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Kolumne Unsere Woche
Der Kunde kommt aufs Abstellgleis

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Das ist eine bittere Pille, was die Kunden der Vereinigten Volksbank VVB von ihrer Hausbank verabreicht bekommen: Auf einen Schlag macht die VVB schon Anfang 2019 drei Filialen in unserem Kreis dicht, die sich auch noch in direkter Nachbarschaft befinden: in Düppenweiler, Reimsbach und Rissenthal.

Als einen Grund führt die Bank an, dass immer mehr Kunden aufs Online-Banking umsteigen und immer weniger die Filialen aufsuchen. Das mag sein. Andererseits hat die VVB mit Konto-Modellen, die das Online-Banking mit deutlich niedrigeren Gebühren versehen hat als den klassischen Filialservice, diese Entwicklung selbst vorangetrieben. Auch das gehört zur Wahrheit hinzu.


Der angekündigte Rückzug aus der Fläche (insgesamt fallen  28 VVB-Standorte im Land weg) ist eine Abkehr vom Kunden, die in ihrer Radikalität sauer aufstößt. Sicher, es wäre vermessen gewesen, zu glauben, dass drei Zweigstellen, die jeweils nur rund fünf Kilometer auseinander liegen, auf Dauer alle bestehen bleiben. Aber dass jetzt binnen eines Jahres alle geschlossen werden, ist ein Schlag ins Gesicht der Stammkundschaft. Warum konnte die VVB nicht eine der Filialen vorerst offen halten und prüfen, wie sich die Nutzerzahlen entwickeln? Und dass nicht einmal an einem Standort mittelfristig wenigstens Automaten für die wichtigsten Erledigungen bestehen bleiben, schneidet ein Einzugsgebiet mit gut 9000 Menschen zum Beispiel von der Versorgung mit Bargeld ab. Die müssen nun in benachbarte Orte fahren, um an einem Geldautomaten kostenfrei Geld zu bekommen. Was aber machen  Volksbank-Kunden, die nicht mehr so mobil sind? Und was geht wohl in den Kunden der Volksbank Untere Saar in Losheim vor, die im kommenden Jahr ebenfalls unters Dach der VVB schlüpfen soll und will? Volksbanken sehen sich gerne als die Geldhäuser der kleinen Leute, die bodenständig und regional verwurzelt arbeiten. Die VVB hat sich von diesem Ideal ein Stück weit verabschiedet.