Ein Leben ohne jedes Limit

Joey Kelly erzählt am Dienstag, 6. Dezember, in der Stadthalle Merzig von seinem Ausdauersport. Der Vortrag „No Limits – Wie schaffe ich mein Ziel“ beginnt um 19.30 Uhr. Mit SZ-Mitarbeiterin Gianna Niewel unterhielt sich Kelly vorab über Grenzen und die Frage, welche Erfahrung für ihn die krasseste war.

Wann sind Sie das erste Mal an ihre Grenzen gekommen?

Kelly: Zum ersten Mal so mit 13, 14 würde ich sagen. Mein Vater hat uns sehr streng erzogen und uns klare Grenzen aufgezeigt, was wir durften und was nicht und was er von uns erwartet. Da wusste ich, dass es ein langer Weg werden würde, bis ich richtig erwachsen bin.

Und sportlich?

Kelly: Das war vor etwa 19 Jahren bei meinem ersten Wettkampf, einem Triathlon - also 1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und zehn Kilometer Laufen. Ich hatte mit meiner Schwester Patricia gewettet, dass ich es schaffe. Ich hab's dann auch ins Ziel geschafft, obwohl ich mich nicht vorbereitet hatte; allerdings als einer der letzten.

Und wann sind Sie das letzte Mal an Ihre Grenzen gekommen?

Kelly: Vor drei Monaten in Berlin beim Mauerlauf, das sind einhundert Meilen, also etwa 172 Kilometer durch die Stadt und auch an der alten Mauer entlang. Nach etwa 20 Kilometern musste ich mich übergeben, ich war komplett dehydriert.

Wieso haben Sie weitergemacht?

Kelly: Ich hab' mich erst mal hingelegt, ich war stark verschwitzt. Dann habe ich ein bisschen warme Suppe gegessen und bin wieder gelaufen. Die Blockade war ja nie im Kopf, sie war im Körper. Ich bin mit 27 Stunden 27 Minuten im Ziel angekommen, und darüber war ich glücklich. Mit der Zeit war ich nicht zufrieden.

Welche Zeit hatten Sie angepeilt?

Kelly: 24 Stunden.

Wie sind Sie zum Ausdauersport gekommen?

Kelly: Ich habe mich schon immer gern bewegt, ich hab' auch schon immer neben der Musik Sport gemacht. Dass ich Ausdauersport machen würde, war reiner Zufall. Tatsächlich kam das erst mit der Wette meiner Schwester. Da habe ich gemerkt, was für ein guter Ausgleich das eigentlich zum Alltag ist.

Was reizt Sie an den Extremen?

Kelly: Ich denke, es ist die Kombination aus dem Ausdauersport , und aber auch der Reise, die meist damit verbunden ist. Ich lerne andere Kulturen und Menschen kennen und ich erlebe die Strecke viel intensiver, als wenn ich mit einem Allrad-Auto irgendwo Safari machen würde. Zumindest sehe ich das so. Vor zwölf Jahren bin ich mit einem Kumpel von Berlin bis in den Irak mit dem Fahrrad gefahren. Wir sind durch die Türkei geradelt, durch Syrien von Aleppo bis Damaskus, dann nach Jordanien bis an die irakische Grenze. Das ist natürlich eine irre Herausforderung: Zehneinhalb Tage für 4500 Kilometer Strecke. Aber das war schon sehr eindrücklich, das Land Syrien zu sehen. Mir schien das fortschrittlich, es gab Autobahnen und Hochhäuser - zehn Jahre später ist die Region im Ausnahmezustand.

2010 sind Sie in 17 Tagen und 23 Stunden von Wilhelmshaven bis zur Zugspitze gelaufen. Waren Sie da auch im Saarland?

Kelly: Nein, im Saarland waren wir nicht.

Was haben Sie bei der Tour über Deutschland gelernt?

Kelly: Ich persönlich habe gelernt, wie schön Deutschland ist. Was für tolle Wälder und Flüsse wir haben und wie sauber alles ist. Das sagen einem ja manche Ausländer, Spanier zum Beispiel, aber man selbst nimmt das im Alltag kaum wahr, oder man vergisst es wieder. Bayern zum Beispiel - landschaftlich ist das unfassbar schön.

Wo haben Sie auf der Tour übernachtet?

Kelly: Unter Brücken und in Schuppen oder im Wald. Wir hatten keine Zelte, sondern diese grünen Planen, die normal über Holzvorräte gespannt werden.

Was war das für Sie Krasseste?

Kelly: Ich hab' schon viel Krasses gemacht... aber tatsächlich war die Deutschlandtour hart.

Wieso war die härter als - sagen wir - ein Wüstenlauf bei 50 Grad?

Kelly: Weil man immer so nah an Zuhause ist, an der Möglichkeit, in drei, vier Stunden in einem warmen Bett zu schlafen und zu duschen, diesen Komfort zu haben. Natürlich zehrt das, es war oft kalt und wir haben nur das gegessen, was wir unterwegs gefunden haben.

Wie bereiten Sie sich auf so etwas vor?

Kelly: Indem ich viel trainiere, also den Körper fit kriege. Das sind meist vier bis sechs Wochen intensive Vorbereitung. Und dann stelle ich kurz vorher die Ernährung um, ich verzichte dann auf alles außer Obst, Gemüse und Eiweiß.

Was kann der Merziger, der keinen Ultramarathon läuft und auch nicht dafür trainiert, von dem Abend mitnehmen?

Kelly: Das wird kein Motivationsabend, kein Tschatschacka-Vortrag. Ich glaube, dass man sich selbst motivieren muss; ich jedenfalls will niemanden ändern. Ich werde Bilder und kurze Videos von meinen Touren zeigen und davon erzählen, wie ich die Reisen und den Ausdauersport erlebt habe.

Zum Thema:

Zur Person Joey Kelly wurde am 20. Dezember 1972 als José Maria Kelly in Spanien geboren. Bekannt wurde er als Mitglied der Folkband The Kelly Family . Auf seine Zeit als Musiker folgte eine Zeit als Extremsportler : Kelly absolvierte 40 Marathons, über 30 Ultramarathons, 9 Wüstenläufe und drei Mal das Radrennen "Race Across America" von der West- zur Ostküste der USA. Wenn er nicht gerade hierfür trainierte, sah man ihn beispielsweise auch bei Stefan Raabs Wok-WM. Karten gibt es für 20 Euro in allen Ticket-Regional-Vorverkaufsstellen, im Ticketbüro des Kreiskulturzentrums Villa Fuchs in der Stadthalle und unter Tel. (0 68 61) 9 36 70 sowie online: villa-fuchs.de

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