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Bürgermeister
Ein prägendes Wirken für die Stadt

Ernst Thiel und seine Frau Elly. Foto: Museum Schloss Fellenberg
Ernst Thiel und seine Frau Elly. Foto: Museum Schloss Fellenberg FOTO: Museum Schloss Fellenberg
Seit dem Wochenende ist im Museum Schloss Fellenberg eine Ausstellung über Ernst Christian Thiel zu sehen. Er prägte als früherer Bürgermeister von Merzig drei Jahrzehnte lang die Kreisstadt.

Merzig (red) „Was mir mein Wirken für meine Mitbürger in den Bürgermeistereien Merzig Stadt und Land besonders schwer machte, waren zunächst die unerhörten Zustände, in denen ich hiesige Stadt- und die zum Landbezirk gehörigen Gemeinden, sowie die Verwaltung selbst vorfand.“ So beschreibt Ernst Christian Thiel in der Familienchronik die Zustände, als er mit 27 Jahren sein Amt in Merzig antrat.



Ernst Christian Thiel wurde am 1. August 1860 in Gummersbach geboren. Dort und in Lennep besuchte er die Höhere Schule und absolvierte anschließend den Vorbereitungsdienst für die Bürgermeisterlaufbahn bei der königlich-preußischen Regierung in Trier. Danach war er von 1884 bis 1887 Bürgermeister des Verwaltungsbezirks Kyllburg in der Eifel. Bald hatte er sich bei der königlich-preußischen Verwaltungsspitze Ansehen erworben. Im Sommer 1887 wurde er – nicht zuletzt wegen seiner Durchsetzungskraft – von der Regierung als Bürgermeister von Merzig-Stadt und – Land eingesetzt.

In Merzig heiratete Bürgermeister Thiel die Tochter des Direktors der Merziger Terrakottafabrik, Elly Spangenberg. Die Familie wohnte mit ihren sieben Söhnen in einer Villa, die sie am Ausgang von Merzig am Fuße des Hohen Berges erbauen ließen. Dank seiner Tatkraft wurde Merzig nach und nach zu einem zentralen Ort, der die Bezeichnung „Stadt“ nicht nur dem Namen nach verdiente: So vollzog er unter anderem eine Neustrukturierung der Kommunalverwaltung, unbefestigte Straßen wurden gepflastert, Brücken errichtet und ein Schlachthof gebaut, um die Versorgung der Bevölkerung besser zu gewährleisten.

Merzig erhielt eine zentrale Wasserversorgung und das Vereinsleben wurde nachdrücklich gefördert. In seiner Amtszeit wurde auch der Stadtpark angelegt. Besonderes Gewicht legte Thiel auf den Ausbau des Bildungswesens: Er unterstützte die Gründung der Höheren Töchterschule und eines Lehrerseminars – das heutige Peter- Wust-Gymnasium und das Gymnasium am Stefansberg hatten hier ihren Ursprung. Durch seine Bemühungen um die Bahnlinie Merzig-Waldwiese-Metz und um die Gründung der Merzig-Büschfelder Eisenbahn entstanden Verbindungen nach Lothringen und in den Hochwald.

In Anerkennung seiner Verdienste wurde Ernst Thiel 1910 vom Stadtrat zum Bürgermeister auf Lebzeiten gewählt. Seine Teilnahme am Ersten Weltkrieg, aus dem er mit bleibenden gesundheitlichen Schäden zurückkehrte, der schmerzhafte Verlust seiner drei ältesten Söhne bereits in den ersten Kriegswochen, sowie der frühe Tod seiner Ehefrau Elly im April 1917 machten aus ihm einen gebrochenen Mann. Aufgrund seiner schlechten körperlichen und seelischen Verfassung legte er sein Amt 1917 mit Vollendung seines 30. Dienstjubiläums nieder.

1920 wurde er von der französischen Besatzung wegen seiner preußisch geprägten Gesinnung als einziger Merziger ausgewiesen. Erst nach einem Jahr kehrte er in die Heimat zurück. Am 8. November 1932 starb Thiel im Alter von 72 Jahren. Er wurde neben seinen beiden Ehefrauen auf dem Merziger Friedhof Propsteistraße beigesetzt.

Die Ausstellung gibt einen kleinen Einblick in die Amtszeit von Bürgermeister Thiel in Merzig. Sie würdigt sein prägendes und konsequentes Wirken in und für die Stadt, zeigt aber auch welchen Anschuldigungen er – zu Recht oder zu Unrecht – ausgesetzt war. Die Ausstellung regt zur weiteren Beschäftigung mit einer spannenden Merziger Persönlichkeit an. Die Ausstellung erfolgt in Zusammenarbeit mit der Familie von Ernst Christian Thiel und basiert weitestgehend auf Dokumenten der Familie.

Die Austellung ist im Museum Schloss Fellenberg, Torstraße 45 in Merzig bis zum 8. April zu sehen. Tel. (0 68 61) 80 12 60.

Ernst Christian Thiel war als Merziger Bürgermeister drei Jahrzehnte lang eine prägende Person in der Region.
Ernst Christian Thiel war als Merziger Bürgermeister drei Jahrzehnte lang eine prägende Person in der Region. FOTO: Museum Schloss Fellenberg
Hirschgruppe im Stadtpark Merzig. Foto: Museum Schloss Fellenberg
Hirschgruppe im Stadtpark Merzig. Foto: Museum Schloss Fellenberg FOTO: Museum Schloss Fellenberg