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Betriebe im Kreis stellen sich vor

Praktikums- und Ausbildungstour : Betriebe im Kreis stellen sich vor

In zwei Gruppen, mit einem „Industriebus“ oder „Hotel- und Gastronomiebus“, besuchten Flüchtlinge Betriebe im Grünen Kreis. Die SZ war dabei, als sie sich in zwei Hotel- und Gastronomiebetrieben umsahen.

Beeindruckt und auch etwas eingeschüchtert stehen sie vor dem luxuriösen Domizil Schloss Berg. "So, dann schauen wir uns mal eine Suite an", sagt Junior-Personalassistentin Manuela Augustin und öffnet die Tür zum Innern. Still folgen ihr die 22 Besucher, über rote Läufer geht's zum Zimmer im Obergeschoss. Als sie eintreten, flüstert ein junger Mann "Oh my god", ein anderer fragt: "Schön, darf ich hier schlafen?" - alle lachen. Dafür sei keine Zeit, sagt Augustin. Der Zeitplan ist knapp bemessen. Und auch der Preis von etwa 280 Euro pro Person, pro Nacht, ist wohl für keinen der Anwesenden erschwinglich.

Die jungen Leute sind fast ausschließlich Syrer und erst seit einigen Monaten in Deutschland. Zum Victor's Residenz-Hotel sind sie gekommen, um sich zu bewerben. Insgesamt nehmen 40 Flüchtlinge an der von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Saarland organisierten Praktikums- und Ausbildungstour teil, aufgeteilt in zwei Gruppen, den "Industriebus" und den "Hotel- und Gastronomiebus".

Ein Flüchtling überreicht Maunela Augustin von Victor's in Nennig die Bewerbungsmappe. Foto: Dirk Guldner

Ob er sich für den richtigen Shuttle entschieden hat, weiß der 27-jährige Sipan Hussien noch nicht. Nach der Ankunft steht er etwas verloren auf dem riesigen Gelände des Hotels. In seiner Heimat hatte er fünf Jahre lang Englische Literatur studiert und bereits ein Jahr als Lehrer gearbeitet. Vor elf Monaten kam er nach Deutschland und stand plötzlich vor dem Nichts. Mit seinem 15-jährigen Neffen wohnt er nun in Nunkirchen und sucht nach einer neuen Arbeit. Er spricht fließend Türkisch, Kurdisch, Arabisch und Englisch - eine Stelle als Rezeptionist könne er sich beispielsweise gut vorstellen, erzählt Sipan. Nach der Führung reicht er seine Bewerbungsmappe für ein Praktikum ein.

Der 25-jährige Anas Haj Ahmed ist hier eigentlich fehl am Platz. In Aleppo hatte der junge Mann - der nach 13 Monaten in Deutschland bereits fast fehlerfrei Deutsch spricht - Finanz- und Bankwesen studiert und als Buchhalter gearbeitet. Ob er sich vorstellen könne, hier eine Ausbildung zu machen? Eigentlich nicht, aber er wolle sich trotzdem über andere Möglichkeiten informieren. Am liebsten würde er bei einer Bank arbeiten. In einer Filiale der Sparkasse habe er bereits ein Praktikum gemacht, aber er müsse noch auf eine Entscheidung warten, ob sein Studium in Deutschland anerkannt werde. Mohammad Rahal hingegen nutzt die Chance und überreicht Augustin stolz seine Bewerbungsmappe. Der 25-Jährige hat ein abgeschlossenes Restaurantmanagement-Studium und möchte sich nun zum Restaurantfachmann ausbilden lassen.

Nach einem kurzen Snack in der Bar geht's auch schon weiter. Der nächste Stopp: Das Hotel und Restaurant Castello Bianco in Lockweiler. Auf der großen Außenterrasse des Unternehmens nehmen die jungen Leute Platz, ein Kellner serviert allen kühle Getränke. Sofort löchern sie Inhaber Giuseppe Palermo, seine Frau und Tochter mit Fragen zu Ausbildungsmöglichkeiten, Größe des Betriebs und wollen wissen, ob es eine Wohnung für Auszubildende gibt.

Der Familienbetrieb mit zehn Zimmern scheint vielen Teilnehmern auf Anhieb zuzusagen. "Klein, aber sehr gemütlich und schön", urteilt Sipan bei einer kurzen Führung. Und auch die große, helle Küche begeistert. Den Steinofen, in dem Pizzen gebacken werden, inspizieren sie ganz genau. Wer Interesse hat, überreicht am Ende seine Bewerbungsmappe, dann steigt die Gruppe ein letztes Mal in den Bus mit dem Ziel: Parkhotel Weiskirchen.

Im Hotel und Restaurant Castello Bianco in Lockweiler informierten sich die Flüchtlinge. Wer Interesse hatte, überreichte eine Bewerbungsmappe.

Zum Thema:

Hintergrund "Praktikums- und Ausbildungstour für Flüchtlinge im Landkreis Merzig-Wadern " nennt sich die Aktion, bei der sich verschiedene Unternehmen Flüchtlingen vorstellten. Organisiert wurde die Tour von der IHK Saarland in Kooperation mit der Agentur für Arbeit Saarland, dem Jobcenter und dem Landkreis Merzig-Wadern sowie dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA). Besucht wurden die ThyssenKrupp-System-Engineering GmbH und das Hotel und Restaurant Castello Bianco in Lockweiler, die V&B-Fliesen GmbH in Merzig, das Parkhotel Weiskirchen und das Victor's Residenz-Hotel Schloss Berg in Nennig. Die Tour richtete sich speziell an Flüchtlinge , die bereits Deutschkenntnisse auf B1-Niveau nachweisen konnten. jaf