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Landesarbeitsgemeinschaft Erinnerungsarbeit im Saarland

„Antidemokratische Tendenzen“ in Zeiten von Corona : LAG Erinnerungsarbeit sorgt sich um Demokratie

Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft berichtet von rechtlichen Auseinandersetzungen mit Gegnern der Corona-Maßnahmen.

Die Landesarbeitsgemeinschaft Erinnerungsarbeit im Saarland (LAGE) ist ein Zusammenschluss von Schulen, Museen, Institutionen, Städten und Kommunen sowie Einzelpersonen im Land, der das Erinnern an die Verbrechen der Nazis aufrechterhalten möchte. Vor über zwei Jahren wurde sie gegründet, jetzt war die Neuwahl des neunköpfigen Sprecherrates notwendig geworden. Dazu kamen unter strengsten Hygienebedingungen Mitglieder und Vertreter der Mitgliedsorganisationen in der Aula des St. Wendeler Gymnasiums Wendalinum zusammen.

Nach der Begrüßung durch den LAGE-Sprecher, Kirchenrat Frank-Matthias Hofmann, hielt der St. Wendeler Landrat Udo Recktenwald (CDU) eine Ansprache, in der er an das einst blühende jüdische Leben in St. Wendel erinnerte. „Wie wichtig die Erinnerungsarbeit ist, zeigen auch die aktuellen Ereignisse“, sagte Recktenwald und meinte damit „antidemokratische Tendenzen, die wir im Umfeld der Corona-Pandemie erleben“. Er befinde sich derzeit „in einem sehr unappetitlichen Gefecht mit Querdenkern“.

Hofmann bedankte sich anschließend bei Recktenwald dafür, dass der Landkreis St. Wendel als erster saarländischer Kreis Mitglied bei der LAGE wurde. Auch er berichtete von Ungemach mit den Gegnern der Coronamaßnahmen, die ihn nach einem Interview mit der Saarbrücker Zeitung wegen Volksverhetzung angezeigt hätten. Was Hofmann besonders an den St. Wendeler Demonstrationen gegen die Coronamaßnahmen gestört hatte, war, dass manche Teilnehmer Davidsterne aufgenäht hatten mit Aufschriften wie „ungeimpft“ oder „DDR 2.0“. „Das ist sittenwidrig und gehört verboten“, betonte Hofmann.

Ansonsten erinnerte der Kirchenrat an die Aktionen der LAGE seit ihrer Gründung: Den Gedenkgang durch das jüdische Saarbrücken anlässlich der 80. Wiederkehr der Reichspogromnacht, die Exkursion zu Gedenkstätten des Westwalls und die Erinnerung an die Deportation der saarländischen Juden, Sinti und Roma ins Lager Gurs am 22. Oktober 1940. 2021 werde die Erinnerung an die Psychiatrieopfer der NS-Zeit im Fokus stehen, sagte Hofmann.

Auch der Leiter der Landesinstituts für Pädagogik und Medien, Burkhard Jellonnek, wies auf die „massiven Probleme“ hin, die heute bestünden: Etwa dass Reichskriegsflaggen und Reichsflaggen öffentlich gezeigt würden. Rechtsextreme, Rechtspopulisten und Identitäre seien auch im Internet so stark vertreten, dass man sich große Sorgen um den Bestand unserer Demokratie machen müsse. Gleichwohl freute sich Jellonnek über die gute Resonanz auf die LAGE-App „Orte der Erinnerung“, die die Nutzer zu zehn Saarbrücker Erinnerungsorten an die NS-Zeit führt.

Kurzfristig war noch ein Antrag auf die Tagesordnung gekommen. Es ging um die Finanzierung einer Beratungsstelle des Landesverbandes der Sinti und Roma in Saarbrücken. Die Vorsitzende dieses Landesverbandes, Diana Bastian, sagte, sie würde die Organisation seit 2017 aus eigenen Mitteln unterstützen und könne das nicht länger leisten. Sie wolle daher einen Antrag an die Landeshauptstadt und an das Land stellen für die ideelle und finanzielle Unterstützung der noch einzurichtenden Beratungsstelle. Die LAGE-Delegierten sicherten einstimmig zu, Bastians Antrag zu unterstützen.

Als Sprecher für die neun Bildungs- und Gesellschaftsbereiche der LAGE wurden gewählt: Jörn Didas vom Adolf-Bender-Zentrum für die außerschulische Bildung, Joachim Conrad für die historischen Vereine, Hannah Meuler für die Jugendarbeit, Sabine Geith für die Museen, Frank-Matthias Hofmann für die Religionsgemeinschaften, Christian Heib für die schulische Bildung, Patrik H. Feltes für Städte und Gemeinden, Frank Hirsch für die Wissenschaft und Burkhard Jellonnek für die Zivilgesellschaft.

erinnerungsarbeit-saarland.de