollen. Um die Bewohner vor Hochwasser zu schützen, würden sie den Platz vom Seffersbach hin zu den Gebäuden leicht ansteigen lassen. In Erdgeschossen würden ihren Entwürfen nach bis zu 80 Stellplätze für die Anlieger erhalten bleiben, darüber lägen dann auf drei Etagen ebenfalls Wohnungen. Mittels Baumtoren soll die Straße Am Werthchen als verkehrsberuhigter Bereich mit maximal 20 Kilometern pro Stunde gekennzeichnet werden, auch den Begriff shared space nannten die Architekten. Den Gustav-Regler-Platz würden sie in drei Bereiche aufteilen: Während ein Teil als Ruhezone ausgelegt sei, gäbe es in dem anderen Platz für Aktivitäten. In diesem Areal stellten sich die Architekten ein Lesecafé vor, das den Bezug zum Namensgeber des Platzes herstelle. Beide Bereiche sollen mit einer terrassierten Abtreppung versehen werden. In der Mitte des Platzes stellen sich die Planer eine Panoramabank vor, die sowohl den Blick auf den Bach als auch auf die Gebäudefassade zuließe. Zudem überlegten sie, das andere Ufer des Baches barrierefrei zu gestalten, in das Bachbett kleine Staustufen einzubauen, die für eine beruhigende Geräuschkulisse sorgen könnten, und gleichzeitig die Fließgeschwindigkeit des Baches da zu drosseln, wo begehbare Steine im Bachbett liegen könnten.

Eine völlig andere Idee hatten indes die Stadtplaner vom Büro M.E.S.S. Stadtplaner/Kaiserslautern und Bochem_Schmidt Archiekten Merzig: Sie wollen den gesamten Platz um bis zu zwei Meter absenken und so den Bach zugänglich machen. Mittels Sitzstufen kommen Passanten dann von der befahrbaren Promenade auf den abgesenkten Platz, für Einsatzfahrzeuge und den barrierefreien Zugang soll eine Rampe entstehen. Die Treppen dienen gleichzeitig auch als Hochwasserschutz. Die Hinterhofkulisse wollen sie gleichfalls durch Wohnbebauungen beseitigen. Die Bauten sollen wie Stadthäuser bis zu drei Geschosse nach oben ragen und über spitz zulaufende Dächer verfügen. Davor stünden Hecken und Bäume. Die Wohngebäude führen nach den Worten von Florian Groß von M.E.S.S zu mehr Sicherheit auf dem Platz, da die Bewohner diesen im Blick hätten. Auch der Verkehr könnte so am Platz entlang verlaufen, zumindest der Anliegerverkehr muss bleiben, finden die Stadtplaner, die dort eine Reduzierung der Stellplätze in Betracht ziehen. Die Brandgassen sollen nicht überbaut werden und weiterhin zugänglich sein.

Gerd Rainer-Damm, der Vorsitzende der Wettbewerbsjury, betonte zu Beginn der Präsentation: Erwarten Sie noch keine fertigen Pläne, es handelt sich nur um Skizzen und erste Gedanken. Über die weiteren Details sinnieren die Planungsbüros jetzt in der zweiten Phase des Wettbewerbs, der Bearbeitungsphase. Diese endet am Freitag, 29. März. Die Ergebnisse werden an diesem Tag um 16.30 Uhr der Öffentlichkeit vorgestellt. Unmittelbar danach entscheidet die Jury, wer den Wettbewerb gewonnen hat. Am Donnerstag, 11. April, trifft der Merziger Stadtrat einen Beschluss zum weiteren Vorgehen.

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