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Kolumne Wort zum Alltag
Katholische Kirche – wohin führt der Weg?

Die Katholische Kirche steht wegen der Veröffentlichung der Missbrauchsstudie unter Beschuss. Kirche muss sich in der Missbrauchsfrage ihrer Verantwortung stellen. Die Trierer Bistumssynode zeigt hierzu wichtige Veränderungsaspekte auf.

Die Beschlüsse der Synode benennen notwendige inhaltliche und strukturelle Veränderungen der Kirche im Hinblick auf die heutige Lebenswirklichkeit der Menschen. Sie liefern neue Ansätze für die Seelsorge, indem sie mehrere Perspektivwechsel beschreiben. Der erste wichtige Grundsatz der Synode ist: „Vom Einzelnen her denken“.


Opfer brauchen Anerkennung ihres Leides und Unterstützung. Das ist sicher in den letzten Jahren ansatzweise erfolgt – aber noch nicht ausreichend. Zu oft wurden die Täter, sobald sie nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden konnten, nur versetzt, ohne an den Schutz von weiteren Opfern zu denken. Seelische Verletzungen wirken ein Leben lang nach. Die Lebensentwürfe vieler Opfer wurden zerstört. Manche leben heute an der Armutsgrenze. Warum nicht Täter, die oft gut abgesichert im Ruhestand leben, in die Pflicht nehmen? Könnte man ihnen nicht abverlangen, sich an der Entschädigung der Opfer zu beteiligen?

Die Autoren der Missbrauchsstudie beschreiben Problembereiche der Kirche, die den Missbrauch begünstigen. Als Hauptprobleme werden Klerikalismus und die kirchliche Sexualmoral benannt.



Mit Fragen der kirchlichen Sexualmoral und der Stellung der Frauen in der Kirche hat sich die Trierer Bistumssynode intensiv auseinandergesetzt und zukunftsweisende Hinweise gegeben. Zukünftig werden nicht mehr nur die Kleriker das Sagen haben. Das ist ein weiterer wichtiger Perspektivwechsel der Bistumssynode.

Durch die Bildung von Leitungsteams mit ehrenamtlichen und hauptamtlichen Laien wird die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt. So wird Machtmissbrauch vorgebeugt. Frauen sollen selbstverständlich in diese Teams eingebunden sein. Männerbündlerische Seilschaften sind dann nicht mehr so leicht möglich. Diskutiert wurde in den Vollversammlungen der Synode immer wieder die Zulassung von verheirateten Männern und auch von Frauen zum Priesteramt.

Das Abschlussdokument der Trierer Bistumssynode steht unter der Überschrift: „Herausgerufen – Schritte in die Zukunft wagen“. Es gilt, mutig diese Schritte zu gehen, auch in Bezug auf die Missbrauchsproblematik.

Wolfgang Drehmann,
Diakon in Losheim