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Kolumne Wort zum Alltag
Wie sieht ein gelungenes Leben aus?

Geht ein Vorstand der Deutschen Bank in Rente, so behält er ein Büro, eine Sekretärin und einen Dienstwagen. Dieses Büro befindet sich in einem eigenen Gebäude. In der Deutschen Bank nennen sie es das Sterbehaus.

Seine Insassen sind Männer, die es „geschafft“ hatten.. Die ein Leben geführt haben, das in den Augen vieler erstrebenswert ist. Die nun aber nicht mehr gebraucht werden.


Um dahin zu kommen, mussten diese Männer Opfer bringen. Wie sieht es in ihren Familien aus, wenn sie auch im Ruhestand jeden Tag in ein Büro fahren müssen, in dem es nichts zu tun gibt? Wie viele Leichen haben sie im Keller? Wie viele Deals abgeschlossen von zweifelhaftem Inhalt?

Was hat das mit ihrer Seele gemacht? Stellen sich diese Banker die Frage, ob ihr Leben gelungen war? Sind sie zufrieden? Oder blenden sie die Frage aus, indem sie ihr Berufsleben inhaltsleer, aber in der äußeren Hülle weiterleben?



Ist Banker sein das, was sie definiert? Sind sie keine Ehemänner, Väter, Brüder, Freunde, aber auch Reisende, Gläubige, Neugierige?  Gibt es sonst nichts, was sie gern tun würden, außer weiter im Sterbehaus der Deutschen Bank ins Büro zu gehen?

Paulus von Tarsos erläutert im Galaterbrief seine eigene Ansicht zum gelungenen Leben. Wir leben nicht für uns alleine und stehen deswegen in Beziehungen zu anderen Menschen. Zur Familie, zu den Menschen in den Gemeinschaften, denen wir freiwillig angehören, wie zum Beispiel der Kirchengemeinde oder den Vereinen und dem Arbeitsplatz. Und den Gemeinschaften, denen den wir unfreiwillig angehören, die aber dennoch wichtig sind, wie unser Land.

Unsere Beziehungen zu Menschen sollen von Brüderlichkeit getragen sein. Nicht von eitler Ehre, Herausforderung und Neid. Sanftmütig und vergebend sollen wir sein, einander beistehen und nicht denken, dass wir besser als der andere seien. Keiner ist etwas Besonderes. „Denn wenn jemand meint, er sei etwas, obwohl er doch nichts ist, der betrügt sich selbst… Lasst uns aber Gutes tun und nicht müde werden; denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten, wenn wir nicht nachlassen.“

Dr. Alexander Sudahl, Prädikant in der Evangelischen Kirchengemeinde Wadern-Losheim