| 20:33 Uhr

Handball
Der Stachel sitzt noch tief

  David Pfiffer vom HSV Merzig-Hilbringen zieht vor vollbesetzter Tribüne ab. Vergangene Saison gewann allerdings der TuS Brotdorf im Thielspark.  Foto: H. Britz
David Pfiffer vom HSV Merzig-Hilbringen zieht vor vollbesetzter Tribüne ab. Vergangene Saison gewann allerdings der TuS Brotdorf im Thielspark. Foto: H. Britz FOTO: Heiko Britz / Heiko Britzwww.digfot.de
Merzig. Handball-Derby im Thielspark: Saarlandliga-Primus HSV Merzig-Hilbringen empfängt Brotdorf zum emotions- geladenen Stadt-Duell. Von Roland Schmidt

Es prickelt wie verrückt, das Blut kocht, die Freude aufs bevorstehende Rendezvous steigt ins Unermessliche. Da ist diese Vertrautheit, dieser Reiz. Man kennt sich, versteht sich – und trotzdem wird es anders sein als in der gemeinsamen Zeit. Ähnlich wie beim oft unvermeidlichen Sex mit der Ex knistert es auch in den Handball-Derbys zwischen den früheren Weggefährten HSV Merzig-Hilbringen und dem TuS Brotdorf (10.) immer gewaltig.


Wenn der Saarlandliga-Tabellenführer an diesem Samstag um 18 Uhr den Tabellenzehnten im Thielspark zum Stadtduell bittet, spielen Platzierungen keine Rolle - und es wird zur Sache gehen – stürmisch und leidenschaftlich. Ausgang offen. „Beide Teams werden alles in die Waagschale werfen, um das Prestige-Duell zu gewinnen. Wir werden versuchen, auf alles vorbereitet zu sein. Der Sex-mit-der-Ex-Vergleich ist übrigens geil“, sagt HSV-Trainer Michael Göbel augenzwinkernd.

Dass seine Mannschaft wieder oben steht, hatte Ende Januar kaum noch jemand erwartet. Zu deftig war die 25:31-Heimschlappe gegen den HC Dillingen-Diefflen. Brutal gestürzt vom Titel-Konkurrenten in eigener Halle – das tat weh. „Wir haben uns aber gefangen. Aktuell präsentieren wir uns in guter Form und als Einheit“, sagt Göbel und freut sich über die überraschende Schützenhilfe. Nach Diefflens 22:30-Klatsche beim TV Niederwürzbach kletterte Merzig fünf Spieltage vor Schluss wieder auf Rang eins und liegt mit zwei Punkten vorn. Ein dünnes Polster – und dennoch. „Wir können die Meisterschaft aus eigener Kraft erringen. Den guten Lauf müssen wir nun gegen den Lokalrivalen fortführen“, betont Göbel.



Das Hinspiel in Brotdorf gewann Merzig mit 22:19. Beim letzten Treffen im Thielspark schnappten die Wombats den Wölfen aber beide Punkte weg. „Dieser Stachel sitzt tief und ist Motivation genug“, sagt der HSV-Trainer. Für Kollege Ralf Kreibig zählen die Stadt-Duelle zu den Höhepunkten der Saison. Nach zuletzt mäßigen Leistungen schöpfte der TuS-Trainer beim 36:33-Heimsieg gegen den Tabellenvierten HSG Nordsaar wieder Hoffnung. „Das war stark. Deshalb bin ich mir sicher, dass es auch ein enges Derby wird“, so Kreibig. Gerade die enge Verbindung nach Merzig mit vielen alten Bekannten mache die Partie immer besonders, sagt der langjährige Oberliga-Top-Torjäger der früheren Spielgemeinschaft HF Untere Saar (später HF Merzig-Brotdorf).

Auch David Pfiffer erwartet ein Spiel auf Augenhöhe. „Unsere Deckung muss stehen und wir dürfen Brotdorf nicht kontern lassen, dann gewinnen wir das Ding“, verspricht der HSV-Kapitän und gibt zu, vor dem Duell gegen die alten Freunde angespannt zu sein. „Die Zeiten, in denen ich mich vorher übergeben habe, sind aber längst vorbei.“

Für zusätzliche Brisanz sorgt eine Bekanntgabe des HSV-Vorsitzenden. „Die Brotdorfer Eigengewächse Philip Kewenig und Sven Klein, unser alter Torwart, wechseln von der HG Saarlouis II zu uns und tragen bald das Wölfe-Trikot“, verrät Dirk Ströker. Dass beide Vereine es in naher Zukunft mal wieder miteinander statt gegeneinander versuchen, glaubt Ströker nicht: „Derzeit genießen wir die sportliche Rivalität.“ Und wie beim Sex mit der Ex werden am Samstag beide Seiten Spaß haben. Derby-Momente fühlen sich einfach verdammt gut an, auch wenn es am Ende meist nur einen Gewinner gibt. Und das Bauchweh am Morgen danach? Egal.