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Mindere Qualität bei der Getreideernte

Ernte-Einsatz bei Weiten: Die Landwirte haben derzeit alle Hände voll zu tun. Foto: Rolf Ruppenthal
Ernte-Einsatz bei Weiten: Die Landwirte haben derzeit alle Hände voll zu tun. Foto: Rolf Ruppenthal FOTO: Rolf Ruppenthal
Merzig. Wie fällt die Ernte in diesem Jahr Jahr im Landkreis Merzig-Wadern aus? Sorgte doch das Wetter nicht gerade für optimale Bedingungen für das Gedeihen der Pflanzen. Experten aus dem Kreis geben Antworten. Jana Freiberger

Sonne und hohe Temperaturen - aber kein Tropfen Regen, klagten die Landwirte im vergangenen Jahr. Von "Fuselwetter" und "mäßigen Sommertemperaturen mit viel Feuchtigkeit" spricht der erste Vorsitzende des Kreisverbandes der Obst- und Gartenbauvereine Merzig-Wadern, Alois Engeldinger, in diesem Jahr.


Die oft feuchtschwüle Witterung habe so manche schädliche Entwicklung für Obst und Gemüse begünstigt: "Pilzkrankheiten wie Mehltau beeinträchtigten die Ernte regional recht stark", berichtet Engeldinger. Der so genannte Falsche Mehltau setze insbesondere den Winzern zu, findet Engeldinger. Die Biobetriebe hätten sehr aufpassen und rechtzeitig handeln müssen, die "konventionellen Betriebe mussten oftmals mehr mit Chemie in die Weinberge, damit die Ernte nicht allzu sehr beeinträchtigt wird". Seine Erwartungen für die Obsternte: befriedigend bis gut. Die Gemüse- und Salatsaison: durchwachsen. Fehler wie beispielsweise zu dichter Bewuchs und die damit einhergehende mangelhafte Durchlüftung rächten sich in diesem Jahr stärker als sonst.

Der saarländische Winzerpräsident Gerd Petgen äußert sich bezüglich der Weinernte weniger pessimistisch als Engeldinger. Noch seien alle Optionen offen. Die Lage sei nicht so problematisch, wie sie Anfang Juli noch ausgesehen habe. "Wir brauchen jetzt noch vier Wochen schönes Wetter", sagt Petgen und ergänzt: "Wir sehen einem gar nicht so schlechten Jahrgang entgegen." Der "Falsche Mehltau" habe in seinem Betrieb nur auf 20 Prozent der gesamten Rebfläche Schaden angerichtet. Aber das sei von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich.



Obstbauer Joseph Jacoby aus Tünsdorf berichtet von Ertragseinbußen, aber guter Qualität der Produkte: "Die Ernte fällt halt jedes Jahr unterschiedlich aus, das ist eben so. Und wir sind auch dieses Jahr nicht unglücklich damit." Die Kirschernte sei gut, die Mirabellen- und Zwetschgenernte eher durchwachsen. "Zur Blütezeit war das Wetter nicht optimal". erklärt Jacoby. Aber die Nachfrage sei hoch, der Preis dementsprechend auch zufriedenstellend. Die Frühäpfelernte liege etwas unter dem Durchschnitt.

Schlechter steht es um die diesjährige Getreideernte. "15 bis 30 Prozent Minderertrag, mindere Qualität, ein Extremjahr", berichtet Peter Hoffmann, Kreisvorsitzender des Bauernverbandes Saar. Ein großer Teil der Ernte diene lediglich als Futterweizen. Auch bei der Obsternte habe es Probleme gegeben.

Bei dunklem Obst wie Kirschen, Trauben und Pflaumen hätten die Bauern mit der Kirschessigfliege zu kämpfen gehabt. "Wenn man keine intensiven Kulturen mit großem Pflanzenschutzaufwand betreibt, ist man dem Treiben halt ausgesetzt", sagt Hoffmann. Ein passgenauer Pflanzenschutz könne "so manche Qualität noch retten". Gerade im Wein-, Getreide- und Kartoffelanbau gelte dies, ergänzt der Vize-Bauernpräsident.

Wie es um die Preise stehe? Hoffmann zögert erst und erklärt dann: "An Preisen kann man in dieser globalisierten Welt nichts ändern." Beispielsweise habe auch Frankreich eine ganz miese Ernte gehabt. "Da dachten wir, wenn der größte Getreideproduzent große Ausfälle hat, dann steigen bei uns die Preise - aber Pustekuchen", so Hoffmann. Russland, wo es dieses Jahr Rekordernten gab, habe Frankreichs Einbußen problemlos ausgeglichen. "Der globale Preis ist, wie er ist." Und das kleine Saarland sei ja nur ein "Mückenschiss" auf der Karte.