„Die einzig vernünftige Lösung“

„Die einzig vernünftige Lösung“

Eigentlich war die Nordumfahrung Merzig schon ad acta gelegt, doch jetzt ist die Diskussion darum wieder in vollem Gange. Erneut ins Rollen gebracht hat den Stein die CDU-Mittelstandsvereinigung mit ihrer Forderung, das Vorhaben wieder auf die Agenda zu setzen.

Nach den Piraten, der FDP und der Merziger Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich (CDU ) meldet sich auch die Bürgerinitiative (BI) "Nordsaarlandstraße jetzt!" zu Wort. "Die erneute Diskussion um die Nordumfahrung - hoffentlich kein Wahlkampfgetöse - zeigt uns, dass dieses Thema bis zu einer zufriedenstellenden Lösung für die Bürger noch lange nicht abgeschlossen ist", erklärt deren Sprecher Ulrich Kieborz. Die Nordumfahrung sei "die einzig vernünftige Lösung der Verkehrsprobleme des Hochwaldes und Merzigs".

Die BI hat sich in den vergangenen Jahren stark gemacht für die Realisierung einer Merziger Verbindung der A 8 und A 1 über den kleinen Potsdamer Platz unter Nutzung der L 158 (Vergissmeinnicht-Straße). Das Projekt wurde im Koalitionsvertrag der Großen Koalition festgehalten, allerdings im Oktober 2014 als nicht realisierbar in die Schublade gelegt. Kieborz: "Wir meinen: Die Zeit ist jetzt (über-)reif für den Lückenschluss!"

Aus seiner Sicht fordert die städtebauliche Entwicklung in Merzig dazu auf, den überörtlichen Durchgangsverkehr aus der Stadt herauszuholen und abzuleiten. Zahlreiche neue Wohnbau- und Gewerbeprojekte seien direkt an der überlasteten Durchgangsstraße entstanden oder seien in der unmittelbaren Bauphase, erklärt Kieborz. "Der entstehende neue Querverkehr wird in den Verkehrsspitzen Merzig in Ost-West-Richtung lahmlegen, wenn der Durchgangsverkehr nicht reduziert wird."

Daran könne auch eine Umsetzung des Verkehrskonzeptes für Merzig mit "intelligenten" Ampeln nichts ändern. Eine Reduktion könne nur durch eine Umgehung erfolgen. Die Stadt Merzig , der Hochwald und der Kreis forderten seit langem die Realisierung der Nordsaarlandstraße.

"Realisierung bleibt schwierig"

Auch die CDU-Kreisvorsitzende in Merzig , Helma Kuhn-Theis , hat sich zu Wort gemeldet. Sie hält fest: "Die Nordsaarlandstraße ist eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte, für die sich die CDU im Kreis seit Jahren stark macht. Von daher ist es uns nach wie vor ein Herzensanliegen, dass dieses Projekt realisiert werden kann." Die Umfahrung sei nicht am fehlenden Geld oder am politischen Willen gescheitert. Diese Entscheidung sei einem verschärften Umwelt- und Naturschutzrecht geschuldet. Kuhn-Theis: "Solange es keine andere Entscheidungsgrundlage gibt, die neue Erkenntnisse und Spielräume aufzeigt, gerade in rechtlicher Hinsicht, wird es auch in Zukunft schwierig bleiben, dieses für uns alle so wichtige Projekt zu realisieren."

Derweil hat der neue Grünen-Kreischef im Nachbar-Landkreis, Klaus Borger, die Aussagen von Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich über seine Rolle beim Scheitern der Nordumfahrung kritisiert: "Der Wahlkampf heiligt nicht alle Mittel", so Borger. Er wirft der Landrätin vor, die Öffentlichkeit zu täuschen, "indem sie unwahre Behauptungen im Zusammenhang mit der Beauftragung der Umweltverträglichkeitsprüfung aufstellt". Es sei die damalige CDU-Alleinregierung gewesen, "in der sie zuständige Verkehrsstaatssekretärin war", die im Zusammenhang mit einer Umweltverträglichkeitsprüfung das Projekt beerdigen musste. Borger: "Was sie nun sagt, zeugt nicht nur von schwachem Erinnerungsvermögen und Verdrehung von Tatsachen, vielmehr ist dies einer Landrätin nicht würdig."

Zum Thema:

Auf einen Blick Bereits im März 2002 hat die Saarbrücker Zeitung über eine mögliche Nordsaarlandstraße als Verbindung zwischen A 1 und A 8 berichtet. Damals schien die Entwicklung weitaus fortgeschrittener als heute. Damals war von einem zügigen Ausbau die Rede. Sogar der Termin, ab wann die Strecke fertig sein soll, stand: 2007 war angepeilt. Kosten: drei Millionen Euro. 37 Kilometer sollte die Ausbaustrecke lang sein, eine Bundesstraße. Seinerzeit machte sich der saarländische Verkehrsminister Hanspeter Georgi (CDU ) stark. Auch Kultusminster Jürgen Schreier, die damalige Staatssekretärin Daniela Schlegel-Friedrich und Jürgen Gordner vom Wirtschaftsministerium waren mit im Boot. Die Nordsaarland-Straße sollte in Besseringen an die Westspange anschließen, am Losheimer Stausee vorbei über Wadern nach Kastel zur Autobahn-Auffahrt Nonnweiler-Braunshausen führen. hgn

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